Müssen Räder mitwachsen?

Seit einigen Jahren tut sich etwas auch bei den Herstellern von Kinderrädern. Das Zauberwort heißt „mitwachsendes Rad“. Im Prinzip ist damit gemeint, daß man den Rahmen des Rades stufenlos an die Größe des Kindes anpassen kann. Entscheidend ist dabei, daß eine aufrechte Sitzposition erreicht wird, welche besonders in den Wachstumsphasen wichtig ist.

Richtig sitzen kann das Kind aber nur dann, wenn der Abstand zwischen Sattel und Lenker stimmt. Bei den Rädern des Herstellers Puky ändert sich deshalb mit zunehmender Höhe des Sattels auch der Abstand zum Lenker. Dies bedeutet konstruktionsbedingt, daß Steuer- und Sattelrohr nicht mehr parallel zueinander verlaufen. Andere Hersteller bevorzugen ein nicht nur in der Höhe, sondern auch im Abstand verstellbaren Sattel.

Allerdings haben beide Systeme ihre Grenzen. Joachim Kuchenbecker, Geschäftsführer der Firma Puky, sagt, daß man auch mit diesem Konzept immer noch zwei Größen bis zum Erwachsenenrad brauche. „Man tut den Kindern keinen Gefallen, wenn man an Anfang zu große Räder kauft“, weiß Kuchenbecker.

Puky hat deshalb ein neues Größensystem eingeführt. Ingesamt 21 verschiedene Modelle gibt es ab diesem Jahr. Eingeteilt werden sie in die Größen Small (S), Medium (M) und Large (L). Jedes von Puky angebotene Rad gibt es in diesen drei Größen und in drei Farbvarianten. Die Größe S gibt Puky für Menschen von 118 bis 145 Zentimeter (cm) Körpergröße an. M eignet sich Menschen zwischen 125 und 160 cm. Und L sollten dann die Heranwachsenden mit einem Körpermaß von 140 bis 170 cm fahren.

Eine Absage erteilt Kuchenbecker der Vollfederung bei Kinderrädern. Nicht nur, weil sie teuer sei: „Die ist auch für Kinder schwer handhabbar, denn Kids gehen mit ihren Rädern anders um als Erwachsene“, argumentiert Kuchenbecker. Allenfalls bei 24-Zollrädern hält er den Einbau für denkbar.

Die Firma Giant geht da progressiver zur Sache. „Warum sollen wir den Kindern die innovative Technik vorenthalten, mit denen ihre Eltern durch den Wald fahren?“ fragt Marketingleiter Karsten Ernst. Giant hat das erste vollgefederte Kinderrad „FlexX Duo Shock“ entwickelt. Der Sieger des diesjährigen Europäischen Fahrrad-Design Wettbewerbs kostet knapp tausend Mark und ist natürlich auch „mitwachsend“. Giant gibt als optimales Alter sechs bis etwa 13 Jahre an und setzt natürlich auch aufs ansprechende Outfit: Ganz trendy wie die großen Mountainbikes. Allerdings wird es - im Gegensatz zu sämtlichen Pukyrädern - ohne Beleuchtung verkauft.