Mal kurz abhängen: Das Add-Bike von Hoening

 

Es gibt viele Möglichkeiten, die Kinder mit dem Fahrrad zu transportieren. Sei es der klassische Kindersitz oder der Platz im superbequemen Kinderanhänger. Beides hat Vor- und Nachteile. Besonders Radler mit einem Anhänger voller Nachwuchs beklagen sich oft darüber, daß die Knirpse in der angehängten „Taxe“ nicht ausgelastet seien, während der Fahrer mit dem Gegenwind zu kämpfen habe.

Andererseits sind die Kinder meist noch zu schwach, um mit den Großen dauerhaft auf ihrem eigenen Bike zügig mitradeln zu können. Ein „Ich kann nicht mehr“ kann in solchen Fällen schon ganz gut nerven. Der dann zwangsläufige Hang zum Abhängen beim Nachwuchs, gepaart mit dem Ruf nach einer Pause mit Milchschnitte oder einem leckeren Eis, läßt die Älteren dann unplanmäßig einen Zwischenstopp bei der nächsten Kita für die Erwachsenen (Kneipe) einlegen.

Viele Eltern haben darüber hinaus ganz andere Sorgen: Ihnen ist der Großstadtverkehr sowieso zu gefährlich, um die Kinder mit dem eigenen Rad auf die Straße zu schubsen. Schließlich hilft gegen eine Kollision mit einem abbiegenden LKW-Fahrer mit dem bekannten toten Winkel auch kein elterliches Begleitfahrzeug, sondern nur Umsicht, Vorsicht und Einsicht. Und genau dies reift bei Kindern sehr langsam.

So spricht vieles für ein Rad, welches man ans elterliche Rad anhängen kann. Quasi ein Tandem für den passenden Moment, so eine Art Anhänger zum Mittreten.

Diese besonderen Anhängerfahrräder erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, lassen sie den Kindern doch viele Freiheiten: Sie können, aber müssen aber nicht mittreten und sie sitzen auf ihrem eigenen Rad. Sie lernen mit einer Gangschaltung umgehen, können sich mit in die Kurve legen. Kurzum: Im Prinzip ein vollwertiges Rad. Und doch sind sie festgekoppelt mit dem Velo von Mama oder Papa. Diese schätzen die Nähe, schießlich kann man sich so viel besser unterhalten. Einziger Nachteil für die Kids: Im Windschatten der Großen sehen sie recht wenig.

Die Anhängerfahrräder, die auch Neudeutsch „Trailerbikes“ genannt werden, sind vor allem für Menschen zwischen fünf und zehn Lebensjahren gedacht.

Sieben Hersteller teilen sich den Markt. Ihre Produkte sind auf den ersten Blick sehr ähnlich. Kurz gesagt, sehen sie wie Kinderräder aus, denen Vorderrad und Gabel gestohlen wurden. Die größten Unterschiede finden man in Ausstattung, Kopplungstechnik und dem Preis. Die Spanne reicht von 350 bis zu 1150 Mark.

Das Lenkkopfrohr wird mit einem Spezialhalter an Gepäckträger, Sattelrohr oder Sattelstütze befestigt (wie beim „FahrMit“-Trailer der Firma Slipstream.) Diese Befestigungsart kann aufgrund der auf sie wirkenden Kräfte nicht ganz unproblematisch sein, denn schließlich lastet auf der Stütze schon allerhand Gewicht durch den (vielleicht sowieso zu schweren) Erwachsenen. Mindestens sollte man dann eine hochwertige Stütze einbauen (oder aber einfach abnehmen, um das Eigengewicht zu verringern).

Die Firma Hoening hat sich beim Add-Bike aus jenen beschriebenen Belastungsgründen und dem zwangsläufigen Blockieren des Gepäckträgers für eine Kupplung am Ende des Trägers entschieden. Dafür war jedoch eine Spezialanfertigung notwendig, die im Preis von 598 Mark aber bereits enthalten ist.

Der große Vorteil dieses Systems: Der Gepäckträger bietet noch Platz, um Satteltaschen, einen Korb oder gar einen Kindersitz zu montieren. Auch andere Hersteller suchen Halt am Träger, jedoch nicht immer an der gleichen Stelle. Beim „Windschatten“ (1150 Mark) der Firma Diverso, Walser und Rufer und beim „Piccolo“ (799 Mark) von Burley wählte man mit die mittlere Aufhängung. So kann man noch Satteltaschen befestigten, aber keinen Korb oder einen Kindersitz. Das Modell Löwenzahn von Ramgraber (669 Mark) geht einen Sonderweg. Dort wird der Hänger am Kindersitzhalter der Firma Römer befestigt, welcher stabil und sicher am Sitzrohr verschraubt ist.

Nebenbei bemerkt wirkt sich die Befestigungsart auch auf das Fahrverhalten des Gefährts aus. Besonders spurtreu sind die Räder mit Gepäckträgerbefestigung. Bei engen Kurvenfahrten ist mit allen Systemen ein wenig Vorsicht angeraten, soll das Rad nicht an nach innen (bei Gepäckträgerkupplung) oder außen (bei Sattelstützenbefestigung) kippen. Das Kind lenkt übrigens nicht mit. Die Hände ruhen auf einer starren Lenkerstange, die sich im Abstand zum Sattel verschieben läßt.

Da nicht jeder Hänger auch an jedes Fahrrad paßt, sollte man zum Kauf nicht nur das Zugrad, sondern selbstverständlich auch den zukünftigen Mitreisenden mitnehmen. So lassen sich zeitintensive Schraubversuche abseits der Profiwerkstatt vermeiden.

Leider werden nicht alle Trailerbikes serienmäßig mit einer Lichtanlage ausgestattet. Während dies bei sämtlichen Modellen der Firma Slipstream der Fall, verfügt das ansonsten zu empfehlende Add-Bike nur über einen mickrigen roten Reflektor.

Achten sollte man auf das empfohlene Gesamtgewicht des Fahrgastes. Die Firma Hoening hat das Add-Bike für bis 35 Kilogramm freigegeben. Angekoppelt werden kann es an fast alle 26-Zoll und 28-Zoll-Räder. Das Treten am Hänger erleichtert eine Drei-Gang-Naben-Schaltung. Eine Schaltungsmöglichkeit ist ein Grundvoraussetzung dafür, daß das Kind überhaupt auf Dauer auch mittreten kann, wenn´s beispielsweise schnell voran geht. Dies Auswahl reicht bis zu einer Sechs-Gang-Kettenschaltung beim Piccolo von Burley  

Kaum ein Anhänger verfügt über eine zusätzliche Bremse. Aus diesem Grund sollten die des Hauptrades besonders gut zu packen können. Ansonsten kann es bei einer Abfahrt heiß hergehen, wenn 80 Kilo Lebendgewicht, plus bis zu 40 Kilo Nachwuchs und rund 25 Kilo Stahl (davon beispielsweise 8,5 Kilo für das Add-Bike) kräftig Schwerkraft freisetzen.

Am Rande soll nicht unerwähnt bleiben, daß es auch sogenannte Tandemstangen gibt, mit denen ein kleines Kinderrad quasi wie beim Abschleppwagen mit dem Vorderrad huckepack genommen wird. Der Vorteil der Stangen, die zwischen 200 und 400 Mark kosten: Im Bedarfsfall, beispielsweise, wenn man eine ruhige Strecke im Wald erreicht hat, kann man das Kinderrad abgekoppelt werden und der Miniradler selbständig pedalieren.

Wirklich nur zum Abschleppen eines Kinderrades gedacht ist der Anhänge-Fix von Wax (90 Mark) Mit dieser Konstruktion wird das kleine Zweirad seitlich zum Hinterrad am Erwachsenenrad befestigt, während das Kind jedoch in einem Kindersitz Platz nehmen muß.

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