Beim Xtracycle passt selbst das Surfbrett aufs Rad

Wohin mit dem sperrigen Gepäck auf dem Fahrrad? Dass man auf einem Fahrrad auch ein Surfbrett oder gar einen Kontrabaß transportieren kann, beweist der Hersteller Xtracycle. Die junge kalifornische Firma hat einen Bausatz entwickelt, mit dem sich fast jedes Fahrrad zu einem Transportbike umbauen lässt.

XtracycleMöglich macht dies eine Erweiterung des hinteren Rahmenteils, Experten nennen es Hinterbau. Nach ein paar Umbauten hat das Rad doch deutlich sein Aussehen verändert. Der Erfinder, Ross Evans, hat es Sport-Utility-Bicycle (SUB) getauft, was man auf Deutsch mit Mehrzweckrad übersetzen könnte.

Das Anschrauben des neuen Rahmenteils verlängert den Radstand um 35 Zentimeter. Allerdings wächst nicht nur die Länge, sondern auch das Gewicht des Fahrrades. Der Hersteller gibt es mit 4,5 Kilogramm an. Die scheinen für den Mehrwert akzeptabel zu sein, der Preis von 760 Mark ist es allerdings nicht.

Denn spätestens an dieser Stelle wird sich so mancher Radfahrer nach Alternativen umschauen, beispielsweise nach einem einrädigen Anhänger. Auch der "Yak" der Firma "B.O.B." schleppt jede Menge weg, wenn auch das zulässige Gesamtgewicht mit 30 Kilogramm angegeben wird, während das Sport-Utility-Bicycle satte 100 Kilogramm tragen soll. Auch der Yak ist nicht billig, aber immerhin noch knapp 200 Mark preiswerter als die Anbaukonstruktion von Xtracycle. Auch mit dem Yak bleibt man sehr wendig und kann auch sperrige Güter transportieren (wenn auch keine Surfbretter, Boote oder Skier). Der große Vorteil des Anhängers ist natürlich seine schnelle Demontage. So wird mit wenigen Handgriffen aus einem normalen Rad ein Transportbike. So schnell ist dies beim Stretchbike nicht möglich, denn zahlreiche Kabel müssen neu verlegt werden. "Aufgrund seines geringen Gewichts kann man das Rad aber immer noch Treppen rauf und runter tragen", argumentiert Evans. Etwas, was mit einem Anhänger schwierig sei. Den Einbau des SUB übernimmt übrigens ein Vertragspartner ("Ein Händler in der Nähe des Kunden"), die Arbeitskosten sind im Preis bereits enthalten.

Die Liste, die man mit dem SUB transportieren kann, ist beeindruckend. Dabei wird dies nicht nur durch die Verlängerung des Hinterbaus ermöglicht, sondern auch durch die durchdachte Stahlkonstruktion, die längere Güter wie Surfbretter auf Abstand zu Rad und Fahrer hält, damit das Gepäck beim Treten nicht stört. Selbst der komplette Fahrradkarton (beispielsweise auf dem Weg zum Flughafen) findet Platz. Oder anders ausgedrückt: Auch ein Zweitfahrrad lässt sich auf diese Weise transportieren.

Laut dem 25-Jährigen Evans darf man auch ausgewachsene Passagiere auf dem länglichen, an ein Skateboard erinnernden Holzsitz transportieren. Allerdings nicht in Deutschland. Hier erlaubt der Gesetzgeber nur den Transport von Kindern bis zum siebten Lebensjahr und auch nur in geeigneten Sitzen.

Aber die Mehrzahl der Kunden möchte höchstwahrscheinlich auch eher sperrige Güter transportieren. Wer beispielsweise mit seinem Kayak auf große Tour gehen möchte, kann es sich jetzt einfach ans Fahrrad klemmen. Und ein wenig weiter gedacht, ergeben sich wirklich sehr interessante Möglichkeiten. Baut man nämlich Erweiterung in einen faltbaren Rahmen ein, so kann zunächst Radeln und dann, wenn der Weg aufhört, mit dem Kayak aufs Wasser umsteigen. Für Abenteurer sicherlich interessant.

Mit breiten, und zugleich langen Gütern wird man allerdings auch mit dem SUB Schwierigkeiten haben. Ob man wirklich einen Kühlschrank auf dem Bike transportieren kann, wie es der Hersteller verspricht, muss an dieser Stelle offen bleiben. Laut Xtracycle verändert sich das Fahrverhalten durch den Anbau nur unwesentlich. "Man kann es wie ein reguläres Bike fahren", behauptet Ross Evans. Selbst wenn man es auf der einen Seite mit einem Kayak belade. Konzipiert ist die Erweiterung für 26-Zoll-Räder. Eine spezielle Version für 28-Zoll-Räder soll es aber auf Anfrage auch geben. (Der Yak von B.O.B. ist universell an beiden Radgrößen montierbar). Evans hat aber vor allem die Mountainbiker im Auge, die auf Trails durch die Natur radeln, um auf irgend einem einsamen See rudern oder surfen zu gehen.

Evans, der ursprünglich aus Arizona stammt, hat große Pläne, glaubt doch glatt, dass sich - angeschoben durch sein SUB - ein neuer Fahrradtyp durchsetzen werde, "ähnlich wie vor 20 Jahren das Mountainbike".

Und dieser neue Typ sei ein Transportrad. "In unterentwickelten Ländern ist jedes Fahrrad ein Cargo-Bike", sagt Evans, der bereits Workshops in Cuba, dem Senegal, Südafrika und Uganda veranstaltet hat. Damit auch in diesen Ländern die Räder bezahlbar sind, hofft der US-Amerikaner auf viele Verkäufe in der Ersten Welt, um mit dem Gewinn den Verkauf subventionieren zu können.

Weitere Infos: www.xtracycle.com. Das Europabüro von Xtracycle befindet sich in Innsbruck: Tel. 0043 (0) 51227659.