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Guter Service bei defekter Rohloff Speedhub-Nabe

Die Rohloff-Nabe Speedhub 500/ 14 ist in der Tat kein Schnäppchen. Eine Investition von rund 900 Euro sollte gut überlegt sein. Doch mit der 14-Gang-Nabe ist es in etwa so wie mit dem Kauf eines neuen Kühlschranks. Der Kaufpreis rechnet sich erst in späteren Jahren (wenn durch die Energieeinsparung die Stromkosten gegenüber dem alten Exemplar deutlich sinken). Doch was ist, wenn die Speedhub lange nach der Garantiezeit kaputt geht? Bekommt man für das Geld auch einen guten Service?

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Langzeittest Federgabel-Lowrider Faiv

Wohin mit dem ganzen Gepäck? Man könnte meinen, die Ingenieure hatten erst das Fahrrad entwickelt und dann die Räder. Jedenfalls sieht es so aus, wenn man sich fragt, wer sich all die Jahre überhaupt einmal darüber Gedanken gemacht, wie man an einer Federgabel einen Gepäckträger montieren kann. Federgabel und Gepäckträger, das schloss sich bisher aus. Jedenfalls, wenn man halbherzige Lösungen nicht mag, bei denen ein nahezu herkömmlicher Lowrider einfach mit Schellen an die Gabelholme geschraubt wurde. Einen eingefleischten Reiseradler konnte dies nicht überzeugen. Die bisher einzige durchdachte Lösung präsentiert der Kölner Ingenieur Ulrich Artmann mit dem Faiv Hoogar.   

Faiv Hoogar Lowridergepäckträger Mittlerweile gibt es zwei verschiedene Varianten. Einen klassischen Lowrider (siehe Test-Artikel aus dem Jahr 2002), der bis zu diesem Frühjahr an meinem Rad war und eine neue Variante mit einer zusätzlichen Ladefläche oberhalb des Vorderrades. Den ersten Prototypen konnte ich auf mittlerweile drei verschiedenen Touren (1800 km durch Australien, 400 km durch Schweden und 600 km durch Island) in diesem Jahr testen. Besonders auf der Tour durch Australien (Queensland, Cape York)  musste der Träger auf Waschbrettpisten jede Menge tragen und aushalten. Zwischen den Einkaufsmöglichkeiten lagen hin und wieder bis zu 14 Tage. Bis zu 10 Kilo wogen jeweils die Low-Rider-Taschen, hinzu kam ein Schlafsack und seine Isomatte, die oben angeschnallt wurden.  Der Gepäckträger hat´s überstanden. 

Einige Neuerungen sind mir aufgefallen: So wird bei der zweiten Version (dies trifft aber auch auf den Lowrider ohne Highrider zu) auf die Spezialachse verzichtet. An dieser Spezial-Steckachse, die anstelle des Schnellspanners eingesetzt musste, wurde bisher der Lowrider an der Achse fixiert. Dies war immer ein Problem, denn an manch eine Federgabel war der Träger so nur mit Biegen und Zangeneinsatz ran zubekommen (zum Beispiel beim Delite Grey von Riese und Müller), allerdings gab die Befestigung auch zusätzlichen Halt, aber dazu später mehr. Jetzt wird der Träger nur noch an zwei (eigentlich drei) Stellen an die Gabel gebracht (womit sich sonst die Anbringung nicht verändert hat). Nämlich mittels Schraubenschellen rechts und links vom Gabelholmen (deshalb die Anmerkung zwei bis drei, je nach dem, wie man die Anbringungsstellen zählt).

Faiv Hoogar LowriderDie andere wichtige Stelle ist die Befestigung im Gabelschaft des Rahmens. Der Träger wird mit einer Inbusschraube und einer Spezialkontermutter eingeschraubt. Durch die Mutter werden sechs Kugeln, die in einem Rohr sitzen, durch sechs Löcher gegen den Gabelschaft gedrückt. Die Idee ist gut, allerdings gibt es hier noch ein wenig Überarbeitungsbedarf, denn auf der Australientour ist der Träger einmal aus dem Schaft gerutscht. Zum Glück nicht gerade bei einer Abfahrt, sonst hätte unweigerlich zum Sturz geführt. Das Rausrutschen war bei der alten Version nicht so einfach möglich, da ja der Träger zusätzlich an der Achse befestigt war. Weshalb ist er rausgerutscht? Höchstwahrscheinlich weil der Gummischlauch, der über den Kugeln sitzt, beim Reinbauen verrutscht ist. Ich habe dann zur Sicherheit den Träger zusätzlich mit Kabelbinder an der Gabel befestigt.      

Seitdem sitzt der Träger bombenfest. Da der Faiv sehr breit ist, musste ich ihn beim Fahrradtransport im Flugzeug oft abmontieren und ins normale Gepäck stopfen. Im Grunde nicht schlimm, auch die Demontage ist schnell erledigt. Nur sollte man darauf achten, dass sämtliche Kugeln im Schaft bleiben. Ich habe auf dem Weg nach Australien zwei Kugeln verloren. Mit nur vier Kugeln bekommt man allerdings den Träger nicht befestigt. Es empfiehlt sich deshalb Vorsicht, oder die Mitnahme von Ersatzkugeln, sonst kann man arge Probleme bekommen, wenn kein Fahrradladen in der Nähe ist. Die Kugeln stammen aus einem gewöhnlichen Kugellager. 

Was gibt´s noch zu kritisieren? Nun ja, wie beim alten fangen nach ein paar 100 km die Gleitelemente an zu quietschen. Man kann die fetten, doch dann ist man ständig am fetten. Denn das Quietschen kommt bald wieder. Also überhört man es irgendwann. 

Insgesamt ist der Faiv zu empfehlen. Das Beste, was es derzeit auf dem Markt für Federgabeln gibt. Leider ist der Träger wahrlich nicht billig. Der Preis wird wohl bei rund 200 Euro liegen. Viel Geld für ein wenig Stahl, aber die Investition ist es wert.    

+ beste Qualität, äußerst robust, für Weltumradler ein Muß. Dank Stahl auch sonstewo zur Not schweißbar

- hoher Preis (quietschende Gleitelemente, Kugeln können verloren gehen, Gummischutz im Schaft kann abrutschen.


  • Nachtrag 2009:

Seit 2003 ist der Träger im (Dauer)Einsatz, noch ist nichts gebrochen, ein bißchen verrostet ist er, aber sonst gut in Schuß. Ausgetauscht wurden bisher lediglich die Gleitschienen. Und seitdem ich den Träger beim Transport im Flugzeug nicht mehr abbaue, hat sich auch das Herausrutschen während der Fahrt erledigt. Einmal richtig eingesetzt, hält der Träger auch. Vielleicht stellt sich manchen Radfahrer auch die Frage, wie man ihn am Besten im Flugzeug transportiert. Ich besorge mir die breiteste Ausführung des Fahrradkartons (besonders sind Winora oder Kettlerboxen geeignet). In diese Kartons passt der Träger von der Breite knapp hinein. Der Karton beult ein bißchen, aber das ist nicht weiter schlimm. Geschützt wird er durch ein wenig Schaumstoff. Beim Hoogar plus gibt der obere Träger zusätzliche Stabilität. Bisher ist noch nichts verbogen.

Der Preis für den faiv Hoogar liegt nunmehr bei 200 Euro, den Hoogar plus gibt es auf Anfrage. Mittlerweile gibt es drei verschiedene Varianten.

Beschreibung der einzelnen Modelle auf der Webseite von Faiv.de Dort kann man sich auch weitere Infos als pdf heurnterladen

  •  faiv Hoogar

Standard Gepäckträger für die Fahrrad-Federgabeln

Patentierte Dreipunkt-Aufhängung
Für alle gängige Taschen nach EURO-Standard

Federgabelbreite max. 180 mm
Federweg max. 110 mm
Radgröße 26“ und 28“
Gepäcklast max. 16 kg

Eigengewicht: 850 Gramm

Preis: 200 Euro

  • faiv Hoogar plus

Gepäckträger wie 1.1 faiv Hoogar jedoch mit zusätzlicher Gepäckbrücke über dem Vorderrad
Anlötöse für die Montage eines Scheinwerfers (vorne)
Hakenöse (unten) für die Mitnahme von Taschen nach US-Standard                                                     Gepäcklast max. 18 kg

Eigengewicht: 950 Gramm

Preis: auf Anfrage

  •  faiv Hoogar black

Gepäckträger wie 1.1 faiv Hoogar jedoch speziell für
Federgabel-Bauart nach dem „Reverse Arch Design4“
Gepäcklast max. 10 kg

  
  
  
  
  
  
  
  
  
  

Messebericht IFMA 2003

"Umstrukturierung statt Krise“ heißt das Motto der Fahrradbranche zur IFMA Cologne 2003 - the international bike trade show - vom 11. bis 14. September 2003, darüber ist man sich einig. Das bedeutet vor allem: zielgenaue Punktlandungen der Hersteller auf den Produkterwartungen eines sehr anspruchsvollen Publikums. Hochpreisige Spitzen- und Spezialprodukte lassen die Hersteller mit klaren Segmenten ein Umsatzhoch erwarten. Trendthemen: Sport und Komfort auf hohem Niveau sowie der Dauerbrenner Fahrrad halten die Räder in der Saison 2004 am Rollen.

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Federung: Gegen Aufschaukeln hilft der Computer

Ein Motorrad ohne Federung kann man sich längst nicht mehr vorstellen. Anders sieht es bei Fahrrädern aus. Noch immer werden viele Velos ohne Federung verkauft. Woran liegt´s? 

In den vergangenen Jahren wurde unter Hochdruck experimentiert. Verschiedene Systeme ausprobiert und oft nach einem Modelljahr wieder verworfen. Ständig veränderten vollgefederte Räder ihr Aussehen. Einige Zeit waren Rahmen in Y-Form angesagt, jetzt besinnt man sich wieder mehr auf die klassische Diamantrahmenform. Die Auswahl wird immer verwirrender, selbst Fachleute verlieren mittlerweile leicht den Überblick. Einiges ist auch wieder vom Markt verschwunden. Sei es, weil es sich nicht durchsetzen konnte, oder weil es - nicht ganz freiwillig - buchstäblich auf der Strecke blieb. 

Es ist bezeichnend, dass ein Großteil der Rückrufaktionen in den vergangenen Jahren irgendwie im Zusammenhang mit der Federung standen. Jüngstes Beispiel sind Federgabeln des Herstellers Univega. Univega warnt derzeit seine Kunden, deren Räder mit einer Concept S2 oder S4-Federgabeln ausgestattet sind: „Bitte Rad stehen lassen. Unfallgefahr! Bitte melden Sie sich bei Ihrem Händler.“ Der Hintergrund: Eine Pressverbindung im Gabelschaft hatte sich gelöst und dazu geführt, dass der Betroffene trotz Einlenkens weiter geradeaus fuhr.

Die nicht betroffenen Biker regt das fast schon nicht mehr auf. Man nimmt es zur Kenntnis, weiß, dass man seit Einführung der Federung oft auf besseren Prototypen radelt. Nun könnte man hier schließen und raten: Ruhigen Gewissens kann man kein System empfehlen. Wer ohne Risiko radeln möchte, sollte weiterhin auf einen soliden ungefederten Chrom-Molybdän-Stahl-Rahmen eines Markenherstellers setzen.

Auf der anderen Seite steht der spürbare Komfortgewinn, eine rückengerechtere Fahrweise, mehr Traktion im Gelände und für manche Menschen nicht ganz unwichtig: der Imagefaktor. Nicht von ungefähr sagt man: „Wer einmal gefedert geradelt ist, möchte darauf nicht mehr verzichten“.

Wie weit man bereit ist, Brüche mitzutragen, muss jeder mit sich ausfechten. Denn selbst hochwertige Räder wie beispielsweise das Delite blue von Riese und Müller (Neupreis rund 1300 Euro) sind nicht frei von Fehlern. Erst letztens brach nach knapp 6400 km die Hinterradschwinge.

Zudem wird oft vergessen, dass natürlich durch die vielen beweglichen Teile in sensiblen Bereichen die Anfälligkeit für Defekte steigt, auch dann, wenn ständig gut gewartet wird. Eine Federung bedeutet ein Plus an Komfort aber auch ein Plus an Gewicht und jede Menge Wartungsaufwand. Auch sind viele Räder nicht auf den Fahrer eingestellt. Denn ein 100 Kilo-Mensch braucht eine andere Federung als ein 60 Kilo-Hüpfer.

 

Der Trend geht deshalb zu leicht verstellbaren Federung oder im besten Fall wie bei der neuen Shimanofederung aus der Nexave C910-Gruppe wird die passende Federstärke per Mini-Computer berechnet. Geregelt wird die Abstimmung dieser Federung in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit. Bei niedriger Geschwindigkeit oder bergauf verhärtet sich die Federung, um eine optimale Kraftübertragung zu gewährleisten und Einflüsse durch die Federung zu minimieren. Bei zunehmender Geschwindigkeit stellt sich die Federung automatisch weicher ein, um so Straßenunebenheiten auszugleichen. Der Fahrer kann dabei jederzeit am Computer, der am Lenker montiert ist, die Federungsabstimmung ablesen.

Mittlerweile wird auf verschiedenste Weise gefedert und gedämpft. Sei es mit Elastomeren, Öl-Stahlfeder-Kombinationen, oder einfach mit Luft. Mit Luft gefüllte Federbeine lassen sich gut einstellen. Einfach Luftpumpe ansetzen und Härte wie beim Reifen bestimmen. Leider sind nicht alle Systeme auch ganz dicht. Bei einfachen Modellen, wie man sie oft bei billigen Rädern findet, ist die Federhärte auch nicht einfach einstellbar. Gute Federgabeln lassen sich durch ein Rädchen schnell anpassen.

Was bei Cannondale-Rädern schon fast eine Ewigkeit Standard ist, nämlich dass man die Feder am Vorderrad blockieren kann, greifen nach und nach auch andere Hersteller auf. Cannondales Federsystem unterscheidet sich sowieso deutlich von einer herkömmlichen gefederten Gabel, wenn es auch äußerlich (aber wirklich nur dort) der viel später entwickelten Concept-Federung von Univega ähnelt. Denn genau genommen wird beim Headshok-System nicht die Gabel gefedert, sondern der Rahmen am Steuerrohr, exakt gesagt das Gabelschaftrohr. Headshoks passen nur in Cannondale-Rahmen. Die Federhärte lässt sich leicht verändern. Seit kurzem gibt es auch einen (wieder nur äußerlich) ähnlichen Nachrüstsatz der Firma Point. Allerdings ist diese Headshox-Gabel (man beachte den leicht unterschiedlichen Namen), die es in einer Stahl- (ab 85 Euro) und Aluausführung gibt (175 Euro), vor allem für Rennräder gedacht. Denn breite Reifen passen nicht durch die schmale Gabelöffnung.

Dass noch viel verbessert werden kann, sieht man auch daran, dass uns die Industrie jedes Jahr mit neuen Ideen beglückt und damit insgeheim zugibt, dass bisher nicht alles perfekt war. Giant hat zum Beispiel zusammen mit Renault Sport das No Response System (NRS) entwickelt. Ein Federungssystem, welches sich in der Formel 1 bewährt haben soll. Um das Problem zu verstehen, zitieren wir einmal aus dem Giant-Katalog: „Niemanden ist es gelungen, eine Vollfederung zu entwickeln, ohne dass dabei Energieverluste entstehen. Bisher wippte der Fahrer auf seinem Rad immer mit. Beim Fahrrad ist der Mensch der Motor. Anders als beim gleichbleibenden Antrieb eines Automotors, übernehmen die Arbeit unregelmäßig arbeitende Kolben, die Beine.“ Die Folge: Man federt automatisch mit, der im Pedaltritt verstärkt wird. So kommt zu einer Resonanz, das Rad schaukelt sich auf. Mit NRS soll dies ein Ende haben, da bei diesem System die Kräfte des Fahrers vom Stoßdämpfer abgekoppelt werden.

Auch eine Entwicklung von Bernd Müsing zeigt, das man weiter forschen kann. Das J-Link-System, welches in die Our-Planet-Marke „Orbit“ eingebaut wird, soll „auf einzigartige Weise die Vorzüge eines Hard-Tails mit denen eines Full-Suspension Bikes verbinden“. Auch hier soll sich das Rad bergauf nicht mehr aufschaukeln. Hard-Tails nennt man übrigens Fahrräder, die „nur“ über eine Federgabel verfügen, der Rahmen sonst aber starr ist. Vollgefederte Räder nennen Kenner Fullys (von Full-Suspension). Bei den Orbit-Rädern sitzt der Dämpfer unterhalb des Rahmens. Auf diese Weise verfügen die Räder auch wieder über einen klassischen Diamantrahmen, der stabil und auch leichter tragbar ist. Die Y-Rahmen-Form sieht man (im Extremfall sogar als Stahlausführung) fast nur noch bei Pseudo-Fullys aus dem Supermarkt.

Auch mit dem neuen Federungssystem LRS von Centurion und Bergwerk kann die Diamantrahmenform eingesetzt werden. LRS (Foto) steht für Low Ratio Suspension, also für einen niedrig übersetzten Sitzstrebendämpfer. Der Dämpfer verläuft - ganz ungewöhnlich - wie eine dritte Sitzstrebe parallel zum Rahmen. Dadurch werde der Dämpfer im Gegensatz zu allen auf dem Markt befindlichen Federsystemen nicht übersetzt angesteuert sondern im Verhältnis 1:1, berichtet der Hersteller. Das heißt Federweg ist gleich Dämpferweg. Die Bauteilbelastung werde durch diese Konstruktion drastisch verringert.

Während eine Hinterradfederung konstruktionsbedingt nicht nachrüstbar ist (wenn es auch merkwürdige Anbieter von Bausätzen gibt, die das behaupten), ist es vergleichsweise leicht möglich, ein Fahrrad mit einer Federgabel auszustatten. Allerdings sollte man vorher den Hersteller fragen. Zudem ändert sich stets die Rahmengeometrie und damit auch das Fahrverhalten. Deshalb: Wer sich Ärger ersparen möchte, sollte lieber sparen und dann später ein serienmäßig gefedertes Rad kaufen.

Sehr leicht nachrüsten lässt sich dagegen eine gefederte Sattelstütze. Sie ersetzt zwar nicht ein gefedertes Hinterrad, führt aber zu spürbar weniger Schlägen im Wirbelsäulenbereich. Allerdings erhöht auch die besondere Sattelstütze das Gewicht, zudem sind gute gefederte Stützen auch nicht ganz billig. Und in sämtliche Räder passen sie auch nicht hinein, denn für eine einwandfreie Funktion muss je nach Modell ein Abstand von 75 bis 100 Millimeter zwischen Sattelgestell und Sattelstützenklemmung vorhanden sein. Auch dickere Reifen dämpfen die Unebenheiten. Mittlerweile heißt dick auch nicht automatisch schwer und viel Rollwiderstand.

Die beste Federung ist auch nur so gut wie sie eingestellt wird, sagen Experten. „Was in der Praxis leider oft unterbleibt“, heißt es bei der Berliner Firma Hawk, die ein spezielles Computerprogramm (CAST genannt) zur persönlichen Federeinstellung entwickelt hat. „Um die Zusammenhänge zu verstehen wie man seine Federrate errechnet, benötigt man entweder einiges an technischem Know-how und Mathematikkenntnisse, oder aber einen Satz Austauschfedern, soviel Erfahrung und viel Zeit“. Oder aber einen Computer und das passende Programm.





Eurobike 2002: Die mitdenkende Federung kommt

Rechtzeitig vor den großen Fahrradmessen im Herbst hat die Fahrradbranche wieder Hoffnung geschöpft, die konjunkturelle Delle werde in diesem Jahr doch nicht so groß ausfallen wie befürchtet. Auf der Eurobike, die vergangenes Wochenende erstmals auf dem neuen Messegelände in Friedrichshafen stattfand, war dann auch so etwas wie Optimismus zu spüren. 

Neues Ambiente, gute Stimmung und überraschend zahlreiche Neuerungen bestimmten das Bild bei den 700 ausstellenden Firmen aus 26 Ländern. Da konnte das Verkehrschaos zu Beginn der Messe das Bild auch nicht spürbar trüben. Doch woher kommt die Trendwende? Das Frühjahr soll im Fahrradhandel katastrophal gewesen sein. Besonders der Absatz billiger Fahrräder ist in diesem Sommer eingebrochen. Hochwertige Räder hingegen, die zwischen 1000 und 2000 Euro kosten, wurden verstärkt gekauft. Hier profitierte die Fahrradindustrie offensichtlich von dem deutschen Trend, den Urlaub im eigenen Land zu verbringen. Dafür war man dann offensichtlich auch eher bereit, ein neues und gutes Fahrrad zu kaufen. Lohnt es sich nun auf die Modelle für 2003 zu warten? Im Grunde nicht. 

Völlig neue Fahrradkonzepte waren die Ausnahme auf der Messe. Aus der Masse hervor stachen zwei Fahrräder der Darmstädter Firma Riese und Müller (R & M). R & M präsentierte eine Überarbeitung der Avenue- und Culture-Stadträder. Auffällig ist der vollständig abgekapselte Antrieb. Eine neuartige Konstruktion der Schwinge erlaubt es, die Kette komplett durch die Rohre der Hinterradschwinge zu führen. Auf diese verschließt nicht nur die Kette deutlich langsamer, sondern durch die im Rahmen verschwundene Kette bleiben auch die Hosenbeine sauber. Auffällig bei den Darmstädtern war auch ein kleines Faltrad mit nur 12-Zoll großen Rädern. Frog heißt das kleine 10,5 Kilogramm leichte Bike, bei dem die Lichtanlage übrigens direkt in den Lenker integriert wurde. Gefaltet wurde viel auf der Messe. 

Auftrieb könnte die Falterei auch dadurch bekommen, dass Shimano eine extra für Falträder produzierte Schaltung namens Cabrea vorgestellt hat. Der Eurobike-Preis der besten Innovation (wenn es ihn denn gäbe) würde aber an Specialized gehen. Die Amerikaner zeigten eine „mitdenkende“ Federung. Brain heißt die Neuerung. Es ist im Prinzip ein Federsystem, das auf Geländeunterschiede reagiert. Ein mit dem Federungssystem ausgestattetes Fahrrad kann zwischen Stößen von oben, wie sie beim Wiegetritt auftreten (beispielweise bei Bergauffahrten) und Schlägen von unten (zum Beispiel durch Fahrbahnunebenheiten) unterscheiden. Das Federbein arbeitet nach dem Masse-Trägheits-Prinzip und reguliert über ein Ventil den Ölzufluss für den Dämpfer. So wird aus einem vollgefederten Fahrrad in bestimmten Situationen wie Steigungen oder ebenen Passagen ein nur am Vorderrad gefedertes Fahrrad, und zwar ohne dass man die Federung am Hinterrad manuell blockieren müsste.

Interessant war auch eine Erfindung von Franz Ecker aus Bad Griesbach. Ecker zeigte einen Seitenwagen fürs Fahrrad. Dabei wird ein dreirädriger Buggy-Kinderwagen rechts seitlich ans Fahrrad montiert. Auf der Messe war ein Prototyp des Chuggy-Buggy ausgestellt. Ob er in Serie gehen wird, stand noch nicht fest, bisher wird in Eigenregie produziert. Der Helm ist zwar in Deutschland nicht Pflicht, aber viele empfehlen den Kopfschutz. Um die Attraktivität zu steigern wurden die Helme über die Jahre nicht nur luftdurchlässiger und leichter, sondern sie werden zunehmend auch mit interessantem Zubehör ausgestattet. Zum Beispiel mit einem in den Helm integrierten Rückspiegel, wie ihn die Firma Action Sports zeigte. Oder der Helm des spanischen Unternehmens Catlike, bei dem ein Bremslicht integriert wurde, welches vom Lenker aus drahtlos angesteuert werden kann. Schön anzuschauen ist auch ein neuer Sattel. Rideball heißt die Neuentwicklung und ist eine Mischung aus Ball und Sattel. Der Ball wird mittels einer Spange auf zwei Höckerhälften geformt. Die Sitzfläche wird dann nach Wunsch und Härte aufgepumpt. Bis jemand sich den Spaß erlaubt, die Luft aus dem Sattel zu lassen. Ein Ersatzsattelball ist aber leicht einzusetzen, verspricht Wilhelm Hörger aus Schöngesing.



Weiterhin unklare Rechtslage um gute Akkuleuchten

Was spricht dagegen, auch als Fahrradfahrer gut zu sehen und gesehen zu werden? Das Gesetz. Genau genommen: die Straßenverkehrszulassungsordnung (StZVO). In der ist geregelt, was auf deutschen Straßen leuchten darf. Im Paragrafen 67 steht, wo und vor allem was für Leuchten auch an ein Fahrrad montiert werden dürfen. Nur ist die Verordnung teilweise über 60 Jahre alt und der Reformstau nicht zu übersehen. Seit geraumer Zeit ist eine Überarbeitung angekündigt, die als so genannte Fahrradnovelle durch die Amtsstuben geistert. Doch wann sie kommt, ist immer noch nicht absehbar.

Licht ExportBis dahin sind batteriebetriebene Beleuchtungseinrichtungen - wenn überhaupt - nur als zusätzliche Lichtquelle erlaubt (Ausnahme: Rennräder unter elf Kilo). Mit der Fahrradnovelle soll die Batterielampe (wie berichtet) dann auch auf Mountainbikes bis 13 Kilo ausgeweitet werden. Auf Freude stößt das auch bei Polizeibeamten nicht, die die Einhaltung der Verordnung kontrollieren sollen: "Müssen wir dann stets eine Waage im Streifenwagen mitführen?" Genauso schwierig ist die Definition eines Mountainbikes, denn die Fahrradtypen vermischen sich zunehmend.

Viele Radler fahren schon jetzt ausschließlich mit Akkuleuchten. Die sind sehr praktisch: Es gibt kein Kabelgewirr, selten Ausfälle und die Leuchte ist mit einem Griff vom Rad entfernt. Einige von ihnen sind deutlich heller als eine herkömmliche Anlage.

Und spätestens hier wird's heikel. Denn zugelassene Batterielampen bieten oft nicht viel mehr Licht als eine Positionsleuchte, was die illegalen Leuchten so beliebt macht. Illegal ist alles, was nicht den Segen vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg bekommen hat. Dort wird geprüft, und wenn es keine Bedenken gibt, darf die Leuchte ein großes K und eine Schlangenlinie auf dem Glas tragen. Das KBA wacht darüber, dass nicht zuviel Licht ans Rad montiert wird, reagiert auf Hinweise von Konkurrenten und auch auf Anfragen von Händlern. Wer nicht zugelassene Produkte vertreibt, dem droht unter Umständen ein saftiges Bußgeld, bis zu 10 000 Mark sind möglich.

Jüngst traf es die Firma "Sigma Sport", die einen Scheinwerfer namens "Mirage" mit fünf Watt Leistung auf den Markt gebracht hatte - und zwar ganz legal mit einer Zulassung vom KBA für Rennräder unter elf Kilogramm. Zur "Mirage" wurde aber auch eine zusätzliche Leuchte verkauft (Mirage X), die 20 Watt auf die Straße wirft und vor allem für Off-Road-Touren gedacht ist. Dieser Power-Lampe hat das KBA überraschend schnell den Stecker gezogen. Der Verkauf und der Vertrieb in Deutschland wurden untersagt. Seitdem rennen Radfahrer den Fahrradhändlern die Läden ein und möchten unbedingt diese Lampe kaufen. Doch Sigma ist es nach eigenen Angaben sogar untersagt worden, Händler im Ausland zu nennen.

20 Watt Leistung werden auch weiter illegal bleiben. Schade, denn noch nie gab es für rund 120 Mark eine derart starke Batterieleuchte (das legal erhältliche Paket kostet 80 Mark). Wir haben sie im Wald getestet und sind begeistert, selbst der Fünf-Watt-Strahler ist schon deutlich heller als jede Halogenleuchte. Sie ist so hell, schrieb Sigma-Geschäftsführer Michael Lenhardt in der Fachzeitschrift "Radmarkt", dass "man sich im Vergleich mit motorisierten Zweirädern keinesfalls zu verstecken braucht". Stimmt!

Sigma ist kein Einzelfall. Betroffen ist auch die in Mountainbikerkreisen legendäre und hoch geschätzte Lupine-Leuchte. Sie war jahrelang frei erhältlich. Bis das KBA mit einem "saftigen" Bußgeld drohte, was die kleine Firma "Lupine Lightning Systems" bewog, einzulenken. Der Vertrieb wurde 1999 offiziell in Deutschland eingestellt. Seitdem verkauft die Firma nur noch Campingleuchten, die - was für ein Zufall - auch an einen Fahrradlenker passen und natürlich völlig identisch sind mit den ehemaligen Fahrradleuchten. Nur darf das nirgendwo stehen. Natürlich ist die Firma auch weiterhin auf Fahrradmessen präsent, doch die Lampen hängen nur noch an irgendwelchen Besenstielen oder winden sich eben um Zeltstangen. Lediglich für ausländische Kunden darf der Betrieb am Lenker demonstriert werden, immer mit dem Hinweis "Nur für den Export".

Mittlerweile gibt es rund ein Dutzend Batterieleuchten mit der besonderen Leuchtkraft. Im Gegensatz zu den Herkömmlichen sind sie auch für schnelle Fahrten geeignet. Sie bieten meist zwei Helligkeitsstufen, Abblend- und Fernlicht. Wobei das Abblendlicht zwischen fünf und zwölf Watt, das Fernlicht bis zu 32 Watt leistet. Bis auf die Sigma Mirage sind alle recht teuer: Zwischen 500 und 1689 Mark kostet eine Lichtanlage ohne Rücklicht (also ein Paket aus Akku, Ladegerät, und Scheinwerfer). Spitzenreiter beim Preis ist die Supernova der gleichnamigen Firma (www.nova-factory.com). Sie wird mit einer 17-Watt-Xenon-Lampe ausgeliefert, die laut Hersteller mit einer 80 Watt Halogenlampe vergleichbar sein soll.

Das Produkt ist noch sehr neu, so dass das KBA wohl noch nicht darauf aufmerksam geworden ist, jedenfalls kann man die Supernova-Produkte (auch in lichtschwächeren und erheblich billigeren Versionen) übers Internet beim Hersteller bestellen. Schon seit Jahren sehr beliebt ist jene Campingleuchte von Lupine. Sie gilt immer noch als das beste Lichtpaket, wenn auch der Preis so manchen abschrecken wird (770 Mark).

Die Leuchtdauer der Anlagen hängt davon ab, ob man ständig mit Fernlicht fahren muss und welche Außentemperaturen herrschen. Im Normalbetrieb reicht eine Akkuladung für zwei bis acht Stunden. Eine höhere Leuchtweite kostet mehr Strom, so dass im Powerbetrieb die Betriebszeit auf zwei (bei der Lupine), vier (bei Syntace) und 60 Minuten bei der Mirage sinkt.

Der Computer steuert die Federung

Noch immer werden viele Velos ohne Federung verkauft. Woran liegt's? In den vergangenen Jahren wurde unter Hochdruck experimentiert, verschiedene Systeme ausprobiert und oft nach einem Modelljahr wieder verworfen. Ständig veränderten vollgefederte Räder ihr Aussehen. Mal waren Rahmen in Y-Form angesagt, jetzt besinnt man sich wieder mehr auf die klassische Diamantrahmenform. Die Auswahl wird immer verwirrender, selbst Fachleute verlieren leicht den Überblick. Einiges ist auch wieder vom Markt verschwunden. Sei es, weil es sich nicht durchsetzen konnte, oder weil es buchstäblich auf der Strecke blieb.

Es ist bezeichnend, dass ein Großteil der Rückrufaktionen im Zusammenhang mit der Federung standen. Jüngstes Beispiel sind Federgabeln des Herstellers Univega. Univega warnt derzeit seine Kunden, deren Räder mit einer Concept S2 oder S4-Federgabel ausgestattet sind: "Bitte Rad stehen lassen. Unfallgefahr! Bitte melden Sie sich bei Ihrem Händler." Der Hintergrund: Eine Pressverbindung im Gabelschaft hatte sich gelöst und dazu geführt, dass der Betroffene trotz Einlenkens weiter geradeaus fuhr.

Die nicht betroffenen Biker regt das fast schon nicht mehr auf. Man nimmt es zur Kenntnis, weiß, dass man seit Einführung der Federung oft auf besseren Prototypen radelt. Nun könnte man hier schließen und raten: Ruhigen Gewissens kann man kein System empfehlen. Wer ohne Risiko radeln möchte, sollte weiterhin auf einen soliden ungefederten Chrom-Molybdän-Stahl-Rahmen eines Markenherstellers setzen.

Auf der anderen Seite steht der spürbare Komfortgewinn, eine rückengerechtere Fahrweise, mehr Traktion im Gelände und für manche Menschen nicht ganz unwichtig: der Imagefaktor. Nicht von ungefähr sagt man: "Wer einmal gefedert geradelt ist, möchte darauf nicht mehr verzichten".

Ob man bereit ist, Brüche mitzutragen, muss man selbst entscheiden. Denn auch hochwertige Räder wie etwa das Delite blue von Riese und Müller (Neupreis rund 2600 Mark) sind nicht frei von Fehlern. Erst letztens brach bei meinem Rad nach knapp 6400 Kilometern die Hinterradschwinge.

Zudem wird oft vergessen, dass natürlich durch die vielen beweglichen Teile in sensiblen Bereichen die Anfälligkeit für Defekte steigt, auch dann, wenn die Wartung stimmt. Eine Federung bedeutet ein Plus an Komfort, bringt aber auch ein Plus an Gewicht und jede Menge Pflegeaufwand. Zudem sind viele Räder nicht auf den Fahrer eingestellt. Denn ein 100 Kilo-Mensch braucht eine andere Federung als ein 60 Kilo-Hüpfer.

Der Trend geht deshalb zur leicht verstellbaren Federung. Im besten Fall (wie bei der neuen Shimanofederung aus der Nexave C910-Gruppe) wird die passende Federstärke per Mini-Computer berechnet. Geregelt wird die Abstimmung dieser Federung in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit. Bei niedrigem Tempo oder bergauf verhärtet sich die Federung, um eine optimale Kraftübertragung zu gewährleisten und Einflüsse durch die Federung zu minimieren. Bei zunehmender Geschwindigkeit stellt sich die Federung automatisch weicher ein, um Straßenunebenheiten auszugleichen. Der Fahrer kann dabei jederzeit am Computer, der am Lenker montiert ist, die Federungsabstimmung ablesen.

Mittlerweile wird auf verschiedenste Weise gefedert und gedämpft. Sei es mit Elastomeren, Öl-Stahlfeder-Kombinationen, oder mit Luft. Luftgefüllte Federbeine lassen sich gut einstellen: Einfach die Luftpumpe ansetzen und die Härte wie beim Reifen bestimmen. Leider sind nicht alle Systeme dicht. Bei einfachen Modellen, wie man sie oft bei billigen Rädern findet, ist die Federhärte gar nicht einstellbar. Gute Federgabeln lassen sich durch ein Rädchen schnell anpassen.

Der Rahmen wird gefedert

Was bei Cannondale-Rädern schon fast eine Ewigkeit Standard ist, nämlich dass man die Feder am Vorderrad blockieren kann, gibt es nach und nach auch von anderen Herstellern. Cannondales Federsystem unterscheidet sich sowieso deutlich von einer herkömmlichen gefederten Gabel, wenn es auch äußerlich (aber wirklich nur dort) der viel später entwickelten Concept-Federung von Univega ähnelt. Denn genau genommen wird beim Headshok-System nicht die Gabel gefedert, sondern der Rahmen am Steuerrohr, exakt gesagt das Gabelschaftrohr.

Headshoks passen nur in Cannondale-Rahmen. Die Federhärte lässt sich leicht verändern. Seit kurzem gibt es auch einen (wieder nur äußerlich) ähnlichen Nachrüstsatz der Firma Point. Allerdings ist diese Headshox-Gabel (man beachte den leicht unterschiedlichen Namen), die es in einer Stahl- (ab 170 Mark) und Aluausführung gibt (350 Mark), vor allem für Rennräder gedacht. Denn breite Reifen passen nicht durch die schmale Gabelöffnung.

Dass noch viel verbessert werden kann, sieht man auch daran, dass uns die Industrie jedes Jahr mit neuen Ideen beglückt und damit insgeheim zugibt, dass bisher nicht alles perfekt war. Giant hat zum Beispiel zusammen mit Renault Sport das No Response System (NRS) entwickelt. Ein Federungssystem, welches sich in der Formel 1 bewährt haben soll.

Um das Problem zu verstehen, zitieren wir einmal aus dem Giant-Katalog: "Niemandem ist es gelungen, eine Vollfederung zu entwickeln, ohne dass dabei Energieverluste entstehen. Bisher wippte der Fahrer auf seinem Rad immer mit. Beim Fahrrad ist der Mensch der Motor. Anders als beim gleichbleibenden Antrieb eines Automotors übernehmen die Arbeit unregelmäßig arbeitende Kolben: die Beine."

Man federt also automatisch mit, was durch den Pedaltritt verstärkt wird. So kommt es zu einer Resonanz, das Rad schaukelt sich auf. Mit NRS soll dies ein Ende haben, da bei diesem System die Kräfte des Fahrers vom Stoßdämpfer abgekoppelt werden. Auch eine Entwicklung von Bernd Müsing zeigt, das man weiter forschen kann. Das J-Link-System, welches in die Our-Planet-Marke "Orbit" eingebaut wird, soll verhindern, dass sich das Rad bergauf aufschaukelt.

Hard-Tails nennt man übrigens Fahrräder, die "nur" über eine Federgabel verfügen, der Rahmen sonst aber starr ist. Vollgefederte Räder nennen Kenner Fullys (von Full-Suspension). Bei den Orbit-Rädern sitzt der Dämpfer unterhalb des Rahmens. Auf diese Weise verfügen die Räder auch wieder über einen klassischen Diamantrahmen, der stabil und auch leichter tragbar ist. Die Y-Rahmen-Form sieht man (im Extremfall sogar als Stahlausführung) fast nur noch bei Pseudo-Fullys aus dem Supermarkt. Auch mit dem neuen Federungssystem LRS von Centurion und Bergwerk kann die Diamantrahmenform eingesetzt werden. LRS steht für Low Ratio Suspension, also für einen niedrig übersetzten Sitzstrebendämpfer. Der Dämpfer verläuft - ganz ungewöhnlich - wie eine dritte Sitzstrebe parallel zum Rahmen. Dadurch werde der Dämpfer im Gegensatz zu allen auf dem Markt befindlichen Federsystemen nicht übersetzt angesteuert, sondern im Verhältnis 1 : 1, berichtet der Hersteller. Das heißt: Federweg ist gleich Dämpferweg. Die Bauteilbelastung werde durch diese Konstruktion drastisch verringert.

Fahrverhalten ändert sich

Während eine Hinterradfederung konstruktionsbedingt nicht nachrüstbar ist (wenn es auch merkwürdige Anbieter von Bausätzen gibt, die das behaupten), ist es vergleichsweise leicht möglich, ein Fahrrad mit einer Federgabel auszustatten. Allerdings sollte man vorher den Hersteller fragen. Zudem ändert sich stets die Rahmengeometrie und damit auch das Fahrverhalten. Deshalb sollte man besser ein serienmäßig gefedertes Rad kaufen.

Sehr leicht nachrüsten lässt sich dagegen eine gefederte Sattelstütze. Sie ersetzt zwar nicht ein gefedertes Hinterrad, führt aber zu spürbar weniger Schlägen im Wirbelsäulenbereich. Allerdings erhöht auch die besondere Sattelstütze das Gewicht, zudem sind gute gefederte Stützen nicht ganz billig. Und in sämtliche Räder passen sie auch nicht hinein, denn für eine einwandfreie Funktion muss je nach Modell ein Abstand von 75 bis 100 Millimetern zwischen Sattelgestell und Sattelstützenklemmung vorhanden sein. Übrigens dämpfen auch dickere Reifen gut, sie sind nicht mehr unbedingt schwer, auch der Rollwiderstand muss nicht viel größer sein als bei schmalen Pneus.

Selbst die beste Federung muss justiert werden, "was in der Praxis leider oft unterbleibt". So heißt es bei der Berliner Firma Hawk, die ein spezielles Computerprogramm (CAST genannt) zur persönlichen Federeinstellung entwickelt hat. Um die Federrate zu errechnen, benötigte man bislang einiges an technischem Know-how und Mathematikkenntnisse, oder aber einen Satz Austauschfedern sowie viel Erfahrung und viel Zeit." Jetzt soll das Computerprogramm ausreichen

IFMA 2001: Der Lenker wird zur Schaltzentrale

Jahrelang wurde das Fahrrad komfortabler aber auch komplizierter. Getragen vom Boom der Mountainbikes gab es jedes Jahr innovative Verbesserungen. Ganz neue Konzepte wurden regelmäßig auf den Fahrradmessen vorgestellt, seien es neue Rahmengeometrien, alternative Antriebe oder kräftiger zupackende Bremsen. 

Heute verfügt ein Fahrrad über hochtechnische Scheibenbremsen, jede Menge Gänge, die sich im Idealfall sogar in Kombination mit einer Federung (an Vorder- und Hinterrad) per Bordcomputer ansteuern und automatisch einstellen lassen. Die Lichtanlage eines Rades kann sich ja schon seit Jahren automatisch bei Dunkelheit einschalten. 

Viel, ja sehr viel, wurde in den vergangenen Jahren (weiter) entwickelt. So ist es im ersten Moment nicht verwunderlich, dass es nicht jedes Jahr ein Feuerwerk der Innovationen geben kann. Doch dass man die Neuigkeiten auf dem Internationalen Fahrrad-Markt (IFMA), der bis zum Sonntag in Köln stattfand, geradezu mit der Lupe suchen musste, überraschte dann doch.

Während die Autoindustrie auf Messen ihre Prototypen mit Stolz auf rotierenden Podesten präsentiert, werden neue Fahrradkonzepte lieber erst gar entwickelt ("kostet ja Geld") oder aber in irgendeiner versteckten Ecke ausgestellt. So entgeht man auch den bohrenden Fragen im kommenden Jahr, was denn aus der Studie geworden sei. Man wird den Eindruck nicht los, den Fahrradherstellern hat offensichtlich aufgrund sinkender Verkaufszahlen (in Deutschland sank die Zahl der produzierten Velos in diesem Jahr um 15 Prozent) der Mut verlassen, auch einmal mit einer neuen Studie baden zu gehen.

Wohltuende Ausnahme war der Branchenriese Giant. Der amerikanische Hersteller zeigte als einer der wenigen von insgesamt 228 ausstellenden Fahrradherstellern ein neues Radkonzept: Das Prodigy DX ist optisch sehr gelungen, strömlinienförmiges Design, aufeinander abgestimmte Teile, keine klobigen Teile und auch ein farblich passendes Cockpit wurde extra entworfen. 

Klarer Trend: Der Lenker wird zur Schaltzentrale. Neben Giant zeigten auch Sram und Shimano "ihre" Lenkervorstellungen. Bei Giant hat der Tacho seinen festen Platz am Lenker, steht nicht hervor und muss auch nicht nachträglich irgendwie irgendwo angeklebt werden. Tachohersteller wie Sigma bieten mittlerweile auch Geräte mit Textanzeige an, oder wie Konkurrent Ciclomaster mit PC-Schnittstelle zur einfachen Tourauswertung. Beim neuen Lenkertyp ist natürlich auch der Scheinwerfer fester Bestandteil der Frontpartie. So bekommt das Fahrrad ein eigenes Gesicht. Sram stellte einen Doppelscheinwerfer vor (in Deutschland immer noch verboten), dessen Schalter serienmäßig in den Lenker integriert wurden.

Aber bleiben wir noch kurz bei Giant. Die Amerikaner wollten ein Bike bauen, welches sportlich aussieht, aber für die Tour durch die Stadt gedacht ist. Zunächst war das Sport-Utility-Bike (SUB) Prodigy nur als Studie gedacht, doch nun soll es bereits im kommenden Frühjahr in die Läden kommen.

Giants Vorstoß zeigt einen weiteren Trend: Während in den vergangenen Jahren vor allem kleinere Hersteller mit Neuigkeiten brillierte, ziehen nun die Großen der Branche davon. Auch Shimano zeigte viel innovative Technik. Highlight der kommenden Saison wird sicherlich die automatische Gangschaltung und die elektronisch gesteuerte Federung sein.

Während auf der Eurobike Anfang September noch ein Prototyp der Nexave C910 auf einem Podest stand, konnte man in Köln bereits Probefahren. Auch ist seitdem die Anzahl der Hersteller, die bereits zugesagt haben, diese Schalt- und Federautomatik einzusetzen, deutlich gestiegen.

Andere Hersteller versuchen der Flaute damit zu begegnen, in dem sie mehrere Fahrradtypen in ein Fahrzeug integrieren. Die Derby Cycle Werke stellten ihr Focus Vario vor. Es soll laut Hersteller das einzige Mountainbike sein, welches auf Grund seiner variablen Federwege mehrere Bikes in einem vereint. "Ohne Werkzeug wird so aus einem Cross Country Bike eine Bergziege, die spätestens bei der Fahrt ins Tal zum Downhill Champ mutiert", verspricht der Hersteller.

Ohne Federung verkauft sich ein Rad sowieso nur noch schwer. Verstärkt werden nun auch die Anhänger gefedert. Bei zweirädrigen Trailern findet man sie schon des öfteren. Neu ist sie jedoch bei Einrad-Anhängern. Gleich zwei Hersteller zeigten ihre Modelle. Die deutsche Firma Weber nennt ihren Anhänger "Monoporter", der optisch auf ganzer Linie überzeugt und sich auch sehr flach und klein zusammenklappen lässt (Foto 9) Ob er so unverwüstlich ist wie sein Vorbild, der Yak des US-Herstellers Bob, muss sich allerdings erst in der Praxis noch zeigen. Bob hat nämlich zeitgleich gekontert und bietet nun auch seinen Klassiker Yak alternativ mit Federung an.

Eigentlich ist die amerikanische Firma Chariot für zweirädrigen Anhänger bekannt. Im Anbetracht des nahen Winters zeigten sie auf der Messe einen Anhänger, der sich leicht zu einem Skianhänger umbauen lässt, mit dem man den Nachwuchs über die Piste ziehen kann.

Bei manchen Neuerungen kommt automatisch der Gedanken, warum man darauf nicht schon früher gekommen ist. Beispielsweise die Möglichkeit, den Sattel mit Sattelstütze als Laufradsperre zu benutzen. Bei einem Cannondale-Rad steckt man den Sattel durchs Hinterrad (natürlich in einer passenden Rohr-Vorrichtung) und kann die mit einem Loch am unteren Ende ausgestattete Stütze nun mit dem Rad an einen festen Gegenstand anschließen. Sehr praktisch!

Mehr Sicherheit verspricht die Firma Busch und Müller Radfahrern und Skatern. Die Deutschen zeigten erstmalig ein (blinkendes) Diodenrücklicht ("Top Fire"), das in die hinteren Belüftungsschlitze des Helms gesteckt wird. 18 Gramm soll die Anlage wiegen und mit Knopfzelle 60 Stunden leuchten. Busch und Müller verspricht, dass Top Fire für fast alle Helm-Modelle geeignet sei.

Insgesamt bleibt auch nach dieser IFMA ein durchwachsenes Fazit. Denn trotz neuem Konzept hat die IFMA im Wettbewerb mit der (meist zwei Wochen) früher stattfindenden Eurobike in Friedrichshafen weiter an Boden verloren. Die Hersteller und Händler wünschen sich schon seit Jahren nur noch eine Messe im Jahr, doch die Konkurrenten konnten sich bisher leider nicht einigen.

ichtige Neuerungen gab es dagegen bei Detaillösungen. Mehr Komfort - weniger Wartung, so könnte der Leitsatz einer an sich kränkelnden Branche heißen, in der in diesem Jahr mehrere Hersteller Konkurs anmelden mussten. Die Stimmung ist schlecht - nicht zuletzt auf Grund der gesunkenen Zahl verkaufter Fahrräder. Einen Aufschwung erhofft man sich unter anderem durch den Einsatz von Elektronik bei der Steuerung von Gangschaltung und Federung. Shimano präsentierte die erste serienreife automatische Kettenschaltung. Neu ist dabei nicht die Automatik am Rad, jedoch die Möglichkeit, auf diese Weise auch eine Kettenschaltung zu steuern. Bei der Nabenschaltung gibt es diesen Komfort schon länger. Der Bordcomputer errechnet dabei nicht nur den passenden Gang, sondern auch die ideale Federung. Ende des Jahres sollen die ersten Modelle zum Händler gelangen.

Nur als Prototyp war ein Fahrrad zu bestaunen, welches durch einen aus der Automobilbranche bekannten Zahnriemen angetrieben wird. Bisher setzen nur wenige Hersteller auf diese wartungs- und verschleißarme Antriebsart. Das wirklich Neue, ja fast revolutionäre, ist die Gangschaltung. Sie besteht aus einer Reihe radial angeordneter Rädchen auf einer Scheibe. Wie bei einer Kettenschaltung verändert sich zum Berggang hin der Radius. Entwickelt wurde diese neue Gangschaltung vom Raumfahrtingenieur Eckart Hettlage aus Karlsruhe. Bis zu 33 Gänge sollen möglich sein. Der Übersetzungsbereich soll dann bei 620 Prozent liegen. Hettlage will die Gangschaltung selber bauen, sucht allerdings noch Rahmenhersteller, denn für die noch namenslose Schaltung ist ein Spezialrahmen nötig.

Am Anfang steht auch Bernd Henelhaupt aus Suhl. Henelhaupt hat ein Schloss fürs Tretlager entwickelt, welches leicht nachrüstbar sein soll. Die von der Dreherei Fritz Weih gebaute Diebstahlsicherung ist so eine Art Wegtretsperre. In Kombination mit einem Stahlbügel, der ins Tretlager gesteckt wird, kann man dann das Rad auch an feste Gegenstände anschließen. Preis und Markteinführung stehen noch nicht fest.

Da ist Markus Schulz aus Saarbrücken schon weiter. Die Firma Byschulz präsentierte einen höhenverstellbaren Lenkervorbau für die so genannten A-Head-Systeme. Diese aus dem Mountainbikebereich kommende Vorbautechnik zeichnet sich dadurch aus, dass sie zwar leicht ist, aber eine Höhenverstellung des Lenkers sehr umständlich ist. Der "Speedlifter" hingegen ermöglicht eine variable Lenkerhöhe im Bereich von zehn Zentimetern. Verstellt wird per Schnellspanner. Für den Einbau des 200 Mark teuren Zubehörteils sind allerdings einige Umbaumaßnahmen notwendig. Die Fahrradfirmen Epple und Hartje haben den Speedlifter bereits in ihr Programm aufgenommen.

Das gefederte Fahrrad ist ja mittlerweile fast zum Standard geworden. Trotzdem geht die Entwicklung weiter, und so gibt es immer wieder neue Federkonzepte, die besser sein sollen oder einfach nur optisch ansprechende Rahmengeometrien ermöglichen. Gleich zwei Hersteller setzen darauf, den Dämpfer fürs Hinterrad unterhalb des Rahmens zu positionieren. Bei der neuen Fahrradmarke "Orbit" der Firma Our Planet nennt sich die neue Federung "J-Link". Als Vorteile werden genannt, dass die neue Anordnung ein Verdrehen des Hinterbaus verhindert und trotz der Federung - durch die gute alte Diamant-Rahmenform - der Rahmen so steif wie bei einem ungefederten Rad sein soll. Besonders bergauf soll man den Unterschied spüren. Bei "Checker Pig" hat die neue Anordnung der Federung dagegen andere Gründe. Hier wollte man bei einem Cityrad einen möglichst tiefen Durchstieg realisieren.

Noch ganz am Anfang steht die Entwicklung von Fahrrädern mit Global Positioning System (GPS). Das ist vor allem für Touren- und Reiseradler interessant, allerdings ist das satellitengestützte Navigationssystem noch sehr teuer. Die deutsche Firma Mondello zeigte ein Edel-Reiserad für 11 000 Mark mit integriertem GPS-Gerät. Natürlich sind die Empfänger auch gleichzeitig Tacho, Kilometerzähler und Höhenmesser. Tourempfehlungen können im Internet heruntergeladen und ausgetauscht werden. Das Gerät lässt sich auch nachrüsten, kostet einzeln etwa 1200 Mark.

Wer gar nicht mehr rausfahren möchte, dem bietet die holländische Firma Tacs eine Alternative. Mit Hilfe eines speziellen Gestells wird aus dem Straßenrennrad ein Heimtrainer. Fahrrad und Trainer werden mit einem Computer verbunden und die Radtour durch eine virtuelle Welt kann beginnen. Man kann an Radrennen teilnehmen, gegen Gegner kämpfen, vom Weg abkommen oder sich schwitzend den Berg hoch kämpfen. Die Rückkopplung wirkt ziemlich echt, denn man muss richtig treten und lenken und wenn's auf dem Bildschirm bergauf geht, erhöht sich entsprechend der Widerstand in der Laufrolle. Der Ritt durch die immer blühende Landschaft kostet knapp 800 Euro.

Eurobike 2001: Von der Kettenautomatik bis zum Zahnriemen

Grundlegend neue Fahrradkonzepte fand man auf der diesjährigen Fahrradmesse Eurobike nicht. Die meisten der in Friedrichshafen am vergangenen Wochenende ausgestellten Fahrräder hatten immer noch zwei Räder und selbst bei der Anzahl der Gänge scheint mittlerweile das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein.

Wichtige Neuerungen gab es dagegen bei Detaillösungen. Mehr Komfort - weniger Wartung, so könnte der Leitsatz einer an sich kränkelnden Branche heißen, in der in diesem Jahr mehrere Hersteller Konkurs anmelden mussten. Die Stimmung ist schlecht - nicht zuletzt auf Grund der gesunkenen Zahl verkaufter Fahrräder. Einen Aufschwung erhofft man sich unter anderem durch den Einsatz von Elektronik bei der Steuerung von Gangschaltung und Federung. Shimano präsentierte die erste serienreife automatische Kettenschaltung. Neu ist dabei nicht die Automatik am Rad, jedoch die Möglichkeit, auf diese Weise auch eine Kettenschaltung zu steuern. Bei der Nabenschaltung gibt es diesen Komfort schon länger. Der Bordcomputer errechnet dabei nicht nur den passenden Gang, sondern auch die ideale Federung. Ende des Jahres sollen die ersten Modelle zum Händler gelangen.

Nur als Prototyp war ein Fahrrad zu bestaunen, welches durch einen aus der Automobilbranche bekannten Zahnriemen angetrieben wird. Bisher setzen nur wenige Hersteller auf diese wartungs- und verschleißarme Antriebsart. Das wirklich Neue, ja fast revolutionäre, ist die Gangschaltung. Sie besteht aus einer Reihe radial angeordneter Rädchen auf einer Scheibe. Wie bei einer Kettenschaltung verändert sich zum Berggang hin der Radius. Entwickelt wurde diese neue Gangschaltung vom Raumfahrtingenieur Eckart Hettlage aus Karlsruhe. Bis zu 33 Gänge sollen möglich sein. Der Übersetzungsbereich soll dann bei 620 Prozent liegen. Hettlage will die Gangschaltung selber bauen, sucht allerdings noch Rahmenhersteller, denn für die noch namenslose Schaltung ist ein Spezialrahmen nötig.

Am Anfang steht auch Bernd Henelhaupt aus Suhl. Henelhaupt hat ein Schloss fürs Tretlager entwickelt, welches leicht nachrüstbar sein soll. Die von der Dreherei Fritz Weih gebaute Diebstahlsicherung ist so eine Art Wegtretsperre. In Kombination mit einem Stahlbügel, der ins Tretlager gesteckt wird, kann man dann das Rad auch an feste Gegenstände anschließen. Preis und Markteinführung stehen noch nicht fest.

Da ist Markus Schulz aus Saarbrücken schon weiter. Die Firma Byschulz präsentierte einen höhenverstellbaren Lenkervorbau für die so genannten A-Head-Systeme. Diese aus dem Mountainbikebereich kommende Vorbautechnik zeichnet sich dadurch aus, dass sie zwar leicht ist, aber eine Höhenverstellung des Lenkers sehr umständlich ist. Der "Speedlifter" hingegen ermöglicht eine variable Lenkerhöhe im Bereich von zehn Zentimetern. Verstellt wird per Schnellspanner. Für den Einbau des 200 Mark teuren Zubehörteils sind allerdings einige Umbaumaßnahmen notwendig. Die Fahrradfirmen Epple und Hartje haben den Speedlifter bereits in ihr Programm aufgenommen.

Das gefederte Fahrrad ist ja mittlerweile fast zum Standard geworden. Trotzdem geht die Entwicklung weiter, und so gibt es immer wieder neue Federkonzepte, die besser sein sollen oder einfach nur optisch ansprechende Rahmengeometrien ermöglichen. Gleich zwei Hersteller setzen darauf, den Dämpfer fürs Hinterrad unterhalb des Rahmens zu positionieren. Bei der neuen Fahrradmarke "Orbit" der Firma Our Planet nennt sich die neue Federung "J-Link". Als Vorteile werden genannt, dass die neue Anordnung ein Verdrehen des Hinterbaus verhindert und trotz der Federung - durch die gute alte Diamant-Rahmenform - der Rahmen so steif wie bei einem ungefederten Rad sein soll. Besonders bergauf soll man den Unterschied spüren. Bei "Checker Pig" hat die neue Anordnung der Federung dagegen andere Gründe. Hier wollte man bei einem Cityrad einen möglichst tiefen Durchstieg realisieren.

Noch ganz am Anfang steht die Entwicklung von Fahrrädern mit Global Positioning System (GPS). Das ist vor allem für Touren- und Reiseradler interessant, allerdings ist das satellitengestützte Navigationssystem noch sehr teuer. Die deutsche Firma Mondello zeigte ein Edel-Reiserad für 11 000 Mark mit integriertem GPS-Gerät. Natürlich sind die Empfänger auch gleichzeitig Tacho, Kilometerzähler und Höhenmesser. Tourempfehlungen können im Internet heruntergeladen und ausgetauscht werden. Das Gerät lässt sich auch nachrüsten, kostet einzeln etwa 1200 Mark.

Wer gar nicht mehr rausfahren möchte, dem bietet die holländische Firma Tacs eine Alternative. Mit Hilfe eines speziellen Gestells wird aus dem Straßenrennrad ein Heimtrainer. Fahrrad und Trainer werden mit einem Computer verbunden und die Radtour durch eine virtuelle Welt kann beginnen. Man kann an Radrennen teilnehmen, gegen Gegner kämpfen, vom Weg abkommen oder sich schwitzend den Berg hoch kämpfen. Die Rückkopplung wirkt ziemlich echt, denn man muss richtig treten und lenken und wenn's auf dem Bildschirm bergauf geht, erhöht sich entsprechend der Widerstand in der Laufrolle. Der Ritt durch die immer blühende Landschaft kostet knapp 800 Euro.

Experte: Erst die exakte Einstellung des Rades sorgt für Komfort

Radfahrer, die ihren Rücken schonen wollen, sollten nicht nur auf speziell ausgezeichnete Fahrräder achten, sondern auch auf die korrekte Einstellung des Velos überprüfen. Darauf weist die "Aktion Gesunder Rücken" (AGR) in Selsingen hin. Die AGR hatte jüngst die ersten drei rückengerechte Fahrräder ausgezeichnet. Doch ein rückengerecht konzipiertes Fahrrad sei nur der erste Schritt zum gesunden und schmerzfreien Rad fahren, sagte Detlef Detjen vom AGR. 

Soll das Bike optimal funktionieren und auch höchst möglichen Komfort bieten, so müssten Mensch und Maschine aufeinander abgestimmt sein. In insgesamt sechs Dimensionen sollte sich das Fahrrad anpassen lassen. Die AGR zählt dazu Sitz- und Lenkerhöhe, Sattelposition, Sattel- und Lenkerneigung, sowie die Sitzlänge.

Die Sitzhöhe (also der Abstand zwischen Sattel und Pedale) sollte so lang sein, dass die Beine beim Pedalieren niemals völlig durchgestreckt sind. Ideal sei die Sitzhöhe eingestellt, wenn die Ferse des ausgestreckten Beines die nach unten zeigende Pedale gerade eben berühre. Bei einer zu geringen Sitzhöhe kommt es zu einer starken Kniebeugung. Eine zu hohe Sitzhöhe äußert sich dagegen durch seitliches Kippen des Beckens auf dem Sattel während des Pedalierens.

Der Sattel sollte in der Regel waagerecht montiert sein. Wenn man allerdings das Gefühl hat, man würde vom Sattel rutschen, sollte dieser leicht geneigt werden, rät Detjen. Wer beim Rad fahren im Genitalbereich Druck verspürt, sollte - entgegen der landläufigen Meinung - den Sattel vorne hochstellen. So rutsche der Fahrer nach hinten und die Beckenknochen tragen die Last.

Die Sitzlänge beschreibt die Entfernung vom Sattel zum Lenker. Die Lenkerhöhe spielt dabei eine entscheidende Rolle. Laut AGR "ist gut, was sich dauerhaft komfortabel anfühlt". Wenn man das Gefühl hat, mit "eingeklemmten Organen" zu fahren, man aber auf der anderen Seite mit der Winkelstellung des Rückens zufrieden ist, so ist die Sitzlänge zu kurz, sagte Detlef Detjen. Viele Variationsmöglichkeiten hat man, wenn der Lenker mit einem winkelverstellbaren Vorbau ausgestattet ist.

Die optimale Sitzposition findet man nur durch das Zusammenspiel vieler Faktoren und Ausprobieren. Bis man richtig sitzt kann viel Zeit vergehen. Sollte allerdings nach einer längeren Tour vor allem der Hintern wehtun, kann dies auch an dem - serienmäßig montierten - oft unkomfortablen Sattel liegen. Auch werden von Herstellerseite am Lenker vielfach wenig dämpfende Lenkergriffe aufgezogen, die sich leicht austauschen lassen.

Atemmasken für Radler: Luftholen durch den Filter

Wenn man an Fahrradfahrer mit Atemmasken denkt, fällt einem als erstes wohl der arme asiatische Kleinunternehmer ein, der sich mit seiner Rikscha durch den dichten Feierabendverkehr schleppt, während man die andere Straßenseite aufgrund der Abgase schon nicht mehr sieht. So schlimm ist es bei uns zum Glück nicht. Die Luft in unseren Städten ist in den vergangenen Jahren durchaus besser geworden, aber belastet ist sie trotzdem weiterhin. Und im Sommer kommt noch die Ozonbelastung hinzu. Doch kann man sich gegen die Abgase in der Stadt mit einer Atemschutzmaske schützen?

Eine Antwort fällt nicht leicht. Fest steht: Fahrrad fahren ist und bleibt gesund - auch in der Stadt. Mit und ohne Maske. Nur sagen Mediziner, dass man bei Radeln bis zu 40 Liter Luft pro Minute einatmet. Ein Spaziergänger bringt es dagegen nur auf 14 Liter pro Minute. Oder anders ausgedrückt: Beim Fahrrad fahren wird fünf Mal soviel Atemluft gebraucht, wie bei der Arbeit vor dem Computer. Je mehr Luft, desto mehr Schadstoffe finden auch den Weg in die Lungen.

Für den Biker gibt es drei Lösungsvarianten. Entweder man fährt nicht mehr Rad (schlechte Lösung), strengt sich nicht so an (immer angebrachte Lösung), benutzt eine Atemmaske (umstrittene Lösung) oder atmet vor allem durch die Nase. Letztere Lösung empfiehlt Kim Tofaute, Sportmediziner und seines Zeichens fast promovierter Mountainbiker an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Tofaute hält nicht viel von Atemmasken. Manch ein Fahrradkurier dagegen schwört regelrecht auf den Mund- und Nasenschutz. Aber vielleicht liegt´s auch daran, dass man mit dem Gesichtschutz auch nicht so schnell beim "über Rot fahren" erkannt wird.

Aber was bringt eine Maske für die Gesundheit? Das Ergebnis ist nicht eindeutig. Greenpeace beispielsweise sagt: "Nicht viel". Die Umweltschützer haben sich schon vor Jahren mit dem Thema befasst und die durchaus beliebte und auch in Fahrradladen angebotene Atemmaske von Greenscreen getestet. Diese Masken sehen ganz poppig aus. Und wenn man noch eine Sonnenbrille aufsetzt, kommt man glatt als Bankräuber durch.

Herzstück der Maske ist ein Aktivkohlefilter, der in einer Baumwoll- oder Neoprenhülle steckt. Doch wie viel halten sie ab? Greenpeace kommt zu dem Fazit: "Die hochtoxischen Abgase und krebserregenden Partikel werden durch den Atemschutz kaum zurückgehalten". Selbstverständlich kam es zu einer Schadstoffverringerung. Um rund 17 Prozent verringerte sich der Kohlenmonoxidanteil (CO), Stickstoffdioxide (NO2) wurden zu fast 60 Prozent herausgefiltert. Der Wert von Schwefeldioxid (SO2) lag allerdings bei 30 Prozent und der Rußreduzierung bei etwas über 30 Prozent. Greenpeace schließt daraus: "Für die meisten Schadstoffe stellt der Filter kaum eine Barriere dar". Und man muss auch noch bedenken, dass die Masken nicht ganz dicht sind. Das British Health Institute in London hat zwei der Greenscreen-Filter (Neo und Rap) auf Dichtigkeit untersucht, und urteilte, dass 25 Prozent der Atemluft am Filter vorbeirauschen.

Für den Hersteller ist natürlich die andere Seite der Medaille wichtig: 75 Prozent der Schadstoffe wurden herausgefiltert, wenn auch mit unterschiedlicher Wirkung. Wenn also die Maske nicht richtig sitzt, ist der Effekt nicht sehr groß. Bei diesen Werten wären schon etliche Lackierer oder Feuerwehrmänner nicht nur berufsunfähig. Natürlich benutzen diese auch andere Masken, die sich nicht für Radfahrer eignen, da der Atemwiderstand vergleichsweise hoch ist und so sportliche Aktivitäten mit einer hohen Atemfrequenz erschweren. Jeder Bundeswehrsoldat kennt das Problem, wenn er mal in voller Montur durch den Matsch rennen musste. Zudem passt man mit diesen (auch erheblich) teureren Masken vom Outfit höchstens auf eine Fetisch-Party in Lack und Leder. Trotzdem: Auch mit den Gesichtsmasken für Biker fällt das Atmen schwerer. Und da man auch je Menge Feuchtigkeit ausatmet, ist die Maske auch ein guter Platz für allerlei Keime, die in der mollig-feuchten Umgebung wachsen. Während die Maske mit kaltem Wasser und Waschmittel gereinigt werden kann, muss der Filter etwa jeden Monat oder alle 40 Gebrauchsstunden gewechselt werden, sonst verpufft nicht nur die Wirkung sondern die Keimbelastung kann unter Umständen zu Gesundheitsbeeinträchtigungen führen.

Sehr viel Wirkung zeigen die Aktivkohlefilter laut Greenpeace aber beim Ozon. Bodennahes Ozon, welches die Schleimhäute reizt, Kopfschmerzen und Augenröte verursacht, tritt besonders an heißen Sommertagen auf, und leider auch noch bevorzugt in Gebieten, wo man es nicht erwartet: auf dem Land, im Wald oder im Park.

Doch Ozon wird laut Greenpeace fast vollständig von den Filtern zurückgehalten. In diesem Punkt decken sich die Ergebnisse auch mit einer Studie des Instituto Autonomo de Investigaciones Ecologicas (INAINE) in Mexico. Die Mexikaner testeten die Masken in Mexico City und stellten folgende Ergebnisse - laut Hersteller - fest: Das Ozon ließ sich zu 84 Prozent zurückhalten, Blei zu 75 Prozent, Gerüche zu 90 Prozent. Ganz interessant ist die Maske als Pollenfilter. Pollen werden laut INAINE zu 95 Prozent rausgefiltert. Allerdings müssten dann natürlich Allergiker die Maske ständig tragen, nicht nur beim Rad fahren. Das INAINE hat die Testergebnisse zusammengerechnet und kam unterm Strich zu dem Schluss: "Die Masken filtern mindestens 50 Prozent der Schadstoffe heraus, die man in der Atemluft findet".

Angesichts der Testresultate fragt man sich als Radfahrer, brauch´ ich eine Maske? Natürlich schadet sie nicht, aber der Nutzen ist begrenzt und das regelmäßige Wechseln des Filters verursacht Folgekosten. Und Wunder sollte man auch bei richtiger Anwendung nicht erwarten. Am besten scheint zu sein, den großen Abgaswolken, wenn möglich, aus dem Weg zu gehen. Also nicht gerade an der Ampel hinter einem Diesel warten (Feinstäube und ultrafeine Partikel, die aus dem Dieselauspuff dampfen, können laut Umweltbundesamt die Atemwege schädigen, Herz und Kreislauf belasten und stehen im Verdacht Lungenkrebs hervorzurufen). Gut ist es deshalb auch, viel befahrene Straße meiden, und ruhig radeln. Denn wer aus der Puste kommt, sollten nicht gerade im Verkehrsstau, vielleicht noch in einer Unterführung Luft holen. Seine Atemzyklen und seinen Fahrweg anzupassen, scheint der beste Weg zu sein, denn ein Filter kann auch die eigenen Sinne täuschen. Man riecht einfach nicht mehr intensiv, bekommt deshalb auch wenig gut mit, wenn man wieder durch eine Schadstoffwolke radelt.



Muskeln aus der Steckdose: Fit durch Elektrostimulation?

Glaubt man der Industrie in jüngster Zeit, dann gibt es auch für Fahrradfahrer ein Recht auf Faulheit. In der Werbung wird uns weiß gemacht, wir könnten uns anstatt bei Wind und Wetter aufs Rad schwingen zu müssen, einfach aufs Sofa legen und entspannen. Nebenbei würden wir dann den lästigen Winterspeck verlieren und die gewünschten Muskelpakete mittels elektrischen Strom aufbauen.

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Das leibeigene Rad: Body-Scanning für den Kunden

Menschen sind doch sehr verschieden, auch auf dem Rad. Und ist das von der Stange, dann kann das den Spaß verderben oder gar gesundheitliche Schäden verursachen. Ein Rad, das passt, muss her. Perfektioniert wird dieser Wunsch durch ein Körpervermessungssystem, welches dieser Tage bei Fahrradhändlern Premiere feiert, die zum Einkaufsverbund "Bicoplus" gehören. "Body Scanning" heißt es.

Dafür wird der Kunde, in unserem Fall Hans Müller, per Laserpointer in knapp zwei Minuten vermessen. Fünf Messpunkte werden erfasst: Körpergröße, Schulterbreite, Schulterhöhe, Fausthöhe und die Höhe des Beckenkamms, als Ersatz für die wichtige Schrittlänge. Die Vermessung erfolgt berührungslos. Herr Müller muss sich nur vor eine spezielle Wand stellen, über die die Messpunkte mittels eines Computerprogramms in Messwerte übersetzt werden. Im Prinzip ist dies aber bei der Suche nach dem passenden Rad nur der eine Teil des Systems. Der nächste Schritt ist ein elektronischer Fragebogen, über den der Händler erfährt, was für ein Rad Hans Müller wünscht.

Sechs Kategorien stehen zur Auswahl: Mountain-Bike, Trekking-Rad, City-Bike, Rennrad, Jugendfahrrad oder E-Bike (Sonderfahrrad). Herr Müller möchte ein Trekkingrad kaufen, so fragt das Programm, oder besser der Verkäufer, ob er eher eine sportliche, moderate oder bequeme Sitzposition bevorzugt. "Moderat", sagt Müller und der nächste Schritt ist die Einordnung der jährlichen Kilometerleistung. Müller will es nicht übertreiben und diktiert 500 bis 2000 Kilometer, wobei zur Auswahl die Kategorien "unter 500 Kilometern, 500 Kilometer bis 2000 Kilometern, 2001 bis 7000 Kilometer und über 7000 Kilometern" stehen.

Nun geht es um Ausstattungsmerkmale. Soll das Trekkingrad also gefedert sein, wenigstens über eine Federgabel verfügen oder vielleicht sogar auch am Hinterrad über eine Abfederung verfügen (Full Suspension)? Natürlich kann man sich auch klassisch für die ungefederte Variante entscheiden. Müller ist ein innovativer Mensch und möchte ein Full Suspension-Bike. Und mit welcher Rahmengeometrie? Das heißt, will Müller einen Herren- oder Damenradrahmen, oder bevorzugt er die Einrohrrahmenvariante? Der Kunde entscheidet sich fürs Herrenrad. Bei der Schaltungsart wünscht er keine Naben- sondern eine Kettenschaltung und beim Bremstyp kann er zwischen V-Brakes, Scheibenbremsen, Rollerbrake und hydraulischen Bremsen wählen. Es wird des weiteren gefragt (besonders bei Full Suspension sehr wichtig), ob man eventuell auch einen Kindersitz montieren möchte. Müller möchte, und der Verkäufer notiert dies auf der Liste.

Zum Abschluss will der Kundenberater noch wissen, ob man ein Fahrradschloss braucht, ob das neue Rad mit einer Straßenausstattung (also mit Licht, Klingel und allen Reflektoren) gewünscht wird und natürlich, wie viel das Rad kosten soll. Müller diktiert dem Verkäufer: 1399 Mark. Jetzt vergleicht der Computer die Daten aus Körpervermessung und individuellen Wünschen mit den 10 0000 Fahrrädern, die sich im Bicoplus-Angebot befinden. Wie bei einer Suchmaschine werden die Treffer angezeigt, auf Wunsch mit Foto und detaillierter Ausstattungsliste.

"Body Scanning" wird ausschließlich bei den bundesweit 600 dem Verband "Bicoplus" angeschlossenen Fahrradhändlern angeboten.

Test des Sesselrades "Equinox" von "Riese und Müller"

"Equinox" bezeichnet die Tagundnachtgleiche, wen es also an zwei Tagen des Jahres (im Frühling und Herbst) zwölf Stunden hell und ebenso lange dunkel ist. Einem Fahrrad diesen Namen zu geben, ist zwar seltsam, aber jedenfalls für das hier vorgestellte Rad nicht ganz unlogisch. Denn die Darmstädter Firma "Riese und Müller" verspricht mit dem "Equinox" entspanntes Rad fahren. Für die beiden Ingenieure Markus Riese und Heiko Müller ist das neue strahlend gelbe Rad, so steht´s im Pressetext, der "Ausdruck eines neuen Lebensgefühls, in welchem Fitness statt sportlicher Hochleistung als Ideal gilt".

Equinox Riese und MüllerDas Equinox ist für die Stadt gedacht, es soll "individuellen Genuss und Muße dem steten Treiben urbaner Innenstädte entgegen setzen". Moderne Stadträder heißen heute merkwürdigerweise "Citybike" oder "City-Cruiser" und ermöglichen das "Easy Entering". Auf Deutsch: Man muss zum Aufsteigen keine Turnübungen veranstalten und auch das Stoppen und Absteigen geht sehr leicht vonstatten.

Und so gibt es auch einen sehr schönen deutschen Begriff für diese Art Fahrrad: Sesselrad. Zurücklehnen, genießen, radeln und rollen. Soviel Entspannung hat auch die "Aktion Gesunder Rücken"(AGR) überzeugt, weshalb es als eines der ersten drei Fahrräder mit dem AGR-Gütesiegel ausgezeichnet wurde.

Charakterisierendes Merkmal des Equinox ist die neuartige Sitzposition. Kaum mehr als Sattel, sondern als Sitz mit Rückenlehne zu bezeichnen. Die entspannte Haltung war aber nur möglich, weil man die Pedale nach vorne gerückt und den Lenker auf Brusthöhe gebracht hat. Also keine gebückte Haltung mehr, sondern rückenentspanntes Rad fahren. Der Sitz wird in Höhe und Abstand auf ein Art Schiene verschoben. Große Leute, oder genauer: Menschen mit langen Beinen, sollten aber bereits beim Kauf auf die höhere Sattelstütze pochen, da es nur eine Rahmenhöhe gibt. Selbst Menschen unter 1,80 Meter Körpergröße müssen den Spielraum auf der "Sitzbank" gegebenenfalls bereits vollständig ausnutzen.

Es versteht sich von selbst, das so ein Rad über eine Federung verfügt (wie sämtliche Räder von Riese und Müller). Besonders die Hinterradfederung hat es uns angetan. Soviel Komfort kennen wir sonst nur von Motorrädern.

Ein schneller Flitzer ist es aber nicht. Man sollte Zeit mitbringen und die Raser rasen lassen. Geschwindigkeiten über 30 km/h sind vergleichsweise anstrengend. Dafür ist das Rad mit seinen 20-Zoll-Rädern einfach nicht gedacht. Ums Schalten braucht man sich auch nicht zu kümmern, dass übernimmt eine automatische Vier-Gang-Nabenschaltung. Zum Anfahren liegt also immer der erste Gang vor. Die "Auto D" von Shimano lässt sich auf Wunsch auch manuell bedienen und auch für schnellere Fahrweise vom Händler umprogrammieren. Neuartig ist Führung des Antriebs. Zwar gibt es einen herkömmlichen Kettenantrieb, doch wurde dieser in die Hinterradschwinge integriert. Das Prinzip entkoppelt Federung und Antrieb und ist zugleich ein effektiver Ketten- und Hosenschutz.

Die Federung lässt sich schnell (um 22 Prozent) verstellen. Mit einem Handgriff kann zwischen zwei Federungsabstimmungen gewählt werden. Auch hier stand die Federung beim Motorrad Pate. Es gibt auch keine Kabel, die irgendwo außen am Rad verlegt wurden. Bis zum Lenker wurden sie innerhalb des speziellen Vorbaus verlegt, der eher eine Lenksäule ist.

So gibt es wenig zu kritisieren. Uns gefiel das Nassbremsverhalten der Vorderradbremse nicht (hinten arbeitet eine Rollenbremse). Und an der Stelle, wo die Kabel aus dem Rahmen treten, löste sich ständig die Plastikabdeckung, weil die Züge ein wenig zu kurz sind. Ein wenig vermisst haben wir auch einen serienmäßigen Rückspiegel, der für noch mehr Sicherheit sorgen würde. Vielleicht kann dies ja mit neuen Lenkerkonzepten verbinden, die vergangenes Jahr auf den Messen präsentiert wurden (und nicht nur Rückspiegel, sondern auch Brems- und Schalthebel sowie Scheinwerfer und Tachometer in den Lenker integrieren).

Die Energie fürs Licht (jeweils mit Standlicht) kommt von einem Nabendynamo. Was hier so selbstverständlich klingt, ist es noch lange nicht. Bei Riese und Müller hat man den Begriff Komfort konsequent umgesetzt, allerdings mit zwei Haken. Da wäre zum einen der hohe Preis. Fürs Equinox muss man 4000 Mark auf den Tisch legen. Und zum anderen das vergleichsweise hohe Gewicht (17,9 Kilogramm). Nur muss man auch deutlich sagen: Komfort hat nicht nur seinen Preis sondern auch sein Gewicht. Als Zubehör bekommt dann noch einen Einkaufskorb und Satteltaschenadapter.

Doch die Satteltaschen sollte man nur für die Kurzstrecke einsetzen, denn es ist kein Tourenrad. Die Stärken liegen im "Stop and Go"-Verkehr, also dort wo man ständig auf- und absteigen muss. Und wenn´s dann auch noch die Gesundheit schont, werden für den Nutzer bestimmt die Sonnenseiten des "Equinox" überwiegen.

Erstmals rückengerechte Fahrräder ausgezeichnet

Erstmalig sind bei der "Aktion Gesunder Rücken" (AGR) Fahrräder auf ihre "rückengerechte Konstruktion" hin überprüft worden. Als bundesweit erste Räder wurden drei Modelle des Darmstädter Fahrradherstellers "riese und müller" mit dem AGR-Gütesiegel ausgezeichnet: Culture, Avenue und Equinox.

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"Ein Drittel der Fahrradhändler wird pleite gehen"

„Wir sind die einzige Branche in Europa, deren Mitglieder sich auf einem Kongress treffen, um einfach nur miteinander zu dis­kutieren", sagte der Planungsdirektor der Firma Shimano, Hans van Vliet, auf dem Fahrrad-Kongress, der am vergangenen Wo­chenende in Bremen stattfand. Gewiss trifft sich die Fahrradbranche nicht nur ein Mal im Jahr in irgendeiner Messehalle. Doch während es auf den anderen Veranstaltungen in Köln, Friedrichshafen oder Mailand vorwie­gend ums Geschäft geht, kam man nun schon zum fünften Mal in die Hansestadt, um einfach nur Meinungen auszutauschen.

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Falträder: In 15 Sekunden um die Hälfte geschrumpft

Den passenden Neuwagen als Radfahrer zu finden ist schon schwierig. Wer im schicken Salon schnell einmal sein Fahrrad in den Kofferraum zur Probe legen möchte, erntet merkwürdige Blicke. Dabei ist es für viele schon entscheidend, ob das Bike auch ins Auto passt. Denn der Transport auf dem Dach oder am Heck ist bei teuren Rädern wirklich nur dann eine Alternative, wenn innen gar kein Platz ist. Draußen angebracht, leidet das Rad doch arg bei schlechtem Wetter unter Feuchtigkeit, Insektenflug oder Schmutz.

So muss man probieren, ob bei heruntergeklappter Rückbank das Rad irgendwie hinein passt. Irgendwie geht´s immer. Meist muss der Sattel ab, der Lenker gelöst und die Laufräder demontiert werden. Auf Dauer ist das nicht nur lästig (und verursacht stets schmutzige Finger), sondern führt auch zu manchem Fleck im Auto, verbogenen Schutzblechen und zu losen Kabeln am Fahrrad.

All die Sorgen ist man los, wenn man sich für ein Faltrad entscheidet. Das passt auch in den noch kleinsten Kofferraum (auch in den von Lupo oder Smart). Selbstverständlich sind diese Räder auch fürs Boot, fürs Wohnmobil oder für die Bahn bestens geeignet. Sehr schnell lassen sie sich in einer Tasche verstauen. Quasi ein Rad mit Mobilitätsgarantie.

Die modernen Falter haben nun gar nichts mehr mit den alten Klapprädern aus den sechziger Jahren zu tun. Aus diesem Grund nennt man sie in Deutschland auch Faltrad, seltener Zerlegrad, Teleskoprad oder Modulrad. Klapprad steht dagegen für eingeklemmte Finger und wenig Komfort. "Ein Inbegriff einer fatalen Illusion", nennt Gunnar Fehlau das Klapprad in seinem Standardwerk "Das Modul-Bike".

Heutige, moderne Falträder bekommt man - grob gesagt - in zwei verschiedenen Varianten: mit großen und kleinen Laufrädern. Auf die Großen setzen bevorzugt die Autofirmen mit ihren Faltvelos. Um die soll es aber an dieser Stelle nicht gehen, sondern um Räder mit extrem kleinem Packmaß und ziemlich kleinen Laufrädern in den Größen 16 bis 20 Zoll.

Die Auswahl in diesem Bereich ist immer noch überraschend überschaubar. Die wichtigsten Hersteller sind Bernds, Brompton, Dahon, Giant, Hercules, Kentex oder Riese und Müller. Hinzu kommen ein paar Exoten, Bastler und vor allem Taiwanesen mit wenig guten Nachbauten.

Zu einem guten Faltbike gehört vielmehr als nur ein Scharnier, durch das der geteilte Rahmen geklappt werden kann. Die Produkte der Anbieter unterscheiden sich nicht im Faltmechanismus, sondern auch darin, wie man sie gefaltet bekommt, wie viel sie wiegen, ob man sie leicht tragen kann und - ganz wichtig - wie sie sich fahren. 

Vergleicht man deshalb die einzelnen Modelle, so kann es eigentlich keinen klaren Favoriten geben. Zu unterschiedlich sind die Einsatzgebiete, zu deutlich die Qualitätsunterschiede bei jedoch großen Preisspannen. Allerdings lassen sich alle Bikes mit wenig Übung innerhalb einer Minute zusammenlegen. In Spitzenzeiten sogar in 30 Sekunden. 

Vom Gewicht her bewegen sich die Räder zwischen 10 und 13 Kilogramm. Allerdings: Je besser ein Rad ausgestattet sein soll, desto schwerer wird es dann auch. Drei Topmodelle streiten seit Jahren um den ersten Platz: das "Birdy" von Riese und Müller, das englische Brompton, welches in Deutschland von Voss vertrieben wird, und das Bernds von Thomas Bernds. Besten Fahrkomfort bietet das Birdy, denn es ist das einzige vollgefederte Faltbike. Eigenwillig ist allerdings die Optik durch die spezielle Federgabel. Das Birdy ist mehr als nur ein Stadtrad für kurze Touren (manch ein Hersteller sagt ganz ehrlich, dass man nicht mehr als zehn Kilometer am Stück fahren sollte). Mit dem Birdy dagegen kann man durchaus auch Radreisen unternehmen und auch relativ viel Gepäck verstauen. Möglich macht dies ein im Zubehörprogramm erhältlicher Gepäckträger (Lowrider) fürs Vorderrad und natürlich auch die ausgereifte Konstruktion. Gäbe es statt des schmierigen Kettenantriebs einen mit einem Zahnriemen, fiele die Entscheidung für den ersten Platz leichter. Trotz der 18-Zoll-Räder sind die Fahreigenschaften vorbildlich, wenn man natürlich die Laufeigenschaften nicht unmittelbar mit einem 26-Zoll Rad vergleichen kann. Bis zu 21 Gänge stehen zur Verfügung. Das Faltmaß beträgt 82x41x62 Zentimeter.

In diesem Punkt wird es vom Brompton geschlagen, welches sich zu einem Paket von 63x63x35 Zentimeter falten lässt. Allerdings rollt das Brompton auch mit 16 Zoll-Räder, was natürlich zu Abstrichen beim Fahrgefühl führt (wenn dies auch durch den langen Radstand zum Teil wieder ausgeglichen wird). Ein Plus ist auch hier die Hinterradfederung sowie, dass das Rad im gefalteten Zustand auf dem Gepäckträger steht. Das Brompton kostet mit einer Dreigangschaltung ab 1300 Mark (mit einer Fünf-Gang-Schaltung ab 1900 Mark). Fürs Birdy Blue muss man dagegen zwischen 2200 und 3300 Mark ausgeben.

Nicht unerwähnt bleiben darf das Bernds. Thomas Bernds´ Faltrad verfügt ebenfalls über eine Hinterradfederung und zudem bekommt man optional auch ein Modell mit einem Zahnriemenantrieb. Wie wir meinen, eigentlich der Antrieb fürs Faltrad: denn ohne schmierige Kette braucht man auch keine Hosenklammern. Das Bernds wiegt mindestens 12,2 Kilo und kostet ab 2000 Mark. Bis zu 21 Gänge sind möglich (dann allerdings ohne Zahnriemen).

Neu auf dem Markt ist das Carbike von Hercules. Auch Hercules setzt auf die Vorteile eines Zahnriemenantriebs. Auch hier ist der Hinterbau gefedert. Zudem wird das Rad komplett mit Gepäckträger und Lichtanlage (mit Standlichtfunktion) verkauft. Überraschend schlägt sich dies nicht im Preis wider (1600 Mark), jedoch trotz Alurahmen im Gewicht: 13,8 Kilogramm. Optisch ist das Carbike (nur in Silber lieferbar) eine gelungene Neuerscheinung.

Auch noch vergleichsweise neu ist das Giant Halfway. Das neben Hercules mit Giant ein weiterer großer Fahrradhersteller ins Faltbikegeschäft einsteigt, zeigt zumindest, dass auch die Großen der Branchen einen Markt sehen. Nicht ganz so optisch schön ist das Halfway, das sich allerdings leicht falten lässt. Wobei wie beim Hercules (und nicht wie beim Birdy oder Bernds, wo Hinterbau und Gabel einklappen) der Rahmen gefaltet wird. Giant setzt auf Einarmschwingen und -gabeln, das spart natürlich Gewicht (13 Kilogramm) und reduziert auch das Packmaß. Die vergleichsweise großen 20-Zoll-Laufräder unterstützen die Optik eines vollwertigen Rades. Es stehen verschiedene Versionen mit einem und bis zu 26 Gängen zur Verfügung (1300 bis 1500 Mark). Allerdings ist das ansonsten sehr leicht zu faltende Rad, wie übrigens auch das Speed von Dahon, im gefalteten Zustand nicht arretierbar. Wer dann nicht die passende Tasche dabei hat, wird beim Tragen fluchen. Auch ist der Gepäckträger nur für kleinere Dinge geeignet. Satteltaschen (wie etwa beim Birdy) sollte man nicht anbringen.

Buchttipp: Worauf man beim Kauf noch achten sollte, erklärt Gunnar Fehlau in seinem Buch "Das Modul-Bike". (Delius Klasing Moby Dick Edition 1997, DM 29.80)

Ohne Radhose tut´s weh

Radfahren soll ja gewisse Körperpartien, besonders im hinteren Bereich, in Form bringen. Damit man das Ergebnis dann auch bewundern kann, steckt so mancher seinen Allerwertesten beim Biken in eine knappe Radhose, könnte man denken. Doch nicht jeder und vor allem auch jede steht auch auf dieses meist auch noch glänzende Beinkleid. Im manchen Situationen ist das Radleroutfit weniger gefragt. Trotzdem sollte man auf längeren Touren stets spezielle Radbekleidung anziehen, nicht um aufzufallen, sondern um schmerzfrei das Ziel zu erreichen. Die flatternde Jogginghose oder gar Jeans stören beim Radeln nicht nur aufgrund des Schlags, der die Kette berühren kann.

"Baumwolle hat am Bikerkörper nichts verloren", sagt Jürgen Schatz von der Radsportbekleidungsfirma Gonso. Neuester Trend sind deshalb Radhosen, die ihr Geheimnis verstecken und von außen wie eine normale Short oder Trekkinghose aussehen. Die Industrie nennt dies funktionelle Bikebekleidung. Man setzt weniger auf plakative Drucke, sondern dezente Muster. Gleich, ob eng oder weitsitzend, sämtliche Radhosen haben zwei Sachen gemeinsam: Sie werden aus Kunstfasern hergestellt und haben ein eingenähtes Sitzpolster. Gerade Letzteres unterscheidet die Bikehose von einer so genannten Radler, die sehr oft auch im Supermarkt angeboten wird.

Es gibt auch Shorts, in die eine komplette Radhose integriert wurde. Bei der billigen Variante ist das Sitzpolster in eine Netzinnenhose eingenäht. Diese trägt sich nicht sehr gut, kann manchmal auch zudem merkwürdig aussehen, wenn das Polster vorne übersteht.

Damit nichts scheuert oder reibt, sollte das Polster, aber auch die gesamte Hose nur wenige Nähte aufweisen und keine Falten werfen. Wo Nähte unvermeidlich sind, findet man bei guten Produkten Flachnähte.

Standardeinlage ist heutzutage ein Fleecestoff, die Namen und Herstellungsverfahren unterscheiden sich je nach Anbieter. Descente nennt es beispielsweise "Airstripe" und Gore Bike Wear "Monolith".

Das früher oft verwendete Leder findet man nur noch selten. Der Kunststoff ist weicher und vor allem pflegeleichter, man muss es nach der Wäsche nicht unbedingt eincremen (obwohl es spezielle Cremes gibt) und besonders wichtig: Es trocknet erheblich schneller als so ein Lederlappen.

Denn aus hygienischen Gründen sollte man - wenn möglich - die Radhose nach jeder (Tages)Tour waschen. Die oft als antibakteriell deklarierte Einlage ist nämlich kein Wunderding. Bakterien können auf Dauer auch dem Material zusetzen, ganz abgesehen vom nicht sehr angenehmen Geruch. Und gegen Po-Schmerzen hilft in erster Linie auch nicht die Einlage sondern ein vernünftiger Sattel. Hersteller wie Gonso verwenden beim Innenpolster ausschliesslich ein Polyesterfleece. Andere Anbieter setzen im vorderen Bereich Frottee ein. Dieser Stoff ist billiger, wird allerdings auch schneller beim Schwitzen nass, was gerade in diesem sensiblen Bereich Probleme bereiten kann.

Der Einsatz von synthetischen Materialien hat den entscheidenden Vorteil, dass der Schweiß schnell abgeleitet werden kann, das Material besser gegen den Fahrtwind schützt, bestenfalls sogar atmungsaktiv und wasserdicht ist. Ganz wesentlich ist auch, dass es sehr schnell trocknet.Mit Naturfasern ist dies nicht zu erreichen, die eingesetzten Stoffe sind deshalb Produkte der chemischen Industrie und heißen etwa Sensitive, Absorbtex, Supplex oder Coolmax: Feine High-Tech-Fasern, die sich besonders dicht weben lassen und zum Teil wie beim Coolmax auch über eine Kapillarfunktion verfügen, die die Feuchtigkeit von der Haut weg führt. Weiteres Qualitätsmerkmal einer guten Hose ist die Antirutschnaht am Bein. Damit wird verhindert, dass sich das Hosenbein beim Treten nach oben bewegt.

Eine besondere Klimahose kommt im Frühjahr 2000 auf den Markt. Gleich mehrere Hersteller verwenden in ihren Hosen ein aus der Raumfahrt kommendes Material. Phase Change Material (PCM) heißt es und verändert je nach Temperatur den Aggregatszustand. Der Schaum ist mit Mikrokapseln gekoppelt, die die Temperatur um einen Bereich von sechs Grad regulieren können. Erhöht sich die Körpertemperatur, wird überflüssige Wärme gespeichert. Sinkt die Temperatur, wird die zuvor gespeicherte Wärme abgegeben, erläutert Roland Stadelmann von der Firma Descente. Vorab darüber nicht informierte Probanden berichteten in Tests des "Cool-Pads" zumindest von einem kühlen Gefühl.

Während das mit dem Cool-Pad noch nachvollziehbar ist, wird´s bei einer weiteren Erfindung schon schwieriger. Der Bayer Walter Zapf hat einen Chip entwickelt, der - in die Radhose oder ins Trikot eingenäht - zu mehr Leistung führen soll (Werbespruch: Mehr drin, besser drauf!).

Dieser Chip der Firma Urmoor aus Lindau soll vor allem die Sauerstoffversorgung während der Spitzenbelastung optimieren. Auf Deutsch: Es kommt nicht mehr zu einem Muskelkater. Wie das geschieht, bleibt das Geheimnis des Erfinders, der sieben Jahre daran geforscht haben will. Denn auch die Erklärung, dass dieser Chip "durch die Übertragung einer harmonischen Resonanzfrequenz der Sauerstoffinformation wirkt", ist wissenschaftlich gesehen, ziemlich unwissenschaftlich. "Das ist das Problem", sagt Zapf, "dass der Kunde etwas bekommt, was er nicht versteht, was aber wirkt". Woraus der Biochip, der etwa so groß wie ein Zwei-Mark-Stück ist, wirklich besteht, will Zapf nicht verraten. So bleibt doch so lange Skepsis, bis man einen Selbstversuch wagt. Es soll jedoch hervorragend funktionieren.

Bereits viele Sportler setzen auf diese Art der Leistungssteigerung. Egal ob Triathleten, die Deutsche Damen Ski-Nationalmannschaft, der Bayerische Leichtathletikverband, das Deutsche Biathleten-Team oder auch die Girls vom nationalen Ski-Team der USA. So manche Goldmedaille soll der Chip zumindest unterstützt haben.

Bei Gonso wird das Wunderding in die Hose und ins Trikot eingenäht. Und der Konkurrent Puma wird demnächst einen Schuh mit eingepflanztem Chip herausbringen. In Zukunft kann man auch auf den Chip ganz verzichten, denn die Information soll bereits in die Textilfaser quasi eingewebt werden, sagt Zapf. Ob das ganze Humbug oder Placebo ist und was es wirklich medizinisch bewirkt, soll demnächst in einer Studie der Uni Bayreuth untersucht werden.

Ganz praktisch für Männer mit schwacher Blase ist eine neue patentierte Erfindung der italienischen Firma Biemme. Dort hat man sich Gedanken über das kleine Geschäft gemacht. Besonders bei Trägerhosen ist das Ausziehen lästig, um kurz Wasser lassen zu wollen. Ein kleiner Schlitz in der Radhose, ähnlich einem Eingriff in einen Slip, garantiert schnellen Zugriff. Damen sollten übrigens nur Damenhosen anziehen. Diese sind nicht nur anders geschnitten, sondern verfügen auch über keine Mittelnaht im Sitzpolster.

Und was trägt Frau und Mann unter der Radhose? Nichts! Jeder Slip, jede Naht reibt auf der Haut, nicht erst dann, wenn der Biker schwitzt. Allerdings kann es natürlich bei längeren Touren ein hygienisches Problem darstellen, ständig nur eine Hose zur Verfügung zu haben.

Nach langer Suche und vielen schmerzhaften Erfahrungen habe ich ein paar Badehosen gefunden, die nicht reiben und deshalb unter die Radhosen gezogen werden können. Es gibt aber alternativ auch spezielle Unterhosen mit Einlage. So müssen nur noch diese gewaschen werden.



Verschiedene Radtypen im Überblick

Gäbe es im Fernsehen noch das "Laufende Band" mit Rudi Carell, man könnte heutzutage statt der damals üblichen Utensilien wie Toaster, Stofftier oder Kaffeemaschine ein ganzes Band nur mit verschiedenen Fahrrädern füllen.

Wie viel Radtypen es nun wirklich gibt, kann wohl niemand so genau sagen. Fürs klassische Fahrrad gibt es mehr Begriffe als so mancher Händler Räder im Programm hat. Heute heißt ein Fahrrad schon lange nicht mehr schlicht Fahrrad. Es gibt Citybikes, Trekkingräder, Cross-Bikes, Reiseräder, Streetbikes, natürlich Mountainbikes, aber auch Falt- und Liegeräder. Hinzu kommen noch Rennräder, Triathlonbikes, Cruiser, vollgefederte Velos (so genannte Fullies), solche, die nur über eine gefederte Gabel verfügen (Hardtails). Nicht zu vergessen die Drahtesel mit einem extra tiefen Durchstieg (Easy-Boarding-Bikes), und andere mit einem zusätzlichen Antrieb durch einen Elektromotor (E-Bikes).

Die Auswahl ist überwältigend. Wer jetzt mit dem Beginn der Saison ein neues Bike sucht, hat deshalb die Qual der Wahl. Entweder wälzt man monatelange etliche Fahrradmagazine durch, oder man holt sich den fachmännischen Rat beim Fahrradhandel. Ein paar (meist englische) Fachbegriffe zu kennen, kann nicht schaden, ebenso wenig die einzelnen Typen vom Namen her unterscheiden zu können.

 Das Citybike

 Citybikes nannte man früher Stadträder. Im Prinzip ist es ein alter Fahrradtyp, der durch eine bequeme, aufrechte Sitzposition besticht. Auffällig bei diesem Rad ist der tiefe Durchstieg. Weshalb einige Hersteller sie auch "Easy Boarding Bikes" nennen. Auf Deutsch: Man muss nicht mehr mühsam aufsteigen (selbst mit Rock ist der Sattel leicht zu erreichen). Stadträder sind nicht als Sportgerät konzipiert. Ihr Einsatzgebiet ist –wie der Name schon verrät - die Stadt oder bestenfalls das nahe Umland bei einem kurzen Ausflug. Sie protzen nicht mit vielen Gängen, oft reicht für die Zielgruppe eine Nabenschaltung mit sieben Gängen aus. Ein stabiler Gepäckträger sollte ebenso vorhanden sein, wie eine komplette Lichtanlage und Schutzbleche. Citybikes bekommt man sowohl mit 26-Zoll als auch 28-Zoll-Rädern.

Zu den Stadtvelos muss man auch die Streetbikes zählen. Dieser noch neue Radtyp eignet sich eher für den sportlichen Fahrer. Die Rahmengeometrie ist nicht so "weiblich", das Fahrverhalten aggressiver und wendiger. Streetbikes sind oft mit einer Vollfederung ausgestattet, die Transportmöglichkeiten für Gepäck ist dagegen stark eingeschränkt.

Das Trekkingrad

Auffällig an einem Trekkingrad ist der große Einsatzbereich. Sie laufen in der Stadt ebenso gut wie auf einer Radtour. Und auch der Waldweg lässt sich mit diesen stabilen Bikes befahren. Trekkingräder verfügen meist über 28-Zoll-Laufräder und einen stabilen Gepäckträger. Durch die vergleichsweise schmalen Reifen besitzt es sehr gute Laufeigenschaften. Der große Übersetzungsbereich (meist verteilt auf 27 Gänge) ermöglicht auch längere Bergpassagen. Auf Grund der großen Laufräder eignen sie sich auch für groß gewachsene Menschen. Es gibt aber mittlerweile auch Varianten mit 26-Zoll-Rädern.

Zu den Trekkingbikes werden auch die All-Terrain-Bikes gezählt ( die man kurz ATB nennt) und die Crossräder gezählt. Beides sind sportliche Varianten dieses Typs, die vor allem dadurch auffallen, dass sie ohne Schutzbleche und Lichtanlage ausgeliefert werden.

Das Mountainbike

Mountainbikes (MTB) waren ursprünglich nur für den Geländeeinsatz konzipiert worden. MTBs verfügen deshalb immer über 26-Zoll-Laufräder, auf die groß-volumige Reifen montiert werden. Sie sind sehr robust, spurtreu und weniger anfällig für Pannen. Speichenbrüche gibt es auf Grund der kleineren Laufräder im Gegensatz zum Trekkingrad weniger oft. Verfügen Mountainbikes über eine Federung an Vorder- oder Hinterrad, so nennt man sie Fully (von dem englischen Wort "Fullsuspension"). Verfügt das Rad "nur" über eine Federgabel, so heißt das Produkt "Hardtail". Der Begriff "Fully" wird mittlerweile auch bei den anderen Radtypen verwendet. Allerdings nennt man sie dort oft – im Hinblick auf die Zielgruppe – auch Komforträder. Zu den MTBs zählen auch Downhill-Bikes. Diese Bergabfahrträder (die niemand so nennt) sollten eigentlich nur im Paket mit einem Jahresabo für einen Sessellift verkauft werden. Denn selbst fürs flache Gelände sind diese Räder ungeeignet. In einer abgespeckten Version heißen sie übrigens "Freeride". Damit kann man dann auch den ein oder anderen leichten Hügel bewältigen.

Das Elektrorad

Immer mehr Freunde finden mit einem Elektromotor ausgestattete Fahrräder. Neuerdings unterscheidet man in dieser Gruppe zwischen zwei verschiedenen Typen. Als Pedelecs bezeichnet man Fahrräder, die automatisch beim Treten "Gas" geben (abgeleitet vom Begriff Pedal-Electric). Bei der anderen Gruppe, den E-Bikes, wird über einen Handgriff "Gas" gegeben. Nicht alle Elektrofahrräder sind zulassungs- und versicherungsfrei.

Das Reiserad

Reiseräder leiteten sich ursprünglich von den Rennrädern ab. Mittlerweile werden sie aber auch mit der Plattform eines Mountainbikes angeboten. Egal, ob in der 26 oder 28-Zoll-Größe, Reisebikes müssen viel Gepäck tragen können, über einen sehr stabilen Rahmen verfügen und möglichst wenig komplizierte oder wartungsintensive Technik beinhalten. Der Übersetzungsbereich muss sehr gross sein, will man nicht an jeder Steigung schieben. Eine wichtige Rolle spielt auch eine bequemer Sattel und ein Lenker mit vielen Griffpositionen.

Das Rennrad

Der Klassiker schlecht hin. Schmale Reifen, wenig Gewicht und auf Geschwindigkeit getrimmt. Kein Gepäckträger, keine Lichtanlage, keine Schutzbleche. Ein Sportgerät par excellence. Auffällig der typisch gebogene Lenker, der in dieser Form nur noch an beim Cross-Bikes zu finden ist. Seit diesem Jahr hält auch die Federung verstärkt in diesem Bereich Einzug.



Das Hals am Rad / Ausgefallene Weihnachtsgeschenke

Was schenkt man nur einem Radfahrer zu Weihnachten? Einen Helm? Eine Radhose? Vielleicht gar ein neues Rad? Velos sollte man nicht verschenken, jedenfalls nicht, ohne dass der Beschenkte eine Probefahrt gemacht hat. Auch ein Helm muss passen, was nur durch Probieren klappt. Selbst die vergleichsweise unkomplizierte Radhose kann kneifen und muss deshalb nach dem Fest umgetauscht werden.

Beliebt sind aus diesen Gründen deshalb die kleinen Geschenke aus dem Zubehörbereich. Tachos, Pulsmesser, Rückspiegel oder Trinkflaschen. Doch, seien wir einmal ehrlich, so richtig originell sind diese Präsente nicht.

Wir hätten ein paar bessere, wenn auch sehr ausgefallene Ideen. Zum Beispiel einen Gürtel aus Fahrradreifen. Nein, keinen Gürtelreifen, sondern wirklich einen Hosenhalter aus Kautschuk.

Angefertigt wird der Gürtel in Handarbeit aus Original-Fahrradreifen in einem Radsportladen in Leipzig. Die Firma nennt sich Spork und zur Auswahl stehen sechs verschiedene Profile. Ein Klassiker ist sicherlich der Gürtel aus einem Schwalbe Marathonreifen. Die Pneus sind übrigens stets fabrikneu. Die Länge reicht für dünne Menschen (75 Zentimeter) und kräftige Radler (105 Zentimeter). Das Profil, also die Gürtelbreite, beträgt 3,5 beziehungsweise vier Zentimeter. Eine von neun Schnallen aus Altsilber wird an die Gummischlangen genietet. Den Gürtel bekommt man im gutsortierten Fahrradhandel oder preisgünstiger (ab 40 Mark) direkt beim Hersteller (Tel. 0341 / 498 02 44).#

Ein wenig teurer, aber dafür auch schlechter unterm Weihnachtsbaum zu packen, sind Fahrrad-Möbel. Der Berliner Torsten Weidland (Tel. 684 87 36) stellt diese her. Zum Sortiment gehören Lampen aus Laufrädern, Beistelltische mit einem Fuß aus einer Federgabel oder Couchtische, deren Glasplatte auf einem Fahrradrahmen ruht. Auch die passende Ledercouch kann angefertigt werden: Dabei nimmt man Platz in einer riesigen Fahrradnabe. Weidland geht selbstverständlich auch auf Wünsche ein. Selbst bis zu Weihnachten ist noch vieles möglich, betont der Neuköllner.

Auch T-Shirts sind immer ein Renner unterm Weihnachtsbaum. Fahrrad-Motive sind jedoch eher selten zu bekommen. Der Outdoor-Laden "Globetrotter" in der Bundesallee hat wenige im Angebot. Fündig wird man auch beim ADFC. Der Radclub unterhält einen Onlineshop mit vielen lustigen T-Shirt-Motiven (www.adfc.de). Die Auswahl ist recht groß. Auch Baseball-Kappen und Schlüsselanhänger mit Fahrradmotiven sind im Angebot. Originell sind Fahrrad-Blechmodelle für 14,95 Mark. Sie werden in Madagaskar aus alten Dosen hergestellt und ein Teil des Erlöses kommt laut ADFC Straßenkinderprojekten zugute. Im Shop findet sich auch ein Erste-Hilfe-Set für Radfahrer. Die Tasche ist aus Nylon und enthält unter anderem Kompressen, Pflaster, Binden, Verbandschere und Zeckenpinzette (34,90 Mark). Auch eine Fahrradbackform lässt sich gut verschenken (9,90 Mark). Bis auf die Anziehsachen können die Produkte auch über die Berliner Geschäftsstelle des ADFC bezogen werden (Brunnenstraße 28, Tel. 448 47 28), beziehungsweise – wenn nicht vorrätig - dort auch bestellt werden (wodurch man die Versandkosten spart). Im ADFC-Laden findet man zudem eine reichhaltige Auswahl an Fahrradbüchern.#

Auch Schmuck wird gerne verschenkt. Einen Kettenanhänger der besonderen Art bekommt man bei Martin Bischoff. Der Goldschmied fertig drei bis vier Zentimeter große Fahrräder nach Originalvorlagen aus Gold und Platin. Die Liebe zum Detail und das hochwertige Material hat natürlich seinen Preis: Rund 1200 Mark kostet so ein individueller Anhänger (Tel. 0041-33-4374042). Für die Anfertigung braucht Bischoff mindestens zwei Bildvorlagen vom Rad. Ein paar Modelle hat er auch auf Lager, unter anderem ein Mountainbike von Hot Chili, ein Rennrad und ein Triathlonrad. Mit dem Original von Rudi Kurth gewann dieses Jahr Natascha Badmann den Ironman Haiwaii. Im Prinzip, sagt der Schweizer, lässt sich von allem ein Schmuckstück anfertigten: "Selbst von einem Hund"!

Auch Annika Ponta ist Goldschmiedin. Sie stellt Armbänder und Ketten mit Bikemotiven her. Auch bei der Hamburgerin können Sonderwünsche abgesprochen werden. Ein Armreif kostet um die 300, eine Kette um die 200 Mark. (Tel. 040 / 27808427).

Und Christine David aus München hat sich auf Airbrush und Illustrationen spezialisiert. Die Künstlerin (www.cdavid.com) besprüht deshalb nach Wunsch auch Fahrradgabeln und Rahmen (Tel. 089/ 719 40 126). Im Prinzip ist auch hier bis Weihnachten noch eine Anfertigung möglich (wenn nur schnell genug das Objekt auch nach München komme). Kleinere Motive bekommt man bereits für 50 Mark. Natürlich bestimmt der Aufwand den Preis, so dass Preisempfehlungen nur schwierig möglich sind.

Wie tief schläft die Fahrradindustrie? / Gute Konzepte verschwinden regelmäßig in der Schublade

Der Bill Gates der Fahrradbranche heißt Joshi Shimano. So wie Gates die Computerbranche beherrscht, diktiert Shimano beim Fahrrad, wo es lang geht. Ohne die Produkte des Japaners läuft am Rad fast gar nichts. Geschätzte 90 Prozent des weltweiten Fahrradteilemarktes liegen in seinen Händen. Eine lukrative Nische zu finden, wird somit schwer, auch wenn das Produkt innovativ ist.

Es gibt wohl kein Fahrradteil, das die Situation in der Branche besser beschreibt, als der Drehgriff Synchroshift der französischen Firma EGS. Während die einen nämlich fast die gesamten Gehirnzellen ihrer Ingenieure dazu verbrauchen, um möglichst noch mehr Gänge ins Rad zu stopfen, versuchen andere diese Fehler wieder auszubügeln. So wurde ein Drehgriff entwickelt, der aus ursprünglich 24 oder 27 Gängen quasi im Handumdrehen überschaubare 12 werden ließ. Eigentlich klasse!

Das Problem ist nur: Die vergleichsweise kleine französische Firma ist Pleite gegangen, das Gangchaos bleibt. Gegen die großen Multis anzukämpfen ist der berühmte Kampf gegen Windmühlen. Der Monopolist Shimano ist sicherlich nicht ganz unschuldig daran, dass das Fahrrad hauptsächlich immer noch über die Anzahl der Gänge verkauft wird. Mit Komfort hat dies wenig zu tun.

Doch es wird weiter gehen. Im Internet findet man bereits ein Patent für eine 14-Gang-Kassette, die es theoretisch ermöglichen würde, über 42 Gänge zu verfügen.

Anscheinend scheint der Industrie noch nicht aufgefallen sein, dass sich auf dem Holzweg befindet. Wir warten immer noch auf Ketten, die nicht bereits nach 2000 bis 4000 Kilometern ausgetauscht werden müssen. Immerhin präsentierte vergangenes Jahr ein taiwanesisches Hersteller die erste korrosionsfreie Kette. Doch wird auch die nichts daran ändern, dass Inspektionsintervalle wie beim Auto oder Motorrad noch in weiter Ferne liegen. Dabei sollte heute ein Qualitäts-Fahrrad über 10 000 Kilometer pannenfrei laufen.

Also keinen Platten nach 100, keine verstellte Schaltung nach 150 Kilometern und kein Lichtausfall nach 400 Metern. Keine Illusion, schließlich ließe sich ein fast wartungsfreies Rad produzieren. Schlauchlose Reifen gegen Plattfüße, die 14-Gang-Nabe von Rohloff (Wartungsaufwand ein Ölwechsel pro Jahr) könnte man mit einem Kardanantrieb kombinieren, und hydraulische Bremsen mit Ausgleichsbehälter würden auch schleifende Bremsen beseitigen. Das Problem: Der Luxus der Sorgenfreiheit würde ein Vermögen kosten (halber Smartpreis). Allein für die Rohloff-Nabe muss man derzeit 1250 Mark bezahlen.

In diesem Sommer hatte die Branche sowieso andere Probleme. Sie klagt über Lieferengpässe und lange Lieferzeiten. Offensichtlich wurde man vom Sommeranfang und den plötzlich auftretenden wärmeren Tagen völlig überrascht. Ein bisschen mehr Logistik und größere Lagerkapazitäten hätten das Problem verhindert. Nur viele Hersteller lassen in Fernost produzieren. Dort wird dann aus Kostengründen einmal im Jahr die gesamte Palette der Firma von einem Großunternehmer hergestellt. In der restlichen Zeit sind die Maschinen für andere Kunden reserviert.

Es wird gespart an allen Ecken und Enden. Selbst namhafte Hersteller müssen große Rückrufaktionen für Fahrräder starten. Der Imageschaden ist groß, die Industrie reagiert nicht etwa mit einer Werbekampagne, sondern erhöht erst einmal die Preise (ja, ja, natürlich nur wegen des hohen Dollarkurses, wie sie alle versichern).

Und wo bleibt eigentlich die 12-Volt-Technik? Seit zwei Jahren gibt eine einzige Anlage, die zugelassen ist. Allerdings nur mit einer Ausnahmeregelung darf die Eisenacher Firma FER mehr Licht auf die Straße bringen. Warum nicht andere Unternehmen nachziehen? Schweigen, oder der Ruf nach dem Gesetzgeber.

Jedes Jahr werden immer wieder interessante neue Fahrrad-Konzepte präsentiert. Für die Zukunft steht das Sofabike des Holländers Andries Gaastra, dem ehemaligen Inhaber der Firma Koga Miyata. Der 60-Jährige entwickelte ein Stadtrad der besonderen Art: Niedriger Durchstieg, bequemer Sitz, Vollfederung, und die Möglichkeit, einen Einkaufswagen auf die Gabel aufzuschieben. Interessant ist in diesem Zusammenhang, mit wem Gaastra zusammenarbeitete. Der (stufenlos verschiebbare) Sitz (mit Rückenlehne) stammt von der Firma Keiper, die auch die Recaro-Autositze baut, die Konstruktion und Umsetzung des Prototyps erfolgte mit Hilfe der holländischen Firma Nedcar, die hauptsächlich den Volvo S40 und V40 und den Mitsubishi Carisma herstellt. Der Dämpfer kommt von Koni (auch eher Auto- als Fahrradfahrern ein Begriff). Wann das Sofabike (www.sofabike.com) in Serie geht, ist nicht klar, vielleicht bleibt´s auch hier wieder beim Prototyp, der über die Messen in diesem Jahr geschoben wird. Überraschend wäre dies nicht.

Jüngstes Beispiel: eine Studie vom Schweizer Bob Sticha. Ein Cityrad mit tiefem Durchstieg, Vollfederung, zwei Einarmschwingen, gekapselten Kardanantrieb, Scheibenbremsen und Laufrädern bei denen vorne, hinten, rechts oder links keine Rolle mehr spielt.

Die Rechte wurden (vielleicht vorschnell) an die Derby Cycle-Gruppe verkauft und das Rad dort erst einmal in der Asservatenkammer geschoben. Dort steht bereits der Prototyp Boomerang von Gazelle. Bequemer Sitz mit Rückenlehne, neuartiger Antrieb und Federung zeichneten das Fahrrad aus. Gebaut wurde es nie.

Die Fahrrad-Industrie hat offensichtlich mit neuen Konzepten und deren Umsetzung ein Problem. Ihr fehlt der Mut. Zu sehr hat man sich auf den Verkaufszahlen der vergangenen Jahre ausgeruht. Es lief doch, wieso sollte man deshalb etwas ändern? Während der Bestand an Fahrrädern 1990 53 Millionen betrug, stiegt er bis 1995 stetig und deutlich auf 63 Millionen Velos. Seit dem sind aber nur eine Million Bikes hinzugekommen (wenn auch fast fünf Millionen Räder 1999 verkauft wurden). Der Bestand stagniert.

Jahrelang wurde veraltete Technik unters Volk gebracht. Noch immer drehen die meisten Dynamos bei der kleinsten Pfütze durch und die Kabel -dünn wie Klingeldraht - nehmen reiß aus. Bezeichnend ist, dass derzeit die gesamte Branche vom ADAC vorgeführt wird. Der Autoclub kümmert sich nämlich seit rund eineinhalb Jahren auch um seine Rad fahrenden Mitglieder, gibt Tipps zum Fahrradkauf, verleiht Zertifikate für gute Fahrräder und durchdachte Fahrradteile und hat zudem eine lesenswerte Broschüre entwickelt, mit der das Thema "Fahrrad und Gesundheit" in den Mittelpunkt der Diskussion rückt. Über die Aktivitäten lacht mittlerweile niemand mehr.

Jedenfalls findet derzeit fast keine Diskussionsrunde über Fahrräder statt, an der nicht ein Vertreter der Automobilisten teilnimmt. Dem ADAC ist es gelungen, das Fahrrad aus der Müsliecke zu holen, den Gesundheitsaspekt und den Komfortgedanken in den Vordergrund zu schieben. In der Industrie wird der Druck größer, auch beim Fahrradclub ADFC, der sich nicht wundern muss, wenn er von den PS-Flitzern aus München rechts überholt wird und sich Deutschlands größter Automobilclub zu Deutschlands größten Fahrradclub mausert.

Studie: Mountainbiken kann Tumore verursachen

So mancher Radfahrer stand in diesem Sommer unter ständiger Beobachtung. Aus wissenschaftlichen Gründen versteht sich. Zahlreiche Arbeitsgruppen begleiteten weltweit Radfahrer, um neue Studien über den Zusammenhang von Gesundheit und Rad fahren schreiben zu können. Einer dieser Big Brothers der Biker ist Ferdinand Frauscher, seines Zeichen Mountainbiker und Urologe, also ein Mediziner der sich mit Harnorganen und deren Erkrankungen beschäftigt.

Frauscher hat in diesem Sommer in einer Studie an der Uniklinik Innsbruck 45 Mountainbiker untersucht. Der Arzt hat sie dafür betastet und mittels Ultraschall nach deutlichen Veränderungen im Genitalbereich gesucht. Nun ist es nichts Neues, das Rad fahren zu Problemen im Schritt führen kann. Das Ergebnis hat jedoch dann auch Frauscher überrascht: Bei 96 Prozent der Biker fand der Mediziner krankhafte Veränderungen bei den Genitalen, besonders im Hodenbereich. Auch Deutsch: Gutartige Tumore und schmerzhafte Verkalkungen wurden diagnostiziert.

Natürlich flammt damit auch wieder die Diskussion auf, ob man vom Rad fahren impotent werden kann. Vor Jahren hat dies vor allem die halbe USA in Angst und Schrecken versetzt, als Lance Amstrong, amerikanischer Radprofi und späterer Tour de France-Gewinner an Hodenkrebs erkrankte. Doch wie sich, beispielsweise durch Untersuchungen an der Deutschen Sporthochschule in Köln herausstellte, verliert man nicht durchs Radfahren seine Manneskraft. Es kommt zum Glück meist nur zeitweisen Potenzproblemen. Die Blutzufuhr im Penis wird unterbrochen, Taubheitsgefühle stellen sich ein, es kribbelt so merkwürdig und manch einer ruft dann schnell: "Alles Tote Hose".

Die Gesundheitsdiskussion vor allem der vergangenen zwei Jahre – auch in Deutschland - hat zumindest der Sattelindustrie einen Aufschwung beschert (und damit auch so manchen Wissenschaftler, der die Sättel aus medizinischer Sicht prüft). Ergonomisch geformte Sättel, also die in der Mitte so eine längliche Kerbe haben, sind der Renner und werden auch von Ferdinand Frauscher empfohlen, um die Verkalkungen, also Kalziumablagerungen im Hoden, zu verhindern.

Wobei Frauscher nicht unbedingt zu den Lautsprecher der wissenschaftlichen Radszene gehört. Der Österreicher hält sich mit plakativen Äußerungen zurück und verweist darauf, wen er untersucht hat: "Das waren alles keine Freizeit-Biker, sondern Sportler, die täglich bis zu zwei Stunden auf dem Rad verbrachten". Hinzu kam, dass die Biker bevorzugt im Gelände fuhren, sich also ständig Schlägen aufs Gemächt ausgesetzt sahen. Für den Freizeit-Radler bestehe deshalb keine Gefahr, sagt Frauscher und ärgert sich über so manche Schlagzeile, die seine kürzlich im renommierten britischen Wissenschaftsmagazin "Lancet" veröffentliche Studie, verursacht hat.

Rad fahren sollten Männer deshalb weiterhin, rät Frauscher. Wer allerdings intensiv radelt, sollte entweder regelmäßig Pausen einlegen (fünf Minuten jede Stunde), oder aber ein vollgefedertes Fahrrad (Fully) benutzen. Nur, ein Gutes und ein Passendes müsse es schon sein. "Was hilft es, wenn ich jetzt ein vollgefedertes Rad empfehle, und alle gehen in den nächsten Supermarkt und kaufen ein Fully für 700 Mark?", sagt Frauscher. Fully ist also nicht gleich Fully, und wer etwas für seine Gesundheit tun möchte, sollte bereit sein rund 3000 Mark für ein Rad auszugeben, so Frauscher.

Zur Radausrüstung gehört aus medizinischer Sicht auch ein Fahrradhelm. Zu dieser Empfehlung kommen Adrian Cook und Aziz Sheikh vom Imperial College in London. Die Forscher haben Unfallstatistiken der britischen Krankenhäuser zwischen April 1991 und März 1995 untersucht. In den vier Jahren hat sich die Zahl der verletzten Radfahrer nicht wesentlich verändert: Waren es 1991 8678, so sind es vier Jahre später 8781 Verletzte gewesen. Aber die Zahl der Kopfverletzungen habe deutlich abgenommen, nämlich von 40 auf nur noch 28 Prozent. Cook und Aziz folgern daraus, dass das Tragen eines Helms den Kopf wirklich schützt.

Wem diese Zahlen noch nicht ausreichen, um sich einen "Deckel" auf den Kopf zu setzen, sollte daran denken, dass Kopfverletzungen nicht nur Kopfschmerzen, sondern offensichtlich auch zu Alzheimer führen können. Besonders junge Erwachsene seien davon betroffen, sagen Forscher der Duke Universität in Durham (USA) in einer Studie, die sie im Fachblatt "Neurology" jüngst veröffentlichten. Die Wissenschaftler hatten 548 Kriegsveteranen untersucht, die vor mehr als 50 Jahren Kopfverletzungen erlitten hatten. Als Kontrollgruppe waren 1228 Veteranen ohne Verletzungen am Kopf untersucht worden.

Die Mediziner kommen zu dem Schluss, dass Personen mit leichten Kopfverletzungen ein zweifach höheres Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. Je schwerer die Verletzung sei, desto größer auch das Risiko, so der Leiter der Studie, Richard Halvik. Es zeige sich einmal mehr, wie wichtig es sei, beim Fahrrad fahren einen Helm zu tragen.

Sunliner: Zugleich Sonnenliege und Fahrradanhänger

Leider verleiht die Fahrradbranche keine Auszeichnung, die die Bedeutung des Film-Oscars besitzt. Genau genommen gibt es überhaupt keinen Preis. Doch nur mal angenommen, es gäbe diesen Fahrrad-Oscar, in der Kategorie Zubehör hätten wir einen Favoriten: den Sunliner. Denn der Sunliner überzeugt durch seine vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Er ist Sonnenliege, Fahrradanhänger und auch noch Einkaufswagen. Fehlt eigentlich nur noch der integrierte Grill, Solarmodule auf dem Dach zum Kühlen des Bieres und eine Aufblasmöglichkeit zur Luftmatratze, damit man damit auch noch ins Wasser gehen kann.

Wenn die Sonne scheint, schnallt man sich seine Sonnenliege hinters Rad, verstaut in dem zusammengeklappten Hänger die Badesachen, die Sonnenmilch, das Handtuch, den spannenden Roman und wenn man nicht aufpasst auch noch Waldi. Genügend Platz wäre vorhanden. Natürlich kann die Liege auch als Hackenporsche von Hand gezogen werden. Und wenn man nicht Liegen oder Sonnen, sondern zwischendurch Einkaufen gehen möchte. Kein Problem: Der Sunliner ist auch ein Kofferträger, der locker einen Kasten Bier oder die Kiste Mineralwasser transportiert.

Die Liegefläche beträgt 207 mal 56 Zentimeter. Zusammengeklappt reduziert sich der Umfang auf 85 mal 69 Zentimeter.

Erfunden hat den Sunliner die Münchner Designerin Karin Reiner. Vertrieben wird der mulifunktionale Trailer von der Schweizer Fahrradanhängerfirma Leggero und ist somit in jedem guten Fahrradhandel zu bekommen (oder zu bestellen). Bestellung sind aber auch übers Internet möglich (www.leggero.com). Das Gestänge ist aus Aluminium, die Netz-Bespannung ist (leider) zum Großteil aus PVC, der Schirm aus Polyestergewebe und die Räder sind aus Kunststoff mit Industrielagern. Mittels Becco-Kupplung kann der Sunliner ans Fahrrad gekoppelt werden. Die zehn Kilogramm Gewicht spielen in diesem Zusammenhang weniger eine Rolle. Der Sunliner eignet sich auch ideal als Geschenk, schließlich kann Mann bei so viel Funktionalität kaum etwas falsch machen. Der Preis liegt bei 264,39 Euro.

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Messebericht von IFMA 2000

Anderthalb Kilometer Kabel hat Winfried Reimann in seinem Fahrrad verlegt. CD-Player, Bordtelefon mit Freisprecheinrichtung, Fernlicht, Nebenscheinwerfer ,jede Menge kleiner Lämpchen und Stroboskope ins Bike integriert. "Star Vision" nennt der Bochumer sein fahrendes Kunstwerk an dem er zehn Jahre gearbeitet hat. Auf dem Internationalen Fahrrad-Markt (IFMA) in Köln hatte es Weltpremiere.

Reimann möchte mit dem Rad ins Guiness-Buch der Rekorde kommen, aber nebenbei auch einen Käufer für sein außergewöhnliches Fahrrad finden. Was es kosten soll, sei Verhandlungsbasis (Angebote nimmt der Künstler unter Tel. 0234 / 337 185 entgegen). "Man kann das Fahrrad fahren", versichert Reimann, "wenn man ein wenig Übung hat". Ab einer bestimmten Geschwindigkeit werden die kleinen Stützräder, die im Stand das Rad nicht umkippen lassen, wie beim Flugzeug vom Cockpit aus eingezogen. 245er-Reifen hat er aufgezogen, die Reifentechnik inklusive Bremsen aus einer Aprillia-Rennmaschine entnommen und mit normalen Freilaufkränzen vom Fahrrad kombiniert. Das "Star Vision" mit dem auffällig in Airbrushtechnik lackierten Aluhaut war das optischen Highlight auf dem Erfinder-Park, der mittlerweile fester Bestandteil der ansonsten von Kommerz dominierten Messe ist.

Die IFMA hat sich trotz absteigender Tendenz eines zum Glück bewahrt: Die Messe bleibt auch ein Markt für außergewöhnliche Ideen. Manch einer vom Erfinder-Park hat hier schon einen Produzenten gefunden. Andere sind bereits Produzenten, haben aber trotzdem nicht den Erfindergeist verloren. Die holländische Firma Basil zeigte einen Regenschirm mit dem Namen Regi, der am Vorbau montiert wird und Taschen im Lenkerkorb und auch Hosen trocken halten soll. Bei Rückenwind hat man ein Segel, bei Seitenwind Probleme und nass wird man immer noch.

Ähnlich schräg, aber unheimlich schön sind die Bonanzaräder des Christoph Dieckmann aus Köln (Tel. 0171 / 26 21 761). Dieckmann hat weltweit alte Teile zusammengetragen, die seit 25 Jahren nicht mehr hergestellt werden, und zu Originalrädern zusammengeschraubt. "Die Bonanzaräder gibt es noch und nicht wieder" sagt der Kölner, der derzeit noch ein nicht öffentliches Museum für Bonanzaräder betreibt. Der Preis für die raren Stücke liegt bei 1000 Mark.

Ziemlich rar machte sich ein Berliner Aussteller, der im Neuigkeitenkatalog noch mit einem Airbicycle warb. Eigentlich stand das Luftbike auf unserer Liste an oberster Stelle, doch anscheinend hat sich die Idee und damit auch die Tegeler Firma "Design Line Engineering" in Luft aufgelöst, denn auch die Telekom hat die Verbindung nach Tegel gekappt. Angekündigt war folgendes: "Am Airbicycle können jederzeit beim Fahrern alle Druckluftfederdämpfer auf einfach Art und Weise über den Fahrer durch eine Drehbewegung an nur einem Einstellventil über ihre Luftfeder- und Dämpfungseigenschaften unter Berücksichtigung des Körpergewichts, Gepäcks und der Reifengröße an die wechselnden Straßenunebenheiten beliebig ohne anzuhalten optimal angepasst werden".

Viel zu sehen gab es wie jedes Jahr auf Sonderausstellung über Elektroräder. Besonders gefallen haben uns dieses Jahr die E-Bikes "Flyer" der Schweizer Firma BKTech. Teilweise mit Scheibenbremsen und Vollfederung ausgestattet, kosten die Bikes zwischen 3400 und 6200 Schweizer Franken.

Viele interessante Neuigkeiten gab es beim Zubehör. Die Schweizer Firma DT Swiss bot erstmalig ein System an (Prolock), das angeblich beim Laufrad die Verbindung zwischen Speiche und Nippel "nachhaltig und konstant sichert". Im Klartext: Es soll keine Unwuchten mehr geben.

Die Firma Messingschlager warb für einen neuen Flaschenhalter, bei dem die Trinkflasche von der Seite eingesteckt wird. Der Halter ist deshalb besonders für die neuen Rahmenformen gedacht, wo oft nicht genügend Platz für einen herkömmlichen Halter ist. Ebenfalls bei Messingschlager sahen wir den Scheinwerfer "Blue Vision Halogen" mit dem wir Radfahrer endlich auch wie die Mercedes und BMW-Fahrer mit einer Xenon-Lampe blenden können.

Eine weitere sinnvolle Internetnutzung für den Fahrradfahrer bietet die Fahrradfindmaschine unter der Adresse "find-dein-bike". Dort kann man sein Bike mit Rahmennummer und Foto registrieren lassen, was die europaweite Suche nach dem guten Stück erleichtern soll. Für gefundene Räder wird es einen Finderlohn geben.

Ebenfalls auf den Computer setzt man bei der Einkaufsgemeinschaft Bico plus. Andreas Schuwirth und Derk Bossel haben eine Vermessungswand und ein Computerprogramm entwickelt, mit denen der Kunde im Fahrradladen besser beraten werden soll. Es werden mit einem Laserpointer fünf markante Punkte des Kunden gemessen und dann nach einem Fragekatalog das passende Rad aus 10 000 bei Bico verfügbaren Modellen ausgesucht. Viele Händler auch ein Großteil der Hersteller zeigte sich an dem neuen System interessiert.

1. Messebericht von IFMA 2000

Starke Namen sind gefragt. Namen, die jedes Kind bereits kennt. So wie Nivea oder Tempo. Nur: Wirklich weltbekannte Marken findet man in der Fahrradbranche nicht. Diese Lücke versucht man nun zumindest in Deutschland dadurch zu schließen, dass Promis ihren guten Namen auf ein Fahrrad kleben lassen.

EquinoxDies ist einer der auffälligsten Trends auf dem Internationalen Fahrrad-Markt (IFMA), der bis Anfang der Woche in Köln stattfand. Michael Schumacher stand für ein knallrotes Mountainbike Pate, das es eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte, einen weltbekannten Namen zu tragen. Es wäre sicherlich auch ohne "Schumi" und auch in Silber beachtet worden, schließlich hat das "High Tech Bike im Michael Schumacher Design" der Firma Staiger viel Neues zu bieten. Natürlich hat der Formel-1-Fahrer das rote Mountainbike nicht selbst entwickelt, der Name wurde in Lizenz erworben, wie man freimütig bei Staiger eingesteht. Doch musste sich, so die Vorgabe der Agentur des Rennfahrers, das Schumi-Bike deutlich in Aussehen und Konzept von den vielen anderen Bergboliden unterscheiden. Deshalb hängt das Vorderrad auch an einer Einarmschwinge, von einer Gabel kann man in diesem Zusammenhang nicht mehr sprechen. Vom Motorrad abgeschaut hat man sich den Anti-Dive-Effekt. Dadurch taucht die Einarmschwinge nicht mehr beim Bremsen ein, der volle Federweg soll erhalten bleiben. Ebenfalls auffällig ist die auf einem Speichenstern montierte Alu-Felge und die Kombination aus Aluminium und Chrom-Molybdän-Stahl beim Rahmenbau. Angesichts der neuen Technik am Rad und den großen Namen, mit dem man durch die Gegend radeln darf, ist der Preis von 3999 Mark fast schon preiswert. Das Radkonzept stammt von der kleinen und noch sehr jungen sächsischen Bikeschmiede "Protos". Schumacher soll im Übrigen ein begeisterter Mountainbiker sein, leider war er am Stand von Staiger nur als Foto zu sehen. Der hatte nämlich einen Termin bei Ferrari auf der Fahrradmesse EICMA in Mailand, die dort ihr erstes Rennrad vorstellten.

Übrigens gab es bereits vor Jahren ein Schumi-Bike. Allerdings machte der Rennfahrer dem Supererfolg damals einen Strich durch die Rechnung, weil er just in diesem Jahr nicht Weltmeister wurde. Bei der Fahrradeinkaufsgemeinschaft ZEG ist man deshalb ein wenig vorsichtiger und setzt lieber auf kleine Räder oder besser Rollen.

In die Fahrradläden kommt ein roter Mini-Tretroller in Schumachers Namen. Die Kickboards waren ja der Trend in diesem Sommer, und so möchte man wohl noch schnell aufs Brett springen. Auf der Messe war so mancher Kickboardhersteller im Gegensatz zu vielen verwaisten Fahrradständen von Menschentrauben umgeben. Wie lange der Trend noch anhält, bleibt abzuwarten. Die Fahrradhändler hoffen auf ein gutes Weihnachtsgeschäft mit den Brettern auf zwei oder drei Rollen.

Der Name eines anderen prominenten Rennfahrers fand man an gleich auf einer ganzen Bike-Kollektion. Jan Ullrich heißen nun gleich drei Rennräder und zwei Mountainbikes, die zwischen 999 und 4258 Mark kosten sollen.

Dass es auch ohne viel Wirbel durch Promis geht, beweist ein holländischer Hersteller. Das "Amazone" ist eher unauffällig. Nicht besonders schön aber mit ungemein praktischen Details ausgestattet.

In Holland ist das Amazone in kurzer Zeit zum Verkaufsschlager avanciert. Der Grund: Mit dem "Amazone" können ein Erwachsener und zwei Kinder, zusätzlich auch noch ein Buggy und Gepäck transportiert werden. In Deutschland soll es 1199 Mark kosten.

Der Komfortgedanke ist natürlich nicht mehr aus der Fahrradbranche wegzudenken. Die große Mehrheit der auf der IFMA ausgestellten Bikes verfügte mindestens über eine gefederte Gabel. Bequeme Sättel besitzen heutzutage Geleinlagen oder Luftpolster, oder auch Aussparungen für die besonders belasteten Stellen.

Doch kein noch so weicher Sattel kann eine Federung ersetzen. Das hat sich auch bei den Cityradkunden herumgesprochen, so das vollgefederte Rad schon längst nicht mehr ein Nischenprodukt der Mountainbikeszene ist. Nur hält nicht jede Feder, was sie verspricht. Den Unterschied merkt man oft erst, wenn´s schon zu spät sein kann. Die Rückrufaktionen zahlreicher Fahrradhersteller der vergangenen Monate haben nur zu deutlich gezeigt, wie viel schrottreife Räder über Deutschlands Straßen rollen. Von diesen an Kinderkrankheiten leidenden Konkurrenten (die überhastet vollgefederte Alltagsräder auf den Markt warfen) möchte sich die Darmstädter Firma Riese und Müller unterscheiden und verspricht sich deshalb sehr viel von einem Zertifikat der Aktion Gesunder Rücken (AGR). AGR wird vom "Forum Gesunder Rücken - besser leben" und vom "Bundesverband der deutschen Rückenschulen" getragen. Als erste Räder wurden gleich drei Velos von Riese und Müller ausgezeichnet: Culture, Avenue und der City-Cruiser Equinox, welcher jetzt endlich auch erhältlich ist.

Insgesamt war die Messe dieses Jahr sehr überschaubar, die Ausstellungsfläche ist auf fünf Hallen zusammengeschrumpft. Die Konkurrenzsituation zu der 14 Tage früher statt gefundenen Eurobike in Friedrichshafen wurde dieses Jahr sehr deutlich. In dem Streit um die größte Fahrradmesse der Welt gibt es mindestens einen Verlierer: den Fahrradkunden. Für den heißt es mittlerweile auf allen deutschen Fahrradmessen: Bitte draußen bleiben! Anders im Ausland: Die zeitgleich in Mailand ausgerichtete Fahrradmesse EICMA warb mittlerweile selbst in deutschen Zeitschriften für ihre Publikumstage und "Schumi" soll ja auch anwesend gewesen sein.



Messebericht von der Eurobike 2000

Mehr als 50 Weltpremieren waren auf der diesjährigen Fahrradmesse Eurobike in Friedrichshafen für die Presse angekündigt gewesen, doch so richtig aufregend Neues sah man in den Messehallen nicht. Im Gegenteil. Rund ein Dutzend der Produkte, die man Journalisten vergangenes Wochenende als brandneu verkaufen wollte, entpuppten sich bei näherer Betrachtung als "olle Kamellen". Wurden sie doch bereits auf den Messen des vergangenen Jahres präsentiert.

Zum zweiten Mal war die Fahrradausstellung nur für Fachbesucher geöffnet. Es scheint, als sei das dem Innovationsschub der Branche nicht gut bekommen. Dabei sollte eine Messe auch ein Ort des Experiments sein. Natürlich gab es Neuigkeiten auf der Messe, doch unterm Strich war das Angebot schon seit Jahren nicht mehr so uninteressant gewesen. Eine Messe lebt schließlich auch von den ausgestellten Prototypen, von jenem Mut mancher Hersteller, sich mit einer – bei längerem Nachdenken – vielleicht abwegigen Idee auch den Spott der Konkurrenz zu spüren.

Viel Resonanz, absolut sehenswert, aber nicht nur Beifall fand beispielsweise ein Gesundheitsfahrrad der Firma Epple (Tel. 08331 / 751 –0). Letztes Jahr waren die "Easy Boarding Bikes" groß im Kommen gewesen. Die Räder zeichnen sich durch einen tiefen Durchstieg für stressfreies Auf- und Absteigen aus. Das " Epple Millenium" ist die konsequente Weiterführung des Trends. Es gibt bei diesem Fahrrad nämlich gar keinen Durchstieg mehr, sondern einen Rahmen, der sich um den Fahrer windet. Kombiniert wurde die neue, massive Rahmenform mit einer Vollfederung und einer hydraulisch arbeitenden Sattelstütze, die durch leichtes Absenken zusätzlich das Aufsitzen erleichtert. Besonders an ältere und gehbehinderte Menschen richtet sich das neue Konzept. Ein Nachteil ist das spürbar hohe Gewicht und die ungewohnte Gewichtsverlagerung durch den seitlich im Bogen verlaufenden Rahmen. Im Handel soll das Rad 2399 Mark kosten. (mehrere Fotos, ein Muss, Buchstabe A)

Natürlich war dies nicht das einzige neue Fahrrad auf der Messe. Doch das einzige, was wenigstens zum Teil Messegespräch war. Viele Hersteller werden dagegen in die kommenden Saison mit leicht überarbeiteten Modellen gehen.

Dabei zeigt sich auch, dass nach den vielen Rückrufaktionen in diesem Jahr offensichtlich nicht mehr "auf Teufel komm raus" am Rad abgespeckt wird, um das Rad übers geringere Gewicht zu verkaufen. Vielmehr rückt allmählich der Komfortgedanke stärker in den Blickpunkt. Fahrräder mit Federungen sind der Renner, die Frage der richtigen Sitzposition wird immer wichtiger.

Das wartungsfreie Fahrrad haben wir auch dieses Jahr noch nicht entdeckt, aber immerhin einen vielversprechenden Ansatz bei einem dänischen Hersteller gesehen, der sich mit dem kardanangetriebenen Trekkingrad "Copenhagen" erstmalig nach Deutschland traute. Das Rad selber ist gar nicht so neu, verrieten uns die Inhaber der Firma Biomega, Jens Martin Skibsted und Elias Grove Nielsen. In Dänemark sei man mit dem Copenhagen bereits seit zwei Jahren auf dem Markt (für 1000 Euro). Nun also die Deutschlandpremiere. Das Copenhagen wird in Tritium lackiert, einer in der Nacht fluoreszierenden Farbe, die zusätzliche Sicherheit geben soll. Biomega hat insgesamt nur drei verschiedene Modelle im Programm. So standen folgerichtig auch nur drei Bikes auf einem vergleichsweise großen Messestand. Biomegas Bikes findet man sowieso bisher eher in Museen und Designshops, denn die Rahmen für die Modelle Extravaganza (kostet 5500 Euro) und Bonanza wurden vom Designer Marc Newson entwickelt. Newsons Bike-Kreationen kann man im Neuen Museum in Nürnberg, im Centre Pompidou in Paris und im Londoner Design Museum bewundern. Die Premiere der Firma Biomega in Deutschland (Tel. 0045 39 40 49 19) wirft noch ein anderes Licht auf die Branche. Denn derzeit kommen Innovationen fast nur noch von außen.

Es sind schon lange nicht die etablierten Firmen, die mit neuen Ideen überraschen, sondern Branchenfremde, die offensichtlich noch Spaß an der Umsetzung neuer Konzepte haben.

Skibsted und Nielsen von Biomega zum Beispiel hatten bisher mit der Branche wenig zu tun. Sie haben Philosophie studiert und nach dem Studium angefangen, Fahrradrahmen zu zeichnen.

Ein ebenfalls Branchenfremder bringt uns den ersten biomechanischen Fahrradschuh. Der Sportmediziner Andy Pruitt vom Boulder Centrum für Sportmedizin hat ihn entwickelt. Beim dem neuen Modell wurde sowohl die Sohle als auch das Fußbett speziell der Körperhaltung auf dem Fahrrad angepasst. Pruitt sagt: "Der menschliche Fuß ist für eine Abrollbewegung gebaut, nicht für den Druck nach unten auf ein Pedal.". Bei herkömmlichen Schuhen würden deshalb Blutbahnen und Nerven eingeklemmt, zudem seien bisherige Bikeschuhe nicht in der Lage gewesen, während der Tretbewegung das Kniegelenk in einer geraden und damit gesunden Richtung zu halten. Das soll mit dem neuen Schuh nicht der Fall sein, behauptet der Chef-Mediziner der US-Rad-Nationalmannschaft. Ab dem kommenden Jahr werden die Schuhe auch bei uns im Handel sein. Das Prinzip wird in den Modell-Linien Pro und Comp der amerikanischen Firma "Specialized"(Tel. 0031 314 67 66 00) verwendet (Preis ab 200 Mark).

Einen interessanten Lenker präsentierte der Komponentenhersteller Sram auf seinem Stand. Es ist kein herkömmlicher Lenker, sonder eher ein Bike Cockpit, Smart Bar genannt. Der Smart Bar ist nicht nur leicht verstellbar, sondern integriert auf harmonische Weise zwei Rückspiegel ein Tachometer, die Ganganzeigen und die Lichtanlage in die Lenkhilfe. Einige Hersteller haben bereits angekündigt, den Lenker serienmäßig einzubauen. Großer Vorteil der neuen Konstruktion: Sie sieht nicht nur schick aus, sondern ist auch weniger diebstahlanfällig.

Bleiben wir noch beim Lenker. Lange mussten wir auch warten, bis mal ein Hersteller auf die Idee kam, einen Lenkertaschenadapter zu konstruieren, der abschließbar ist. Der bekannte Klickfix-Adapter der Firma Rixen & Kaul wurde um diese Funktion erweitert. Ein Metallschloss verhindert so das unbefugten Entfernen von Fahrradkorb oder Lenkertasche.

Mehr Sicherheit verspricht die Firma Abus. Erstmalig bei einem Fahrradschloß wird ein Schließzylinder mit einer Sicherheits-Code Karte eingesetzt.

Insgesamt hat sich aber die weite Reise von Berlin nach Friedrichshafen nicht gelohnt. Aber vielleicht war es ja nur die Ruhe vor dem stürmische Feuerwerk an Innovationen. Schließlich findet in 14 Tagen die nächste Fahrradmesse (IFMA) statt und einige Hersteller (wie auch Primus Shimano) sind dieses Jahr erst gar nicht nach Friedrichshafen gekommen.

Wer sich bereits auf die IFMA in Köln gefreut hat, sei gewarnt: Die IFMA kopiert das Konzept der Eurobike und schließt erstmalig dieses Jahr das gemeine Publikum völlig aus. Vom 15. bis zum 18. September sind in Köln nur Fachbesucher willkommen.



Packnology: Universelles Packtaschensystem

Fahrradtaschen benutzt man im allgemeinen vor allem, wenn man auf Tour geht. Zwar ist ihr Einsatzbereich durchaus vielfältiger. Jedoch stört so manches Design nicht nur aufgrund der Optik, sondern auch im Schnitt die Benutzung im Alltag, wenn sperrige Güter transportiert werden sollen.

Ein neues Konzept verfolgt die Berliner Firma Wechsel mit dem Packnology-System. Sie trennten die Tasche von der Aufhängevorrichtung. So ist die Grundplatte, auf der sonst die Haken und die Tasche aufgenietet werden, einzeln verwendbar. Die Tasche, oder besser der Sack, wird dann in ein Gurtsystem eingehängt, welches mit der Grundplatte stets verbunden bleibt.

Bleiben wir zunächst noch bei der Grundplatte. Sie besteht aus Polypropylen, ist äußerst verwindungssteif und wird fest ans Fahrrad geschraubt. Ein Federhaken kann arretiert werden und verhindert sicher das Abspringen des Taschensystems bei holpriger Wegstrecke. Einmal am Träger befestigt, lässt sich die Grundplatte nur wieder mit Werkzeug entfernen. So besteht auch ein leichter Diebstahlschutz.

Durch die Bänder und Steckschnallen können am Fahrrad auch Güter transportiert werden, für die man sonst viel Bastelarbeit leisten müsste. Man ist flexibler, natürlich auch während einer Radtour.

Hat man sich beim Einkauf mit den Transportmöglichkeiten verschätzt, wird aus der Tasche ein Rucksack und die Tüte aus dem Supermarkt wird einfach in die Riemen gezurrt.

Wir haben durchweg gute Erfahrungen mit dem neuen System gemacht, wenn uns auch das Packvolumen für eine mehrwöchige Radtour nicht ausreichen würde und man auch nicht so schnell an den Inhalt herankommt, ohne dass wieder alles von Neuem verzurrt werden muss. Auch ist Vorsicht geboten bei einer Fahrt ohne Tasche, die Gefahr, dass die Riemen ins Rad kommen, sollte nicht unterschätzt werden.

Die klaren Vorteile des Packnology-Systems liegen eindeutig in der Flexibilität, die besonders in der Stadt gefragt ist.

So braucht man beispielsweise auch nicht ständig einen Rucksack auf dem Rücken. Denn während der Fahrt wird dieser einfach eingeklemmt und erst beim Bummeln über die Schulter gehangen. Das lästige Rückenschwitzen kann somit auch vermieden werden.

Ausgeliefert wird "Packnology" neben der Grundplatte und dem Rollsack mit einer zusätzlichen Innentasche und einem Regenschutz. Selbstverständlich lässt in das Haltesystem auch ein wasserdichter Sack (beispielsweise von Ortlieb) einsetzen. Ein Set kostet 198 Mark, die Grundplatte alleine ist im Paar für 96 Mark zu bekommen. Wo man das System in Berlin bekommt erfährt man am besten durch einen Anruf bei der Wechsel GmbH (Tel. 030 / 390 340 10).

Schwimmende Velos in zehn Minuten

Irgendwann kennt man jeden Fahrradweg, jede Waldstraße, jede Steigung, jede Biegung, kurzum: es langweilt immer nur am Wannsee entlang zu radeln. Warum nicht einfach einmal zur Abwechslung eine Radtour auf dem Wannsee machen?

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Ein Wanderer auf dem richtigen Weg

In dieser Geschichte sollen zwei Wörter nicht vorkommen: Kult und Trend. Vielmehr soll im Mittelpunkt das Zeitlose, ja fast Vergessene stehen. Also vergessen wir für ein paar Augenblicke den Konkurrenzdruck in der Fahrradindustrie, in der immer schnellere Modellwechsel notwendig werden und eher geprotzt als präsentiert wird.

Hier geht es also nicht um jede Menge Gänge oder um Gewichtsreduzierungen und bis zur Velo-Bulimie (Abspecken bis das Bike bricht). Es geht vielmehr um ein Fahrrad, welches es bereits gab, als Autos noch zu den Raritäten gehörten: das Wanderer.

Die Geschichte beginnt 1885 in Chemnitz. Damals gründete ein Fahrrad-Enthusiast und ein Mechaniker das Unternehmen Wanderer. Sie bauten nicht nur Fahrräder, sondern entwickelten auch Fahrradteile (beispielsweise die erste Zweigang-Nabenschaltung), aber auch Schreibmaschinen, Motorräder und Automobile (wobei diese Produktion später in der Auto-Union aufging).

Bis Ende der 50er-Jahre wurden Velos unter der Marke Wanderer verkauft, zuletzt von München aus. Das Chemnitzer Werk stand nach dem Krieg auf der falschen Seite des Eisernen Vorhangs und urplötzlich sowieso in Karl-Marx-Stadt und wurde deshalb zum Volkseigenen Betrieb.

Sämtliche Räder mit dem großen flügelhaften "W" als Logo am Steuerkopf sind dann irgendwann aus dem Angebot verschwunden. Bis zur Wiederbelebung hat es sehr lange gedauert. Erst vor zwei Jahren wurde die Marke wieder aufgegriffen. Initiator war die Firma Manufactum. Das Waltroper Versandunternehmen handelt mit "klassischen langlebigen Gebrauchsgütern des täglichen Bedarfs". Im Katalog findet man deshalb vom schwarzen Telefon mit der guten alten Drehscheibe bis hin zum runden Elektroschalter aus weißem Porzellan (mit der Flügelschraube zum Drehen) ziemlich viel von dem, was in den vergangenen 50 Jahren aus dem Sortiment der Kaufhäuser gepurzelt ist.

In diese Philosophie reiht sich harmonisch auch das Wanderer-Fahrrad ein. Es ist keine Neuauflage oder ein aufgewärmter Oldie "Made in India", sondern ein neues, modernes Produkt im Kleid des Klassischen. Sehr viele der verbauten Teile sind Sonderanfertigungen. Viel Liebe steckt beispielsweise in der Chrom-Molybdän-Stahlgabel mit einem klassischen Gabelkopf aus Feinguss, selbstverständlich (hand)gelötet und dreifach pulverbeschichtet. Auch der Rahmen ist vollständig gemufft und gelötet. Gemuffte Rahmen gelten allgemein also stabiler und langlebiger. Natürlich sitzt auch der Frontscheinwerfer nicht in einem Plastikrahmen, sondern in einem poliertem Edelstahlgehäuse. Und die Schutzbleche – keine Frage – sind aus Edelstahl und geben während der Fahrt dieses typische leichte Klappern von sich, wie wir es schon lange nicht mehr gehört haben, in der von Kunststoffteilen dominierten Welt.

Die neuen Wanderer wurden entwickelt vom Fahrradkonstrukteur Hans-Gerd Lanzerath. Die Modellpalette wird stetig erweitert, derzeit hat man die Wahl zwischen einem Reiserad mit Touren- oder Rennlenker (welches dann Randonneur heißt), einem "Tourer" (also einem Tourenrad), welches ebenfalls mit Rennlenker zu bekommen ist (heißt dann "Sporttourer").

Neueste Kreation und seit diesem Frühjahr zu bekommen, ist ein Stadtrad. Auch hier handelt es sich nicht um eine Neuauflage der alten Marke als "Classic Cycle" mit Imitaten von damals. Hinter der klaren Linie der Räder steckt Technik von heute. Nicht aufgemotzt präsentiert, sondern dezent versteckt. Der Kunde hat sich dies gewünscht, heißt es bei Manufactum, weil viele ja gerne ein Wanderer gekauft hätten, jedoch die Preise ab 2500 Mark (bis über 5000 Mark) so einige abschreckten, nur leider nicht die Diebe.

Das neue Stadtrad ist zugleich der preiswerteste Einstieg in die Wanderer-Klasse. Für 1700 Mark sitzt man dann auch aufrechter als auf den sportlicheren Varianten. Das Rad zeichnet ein sehr guten Geradeauslauf, eine gute Eigenfederung der Gabel und natürlich die bekannte Liebe zum Detail aus. So findet man das Wanderer-Logo nicht nur am Steuerkopf, sondern auch in der Struktur des Kettenblatts (von Stronglight) und am Brooks-Sattel wieder. Ansonsten wurden sehr viele gute Standardteile verbaut, die Qualität für einen akzeptablen Preis bieten: Shimano-Rollenbremse am Vorderrad, Sieben-Gang-Naben (Shimano-Inter-7) im Hinterrad, ebenfalls von Shimano stammen die Naben.

Die Rahmengeometrie des Stadtrades entspricht der des Tourers. Während man das Stadtrad nur mit Rücktritt bekommt, sind die Variationsmöglichkeiten beim Tourer erheblich größer. Drei Varianten, mit je 7, 14 und 21 Gängen werden angeboten. Gebremst wird mit Magura-Hydraulikbremsen (in Sonderanfertigung mit Stahlflexleitungen und Silberlackierung). Mit der Sram-Spectro-7-Gang-Nabe kostet das Rad dann 2500 Mark, mit der Spectro 3x7-Ausstattung 2600 Mark und mit der exzellenten Rohloff-14-Gang-Nabe stolze 3900 Mark.

Gebaut werden die Wanderer bei der Firma Recker in Meckenheim. Die Montage, bis hin zur Verpackung, übernimmt eine Person. Im Serviceheft des Rades kann der Kunde dann erkennen, wer sein Rad montiert hat. Der Service und die Wartung läuft über Vertragungshändler vor Ort. Dort kann man die Räder auch kaufen, wenn auch eine Bestellung über den Versandkatalog möglich ist. Jedoch werden sie sowieso nur über den Fachhandel ausgeliefert. Ein vormontiertes Rad, das per Spediteur vor die Haustür gestellt, kommt deshalb bei Manufactum nicht vor.

Einen guten Überblick über die vielfältige Auswahl, bis hin zu Sonderanfertigungen, bekommt natürlich beim Händler oder auch im Internet (www.wanderer-fahrraeder.de). Den Manufactum-Katalog kann man unter der Telefonnummer 02309 / 939-00 bestellen.

Wenn ein Pflege fehlt

Fahrradfahrer in Berlin, die sieht man nicht gleich, man hört sie erst. Nicht, weil sie sich wieder einmal auf dem Fußweg im Affentempo „von hinten" einem Passanten nähern und sich den Weg frei schreien. Nein, so etwas macht doch kein Radfahrer... Wir reden vom guten Ton, und zu dem gehört in der Hauptstadt ein Konzert der Glieder. Immerhin hat so eine Fahrradkette mehr Mitglieder als die Berliner Philharmoniker. Und die reiben kräftig aneinander (die Glieder - nicht die Musiker), und erzeugen einen Lärm, der selbst Katzen verjagen kann. Nach dem Krach zu urteilen, liegt bei vielen Fahrrädern die letzte Ölung wohl Jahre zurück. Dafür sorgt allerhand Schmutz für viel Widerstand und ein getrübtes Fahrvergnügen.

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Sattellift fürs Altenteil

Auf- und Absteigen bereitet vielen älteren Menschen Probleme. Sie können durch gesundheitliche Probleme das Gleichgewicht nicht mehr halten und werden unsicher. Aus Angst, im Verkehr mit dem Rad umzukippen, verzichten viele deshalb auf das Rad fahren. Oder sie radeln auf zu kleinen Velos, nur, um ständig Kontakt zum Boden zu haben.

SattelliftÄhnlich ergeht es Radfahrern mit Gelenkprobleme. Auch sie stellen den Sattel auf die tiefste Stufe. Dadurch fühlen sie sich sicherer, nur werden die Kniegelenke dann noch stärker belastet. Am besten radelt man, wenn das Knie bei der untersten Pedalstellung fast vollständig gestreckt ist. Natürlich hat man davon schon gehört. Doch das Problem, in der idealen Sitzposition nicht mehr mit den Füßen auf den Boden zu kommen, bleibt natürlich weiterhin bestehen. Diesen Teufelkreis haben auch drei Erfinder aus Sachsen erkannt und einen Sattellift entwickelt.

Bei dem von Wilfried und Elmar Hommel und Dietmar Hofmann entwickelten Sattellift handelt es sich um eine Sattelstütze, durch die sich der Sattel innerhalb eines Bereichs von 120 Millimeter stufenlos auf jede beliebige Höhe verstellen lässt. Und im Gegensatz zu Schnellspannerverschlüssen auch während der Fahrt.

Die Fernbedienung erfolgt über einen Hebel vom Lenker aus (ähnlich wie bei einer Gangschaltung). Das Prinzip funktioniert wie beim Bürodrehstuhl. Angehoben wird der Sattel per Gasdruckzylinder, eingeschoben wird er durchs Gewicht des Fahrers.

Der Sattellift wird in verschiedenen Rohrdurchmessern angeboten. Vertrieben wird die Stütze über den Fachhandel. Ein Versand über Hofmanns Firma ist auch möglich. Die Firma Hofmann Spezialmaschinen aus Grüngräbchen (in der Oberlausitz) hält auch ein sehr gutes Faltblatt bereit (Tel. 035797 – 63520 / Fax –63015).

Zwei Nachteile hat der Sattellift. Er ist nicht ganz billig (328 Mark) und die Konstruktion bringt ein paar zusätzliche Gramm aufs Fahrrad (genauer 1,6 Kilogramm). Doch beides werden viele Menschen im wahrsten Sinne des Wortes verschmerzen können, wenn sie doch überhaupt nur wieder bequem und sicher Fahrrad fahren können.

Der Sattellift, der übrigens auch einen leicht federnden Effekt besitzt (Federweg etwa 10 bis 15 Millimeter), lässt sich an vielen Fahrradtypen montieren, egal ob Herren- oder Damenmodelle. Eine gewisse Baufreiheit unter dem Sattel muss aber gewährleistet sein. Die Firma hat mehrere Variante zur Auswahl, die man sich am besten im Fachhandel anpassen lässt. Spezielle, ganz moderne Rahmengeometrien können Probleme bereiten, doch gehen wir einmal davon aus, dass die Zielgruppe des Produkts eher ein klassisches Fahrrad benutzt.

Ein ähnliches Konzept verfolgt die Firma Possat. Allerdings ist ihr Sattellift nicht nachrüstbar, sondern an einen speziellen Fahrradrahmen gebunden. Angeboten wird ein 26-Zoll-Cityrad mit einer Sieben-Gang-Nabenschaltung und Rollenbremse. Die Sattelstütze lässt sich bei dem Rad aus Siersburg (Tel. 06835-3256) hydraulisch verstellen. Wir sind eine Proberunde gefahren, als wir das Bike durch Zufall bei Fahrrad Berger entdeckten. Das Rad kostet 1499 Mark und ist durchaus eine Alternative zum Sattellift, jedenfalls dann, wenn man sowieso ein neues Rad braucht, und das Possat-Rad einem zusagt.

Beliebtes aus unserem Archiv: Erste Weltumradlung eines Deutschen

Heinrich HorstmannZwei Hemden, drei Paar Socken, eine Hand voll Ersatzteile fürs Fahrrad und eine große Flöte. Viel mehr nahm der erste deutsche Weltumradler nicht mit auf seine große Reise. Heinrich Horstmann startete 1895 von Dortmund aus, die Welt zu umradeln. 16 Kilo wog sein Fahrrad, das wenige Gepäck - insgesamt rund 15 Kilogramm - war in einer Rahmentasche und in einer kleinen Lederbox auf dem Hinterrad verstaut. Die Last auf seinen noch so jungen Schultern war groß. Der 21-Jährige Horstmann hatte (angeblich) gewettet, ohne einen Pfennig in der Tasche um die Welt zu radeln und mit 5000 Mark in Bar zurück ins Deutsche Reich zu kommen. Der Lohn der Strapazen sollten 20 000 Mark sein. So ganz ist nicht geklärt, ob es diese Wette wirklich gab, und ob er später das Geld bekam. Jedenfalls brauchte das Milchgesicht auch länger als die gewetteten zwei Jahre, nämlich 27 Monate.

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Berliner Designer entwickeln Fahrrad mit Brennstoffzelle

Wenn Norbert Haller eine Idee hat, holt er einen Stift heraus und zeichnet. Der Fantasie wird dabei freien Lauf gelassen, schließlich gibt es auf dem Papier keine Gesetze der Physik und schon gar keine garstigen Grenzen der Marktwirtschaft. Haller bildet zusammen mit Johannes Cremer das Design-Duo "Craftsmen". Die beiden Berliner können etwas, was offensichtlich im Zeitalter der neuen Medien vielen anderen abhanden gekommen ist: Sie können zeichnen.

Wasserstoffrad von CraftsmenDie Künstler sind deshalb seit dem Ende ihres Industrie-Design-Studiums an der Hochschule der Künste im Jahre 1997 viel beschäftigte Kreative. Bereits mit ihren Diplom-Arbeiten haben sie Aufsehen erregt. Darin verbanden die Studenten die Ästhetik der Zwanziger Jahre mit der Technik von heute und entwickelten einzigartige Elektrofahrräder. Das grüne "Sunbeam" war einer der optischen Höhepunkte auf den Fahrradmessen vor zwei Jahren. Leider ist das moderne Nostalgierad mit dem Alt-Berliner IA-Nummernschild auf dem vorderen Schutzblech bis heute nicht in Serie gegangen. Es gab Schwierigkeiten, sich mit einem Hersteller über die Konditionen und Lizenzbedingungen zu einigen.

Ihr neuester Entwurf ist ein futuristisches E-Bike mit Brennstoffzellenantrieb. Die Designer versuchten Technik und Natur zu vereinigen und die perfekte Geometrie der Biologie, entstanden durch Millionen von Jahren der Evolution, in eine Revolution des Fahrradbaus zu verwandeln. Aus Entwicklungsgeschichte wird so höchstwahrscheinlich Fahrradgeschichte. Die Struktur, der "Körper" des Fahrrades, erinnert an ein großes Insekt, die Gottesanbeterin. Ihre Gestalt setzten Haller und Cremer in einen Fahrradrahmen um, und nannten das Bike dann entsprechend "Mantis", wie die Gottesanbeterin im Englischen heißt.

Die Konstruktion hat mit einem normalen Fahrrad optisch nur noch sehr wenig gemein. Natürlich kann auch "Craftsmen" das Rad nicht neu erfinden. Die Materialien, die sie benutzen sind für jedermann erhältlich und das Velo hat zwei Räder. Der Unterschied liegt in der spielerischen Umsetzung und in dem Mut von Branchenfremden - also Menschen, die nicht aus dem Dunstkreis der Fahrradindustrie kommen - einfach Neues auszuprobieren. Die Designer möchten mit dem "Mantis" bewusst neue Impulse setzen. "Wir wollten ein neues Fahrzeug kreieren", sagt Haller, "und dazu gehört auch einfach ein neues Aussehen".

E-Bike von Craftsmen für HawkNatürlich ist das Fahrrad vollgefedert, doch das Geheimnis und der entscheidende Unterschied steckt in den zwei Tanks und im Aluminium-Rahmen. In Zukunft sollen die raketenartigen Behältnisse, die auch aus einem Science-Fiction-Film stammen könnten, Wasserstoffpatronen aufnehmen, während dann Brennstoffzellen im Rahmen platziert werden. Diese Art und den Ort des Antriebs haben sich die Geschäftsmänner gleich patentieren lassen. Es wäre das erste Mal, das ein Fahrrad mit Wasserstoff angetrieben werden würde. Noch befindet man sich allerdings im Versuchsstadium. Deshalb wird in der ersten Version des Mantis, in die Tanks die Batterie für den Elektroantrieb gesteckt. Später soll mit der Brennstoffzellentechnik auch die Reichweite mit einer "Batterieladung", oder nennen wir es besser Tankfüllung, um das Zwei- bis Dreifache steigen.

"Bei gleichem Gewicht", sagt Haller. Damit wäre dann auch das bisher größte Problem der Elektrofahrräder, die unzureichenden Reichweite mit einer Akkuladung befriedigend gelöst.

Eine Leistungselektronik soll den Schub regulieren, ein Ventilator die Brennstoffzellen kühlen. Und alles soll kinderleicht zu handhaben sein. "Jeder kann das Mantis zu Hause aufladen, wirbt Haller. Gedacht ist zudem auch an eine faltbare Variante, damit das Velo auch ins Auto passt.

Bequem sitzt man schon heute auf der langen ledernen Sattelschwinge, die schon in der Nähe des Vorbaus beginnt. Überzeugend ist das System der Anti-Dive-Gabel, das mal nicht von Craftsmen erfunden wurde, sondern von einer US-Schmiede stammt.

Die Markteinführung steht noch nicht fest, wie beim Sunbeam muss natürlich auch hier erst einmal ein Hersteller gefunden werden. Es ist allerdings zu befürchten, das die deutsche Fahrradindustrie – mit ihrer konservativen Einstellung und dem ausgeprägten Hang zu wenig Risikofreude - bei so viel Innovation erst einmal staunt und abwartet.

Cremer und Haller unterdessen sitzen natürlich nicht still. Wenn sie nicht gerade Prototypen fahren, entwickeln sie in ihrem Atelier und Büro in der Kurfürstenstraße hauptsächlich für Werbeagenturen Illustrationen und gestalten Produkte, wie beispielsweise einen Cyberhandschuh für eine Anzeige der Deutschen Bank.

Die Arbeit war ein Auftrag der Stadtwerke Hannover, die sich einen solargekühlten Fahrrad-Verkaufsstand wünschten. Die Technik des "Ice-Rider" stammt von Sepp Fiedler. Fiedler, Ingenieur und Inhaber des SolarCafé in Berlin, hat auch an der Entwicklung der Berliner Velotaxis maßgeblich mitgewirkt. Die Velotaxi-Technik stand Pate für die Neuentwicklung. Derzeit fährt der Icy-Rider über das Expo-Gelände. Das einklappbare Solardach schützt vor Sonne und Regen. Der Verkaufstresen mit der Kühltruhe lässt sich leicht zum Info-Counter umbauen. Es ist laut der Stadtwerke Hannover, der "weltweit erste Fahrradverkaufsstand, der seinen Kältebedarf von der Sonne zapft". Weitere Modelle sind bestellt.

Was man bei einem unverschuldeten Fahrradunfall beachten sollte

Man kann noch so aufmerksam radeln. Nicht immer ist ein Unfall vermeidbar. Wenn einem keine Schuld trifft, bleibt die Frage, wer für den Schaden aufkommt. Sehr gerne wird in solchen Fällen von den anderen Verkehrsteilnehmern (soweit sie einsichtig sind) angeboten, den Schaden außergerichtlich an Ort und Stelle zu klären und flugs die Brieftasche gezückt. Nach dem Motto: "So teuer kann der Schaden ja nicht sein". Das mag manchmal sogar ehrlich und aufrichtig gemeint sein, doch darauf sollte man sich nicht einlassen (und wenn einer einem 3000 Mark anbietet, obwohl das Rad augenscheinlich alt und verbraucht ist, hat der Schuldige vielleicht mehr als nur einen Unfall verbockt).

Im Zweifel ist es immer besser, die Polizei zu rufen, besonders, wenn sich nach dem ersten Schreck Schmerzen bemerkbar machen oder keine Zeugen greifbar sind.

Oft lassen sich Schäden auch für den Laien nicht so einfach feststellen. Wer vorschnell zu kooperativ ist, kann später auf seinen Kosten sitzen bleiben.

Rechtsanwalt Martin Karnetzki, beim Fahrradclub ADFC für Rechtsfragen zuständig, rät zudem zu einem Gedächtnisprotokoll, und zwar "so schnell wie möglich". Bei körperlichen Schäden sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Denn mögliche Spätschäden können dann auf den Unfall zurückverfolgt werden, erklärt Karnetzki.

Spontane Angaben zu den Schäden am eigenen Rad sollte man nicht abgeben. Wird ein Polizeiprotokoll angefertigt, sollten die offensichtlichen Schäden aufgelistet werden. Oft übersieht jedoch man auf den ersten Blick, nach dem ersten Schreck, wesentliche Details. Eine verbogene Gabel fällt einem vielleicht erst bei einem Vergleich mit einem ähnlichen Rad auf. Und eine Wucht im Rad macht sich eventuell erst bei Geschwindigkeiten über 20 km/h oder bei Touren mit Gepäck bemerkbar.

Den Schaden sollte auf alle Fälle man von einer Fachwerkstatt schätzen lassen. Man kann dabei darauf bestehen, dass beispielsweise eine Unwucht im Laufrad nicht mit viel Fingerspitzengefühl vom Mechaniker beseitigt wird, sondern ein neue Felge eingespeicht wird. Ist jedoch ein Totalschaden zu beklagen, so hilft zur Zeitwertermittlung eventuell die Schwacke-Liste für Fahrräder. Allerdings findet man dort vor allem hochwertige Räder, die auch einen gewissen Wiederverkaufswert haben. Bei kleineren, reparablen Schäden sollte ein Kostenvoranschlag angefertigt werden, den man mit seinen Ansprüchen bei der gegnerischen Versicherung einreicht.

Hat die Versicherung Zweifel an der Schadenshöhe, so wird ein – meist von der Versicherung bestimmter - Sachverständiger eingeschaltet. In einem konkreten Fall lief die Überprüfung dann wie folgt ab: Der Sachverständige ließ den Schaden von der Werkstatt zeigen und "begutachtete" die angezeigten Schäden nach dem Rat und der Aufstellung des Mechanikers des Fahrradgeschäfts. Offensichtlich scheint die fortschreitende Technik am Fahrrad auch so manchen Experten zu überfordern. Es kann deshalb nicht schaden, sich eine Werkstatt zu suchen, der man auch vertraut. Natürlich gibt es auch auf Fahrräder spezialisierte Gutachter. Eine Liste bekommt man beim ADFC (Tel. 030 / 448 47 24)

Automatisch einen Sachverständigen hinzu zu schalten, ist weniger ratsam. Wenn beispielsweise ein Schaden von 500 Mark entstanden ist, das Gutachten jedoch 1000 Mark kostet, wird so manche Versicherung sich weigern, den Gesamtbetrag zu begleichen. Die Verhältnismäßigkeit sollte also gewahrt beleiben.

Auch als Radfahrer hat man Anspruch auf Nutzungsausfallentschädigung. Einzige Einschränkung: Das Bike sollte dann nicht nur in der Freizeit und zum Spaß gefahren werden. Berechnet wird nach Tagen. Als Vergleich dienen dabei die Tarife von Mietfahrrädern.

Muss ein Anwalt hinzu gezogen werden, ist es von Vorteil eine Rechtschutzversicherung zu besitzen. Allerdings müssen natürlich die Anwaltskosten vom Unfallverursacher ersetzt werden. Bei vielen Autoclubs und natürlich auch beim einzigen Fahrradclub ist man automatisch rechtschutzversichert (beim ADFC allerdings mit einer Eigenbeteiligung von 100 Mark).

Auch einen Fahrradschutzbrief bietet der ADFC an. Für 21,70 (plus Steuer) im Jahr sind damit Taxikosten bei Panne, Unfall oder Diebstahl sowie Transportkosten zur nächsten Werkstatt bis zu 200 Mark inbegriffen. Auch werden die Kosten für ein Mietrad für eine Woche übernommen. Einziger Haken: Man muss bereits Mitglied sein (kostet 72 Mark im Jahr). Für Mitglieder gibt es auch eine Vollkaskoversicherung, beispielsweise für ein 1500 Mark-Rad 120 Mark (plus Steuer) im Jahr.

Versicherungen aller Art rund ums Rad bekommt man freilich auch bei vielen Maklern, Autoclubs und in Fahrradgeschäften.



Froböse: Unser Körper muss nicht geschont werden

Aufrechte Sitzposition beim Fahrrad ungesund / Federung ist gesund

Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule testet Fahrradprodukte im Hinblick auf ihre gesundheitliche Eignung. Der Mountainbiker und promovierte Sportwissenschaftler hat Messmethoden entwickelt, mit denen Radfahrer auf ihre körperliche Belastung beispielsweise auf der Transalp-Challenge, einem Radrennen über 620 Kilometer und 20 300 Höhenmetern untersuchen werden können. Über den Vorteil einer Federung am Fahrrad und die gesundheitlichen Auswirkungen des Radfahrens sprach Ulf Hoffmann mit dem Kölner Wissenschaftler.

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Probefahrt mit dem Culture Silver von Riese und Müller

Nur einmal angenommen, eine Mutter bekommt zunächst ein orange- und ein blaufarbenes Kind, und dann ein paar Jahre später ein weiteres mit silbriger Haut. Auch ein Farbenblinder wird Zweifel anmelden, ob sämtliche Sprösslinge vom selben Vater abstammen. Da hilft es dann auch nicht, dass die besorgte Mama den Kindern zusätzlich zum Familiennamen "Culture" die Rufnamen "Blue", "Orange" beziehungsweise "Silver" gab.

Das "Culture blue" von der Darmstädter Firma "Riese und Müller" war vor drei Jahren eines unserer Favoriten in der Kategorie "Bestes gefedertes Cityrad". Es war eine neue Kreation, mit frischen Ideen und einem klasse Fahrgestell, das man zudem gerne anschaute. Quasi ein Model unter den schlichten Modellen.

Heute hat sich die Situation geändert. Die Konkurrenz zog nach, hat so einiges kopiert und vieles Gute selbst entworfen. Die Unterschiede verwischen. Vollgefederte Stadträder sind keine Seltenheit mehr und manch ein Hersteller versucht bereits – mit natürlich deutlich spürbaren Abstrichen bei der Ausstattung - die Preisgrenze von 1000 Mark zu unterbieten.

Gewiss: In der Masse fällt auch weiterhin die Culture-Familie auf. Das neue Modell, in silberner Farbe pulverbeschichtet - hinterlässt einen sehr edlen Eindruck. Man sieht dem Rad den Preis von 2899 Mark durchaus an. Doch unter der glatten Haut entdeckten wir einige Pickel, die wir von den beiden älteren Brüdern "Blue" und "Orange" nicht kannten.

Das Problem fing schon nach den ersten Metern auf der Probefahrt an. Die Klingel klingelte nicht nur, sie klapperte auch. Gewiss, ist dies schnell abzustellen (neue Klingel für zwei Mark 50 montieren), doch müssen solche Kinderkrankheiten sein?.

Nun werde viele sagen: Wozu brauche ich eine Klingel- ab damit. Doch "Riese und Müller" wollten ein Cityrad bauen, mit dem man sorgenfrei und sicher durch die Stadt kommt, und dazu gehört schließlich eine Klingel.

Während es also den Klappertest nicht bestanden hat, hat uns das neue Lichtkonzept völlig überzeugt. Die Kombination aus Nabendynamo (von Shimano) und einer Lichtanlage, die sich bei Dämmerung automatisch einstellt, ist klasse. Das nennen wir einen wirklichen Fortschritt. Sobald man in eine Unterführung einfährt oder bei Dämmerung radelt, stellt sich das Licht automatisch ein. Eine kleine Diode, ins Vorderlicht integriert, sorgt für den Impuls, der dann auch ans Rücklicht weiter gesandt wird. Selbstverständlich kann man das Licht auch manuell anstellen. Ein Schieberegler befindet sich oberhalb des Scheinwerfergehäuses. Auf dem Lichtsektor ist der "Lumotec Oval senso plus" von Busch & Müller (kostet einzeln 60 Mark) die empfehlenswerte Neuerscheinung dieser Saison. Das beim Culture sowohl Rücklicht als auch Vorderradscheinwerfer mit Standlicht ausgestattet wurden, wird hier nur am Rande erwähnt, bei anderen Herstellern wäre dies bereits das Highlight des Berichts gewesen.

Allerdings ist der Ort des Scheinwerfers unglücklich gewählt. An den Vorbau geklemmt, sitzt dieser hinter den Brems- und Schaltzügen. So wird der satte Lichtstrahl gebrochen und auch ein leichter Schatten erscheint auf der Fahrbahn. Noch schlimmer kommt es, wenn Mann oder Frau einen Korb oberhalb des Vorderrades montiert. Die Ingenieure haben dafür (sehr lobenswert) eine Halterung bereits in den Rahmen integriert (wie auch hinterm Sattel für Kindersitze). Das gibt Pluspunkte, allerdings nur für den Einkauf bei Tageslicht.

Ansonsten hatten wir während der mehrwöchigen Probefahrt keine Probleme mit der Funktion. Breite Spiralkabel, doppelt ausgeführt und zum Großteil im Rahmen verlegt sind weniger anfällig für Brüche und Risse.

"Riese und Müller" nennen das Velo "Das No Problem-Rad". So weit würde wir uns nicht aus dem Fenster lehnen. Gewiss wird das Culture auch über die Garantiezeit hinaus Freude bereiten und nicht ständig in Werkstatt stehen. Das sorgenfreie Rad jedoch muss erst noch erfunden werden. Obwohl die Komponenten eigentlich fürs Festmenü alle vorhanden sind, wird bei den Zutaten immer noch gespart. Nicht, weil die Hersteller lieber mehr Geld verdienen wollen, sondern weil der Kunde einfach nicht bereit ist, über 3000 Mark für ein Fahrrad auszugeben.

Und auch bei den 2899 Mark, die das Culture Silber kostet, wird so mancher abwinken. Zumal das neue Culture sich weniger für Fahrten abseits der befestigten Wege eignet. Es neigt, höchstwahrscheinlich auf Grund des ins Vorderrad integrierten Nabendynamos und der damit verbundenen Gewichtsverlagerung hin zum Vorderrad, zum Untersteuern. Sandige Böden, enge Kurven oder ein Slalom im Kiefernwald, sind deshalb nicht das Terrain des silbernen Culture.

Bleiben wir also in der Stadt. Man sitzt aufrecht und gleitet über den heißen Asphalt. Die Federung, sowohl am Hinterbau, als auch am Vorderrad ist sehr komfortabel ausgefallen. Leider lässt sich die Federspannung beim Hinterbaudämpfer nur schwer von Hand einstellen. An der Vordergabel gelingt dies dagegen spielend. Ein wenig an den Knöpfen gedreht und aus 63 Millimeter Federweg werden deutlich weniger.

Die RST 281 TL -Gabel arbeitet hervorragend beim Einfedern. Sie hat allerdings ihre Probleme mit der Dämpfung. Der Rückschlag ist bei Sprüngen über Wurzeln oder Bordsteine deutlich zu spüren. So deutlich, dass wir an einen Fabrikationsfehler dachten, doch die Probe an einem baugleichen Modell im Fahrradladen brachte überraschenderweise wenig Verbesserung. In diesem Fall war die früher eingesetzte RST 280 besser, wenn sie auch über weniger Federweg verfügte und nicht einstellbar war.

Der Gepäckträger beim Culture ist wie immer in den Rahmen integriert. Die Ausführung ist dadurch sehr stabil. Im Zubehör (kostet 49 Mark extra) gibt es zudem einen Adapter, mit dem dann auch Satteltaschen angebracht werden können, die sonst nur wenig Halt finden. Allerdings passen nicht alle Hakensystem an den Träger, da dieser im hinteren Bereich sehr dick ausfällt und deshalb die Taschen – wenn überhaupt - nur mit ein wenig Fummelarbeit Platz finden.

Geschaltet wird übrigens mit Drehgriffschaltern (von Sram). Beim Bremsen helfen V-Bremsen von Avid. Die 21 Gänge sind verteilt auf sieben Gängen als Ketten- und drei weitere als Nabenschaltung . Durch die Kombination lässt sich leicht ein Schutzblech montieren, was Hosenbein und zum Teil auch Ketten vor Schmutz bewahrt.

Wir haben bisher viel gemeckert, so dass eigentlich ein nicht so gutes Urteil unterm Strich herauskommen müsste. Doch wenn die Kinderkrankheiten beseitigt werden, ist das "Silver" ist ein sehr gutes Stadtrad, das mit 16,8 Kilogramm noch – mit Blick auf den eingebauten Komfort – im akzeptablen Gewichtsbereich bleibt. Für sportliche City-Radfahrer empfehlen wir aber weiterhin das "Culture blue"(2399 Mark).

Und eines muss man auch betonen: Wir haben die Latte bewusst sehr hoch gehangen. Denn mit "Riese und Müller" ist das wie mit dem FC Bayern: Nur der erste Platz zählt. Die Topp-Position hat man sich in der Vergangenheit durch sehr gute Leistungen und innovative Ideen erarbeitet. Die Vizemeisterschaft wird deshalb nicht angestrebt. Der Fan erwartet schlicht die Meisterschale und nicht nur eine silberne Medaille.

Update:

Nicht jeder ist wirklich über die Jahre mit der Rad zufrieden. Es gibt wohl doch desöfteren Rahmenbrüche. Dies berichten Fahrradhändler, aber auch Fahrradtestleser wie Michael Joachim.

Seine Geschichte vom Rahmenbruch des Culture kann man hier nachlesen.

Kein Helmkauf ohne Kinder

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In etwa 80 Prozent der Unfälle mit radelnden Kindern wird der Kopf der jungen Biker in Mitleidenschaft gezogen. Das hat jedenfalls die Stiftung Warentest am Rande ihres aktuellen Tests von Fahrradhelmen für Kinder ermittelt (siehe Heft 5/2000). Trotz der alarmierenden Zahlen radeln immer noch sehr viele Knirpse ohne Kopfschutz. Dabei ist auch noch der schlechteste Deckel besser als gar keiner. Doch so schlecht sind die Produkte gar nicht. Beruhigend, dass die Warentester bei 18 untersuchten Helmen nur einmal das Urteil "mangelhaft" vergeben mussten. Der Grund für die Abwertung des MET Buddy war die unzureichende Stoßdämpfung.

16 Helme bekamen die Note "gut". Bemerkenswert: Dabei schnitten 40 Mark-Helme fast genauso gut ab, wie ein 100 Mark-Schutz. Für größere Kinder empfehlen die Tester die für je 60 Mark zu bekommenden Helme AGU Creation und Casco Follow Me. Für Kleinkinder raten die Experten zu dem Busch Joy (60 Mark) und dem zehn Mark teureren KED Harlekin. Doch selbst der mit 39 Mark vergleichsweise billige Grepper Doggy war den Warentester eine Empfehlung wert. So gesehen muss man beim Helmkauf (heutzutage) auf andere Eigenschaften achten: Lässt sich der Helm gut und leicht einstellen? Riemensysteme, leicht einstellbar, sind in diesem Fall besser als die etwas überholten Polster (Pads), die mit Klettband eingesetzt werden müssen. Weiter ist ein Testkriterium, ob der Helm ausreichend belüftet ist, damit der Nachwuchs ihn auch an heißen Tagen aufbehält. Ein Fliegengitter schützt zusätzlich vor lästigen Mitfahrern.

Natürlich sollte der Kopfschutz dem Kind auch gefallen. Deshalb gilt: Kein Helmkauf ohne das Kind. Der Helm muss sowohl Schläfen als auch Nacken bedecken, um sicher schützen zu können. Fahrradhelme eignen sich übrigens auch fürs Inline-Skaten (ausgenommen sind nur akrobatische Verrenkungen in der Half-Pipe). Hinweise in der Gebrauchsanweisung seitens der Hersteller, dass der Schutz nur fürs Radeln gedacht ist, haben vor allem wirtschaftliche, vielleicht noch gewährleistungstechnische, aber weniger sicherheitsrelevante Gründe. Einige Hersteller tauschen übrigens beschädigte Helme unentgeltlich oder gegen eine vergleichsweise geringe Gebühr aus. Sollte es zu einem Sturz gekommen sein, muss der Helm ersetzt werden (auch wenn keine äußerlichen Schäden zu erkennen sind). Einen Kopfschutz sollten die Kinder nicht nur tragen, wenn sie alleine Radeln. Auch im Kindersitz kann der Plastikdeckel Leben retten. Besonders gefährlich sind Stürze im Stand, wenn das Fahrrad mit dem Kind im Sitz umkippt. Für den Schlaf zwischendurch hilft ein Kissen der Firma Sandini (Tel. 070307-29673; www.sandini.de), welches den Kopf zur Seite stabilisiert.

Gesunde Produkte für gesunde Menschen

Die richtige Sitzposition und ein gefedertes Rad können helfen.

Sado-Maso auf dem Zweirad. Täglich. Hauptsache hart und ohne Komfort. Ungefedert, ungedämpft und offensichtlich ohne Verstand, geht es über Stock und Stein. Zur Abwechslung ein Bordstein oder ein Stück Kopfsteinpflaster. Die Hände vibrieren, die Wirbelsäule biegt sich, das Schambein drückt. Der Arzt schüttelt derweil mit dem Kopf.

Die Härte der Natur kann man nur spüren, wenn man ungefedert durch den Wald brettert, so die Meinung vieler Radler. Sehr lange hat die Industrie diese Ansicht auch noch unterstützt und uns – wie wir heute wissen - veraltete Technik verkauft. Viel zu lange hat es gedauert, bis die schon lange im Fahrzeugbau, beispielsweise beim Motorrad, eingesetzte Technik aufs Fahrrad übertragen wurde. Doch trotz des Fortschritts: Die Mehrheit der Radfahrer setzt sich noch immer bewusstbewußt unnötigen Schlägen aus. Der Markt, besonders außerhalb des Mountainbikebereichs muss erst noch erobert werden. Die Preise für vollgefederte Räder sind bereits kräftig gepurzelt, und eine Kampagne jagt die andere, um Gesundheit und Radfahren zu verbinden. Selbst der ADAC hat dies für seine Mitglieder entdeckt und auch die Deutsche Sporthochschule in Köln initiierte zusammen mit der Firma RockShox das Projekt Wellcom (steht für Wellness und Komfort). Gesunde Produkte für gesunde Menschen. Die Menschen sollen sich auf dem Rad wohl fühlen und Spaß am Sport haben, so in etwa das Credo. Natürlich will auch RockShox, Kennern als Hersteller von Federelementen ein Begriff, ein weiteres Verkaufsargument haben. Man hat sich deshalb entschlossen, den „größten gemeinsamen Nenner als Entwicklungsziel zu stecken: die Gesundheit“, sagt Dirk Belling von RockShox. „Gesundheit heißt Vorsorge“. Natürlich spielen auch Marketinggründe eine Rolle. „Gesunde“ Produkte lassen sich schlicht besser verkaufen. Ein entsprechendes Logo als Zertifikat soll es dann auch geben.

Aufklärung tut wirklich Not. Denn wenn die Wehwehchen auch noch am nächsten Morgen vorhanden sind, und die Rückenschmerzen sich ständig melden, sollte man nicht nur einen Arzt aufsuchen, sondern auch seinen Fahrradhändler nach einem Komfortrad fragen.

Dass Federung nicht gleich Federung ist, zeigen zahlreiche Untersuchungen. Und vollgefederte Fahrräder aus dem Bau- oder Supermarkt sollte sowieso lieber nicht kaufen. Mit diesen Rädern wird man eher geteert als abgefedert.

Eine Federung an einem gutem Bike vermindert über 20 Prozent der Stöße. Man fährt gesünder, spart Kraft und die Wirbelsäule, aber auch die Handgelenke werden weniger belastet.

Auch ein bequemer Sattel kann helfen. Allerdings mit Einschränkungen, denn auch ein breiter, gepolsterter Sattel setzt die Durchblutung des Penis um ein Viertel herab, wie der Bostoner Urologe Irwin Goldstein feststellte. Besser sind deshalb ergonomisch geformten Sattel, die den Damm, das ist der Bereich zwischen Penis und After, weniger belasten. 

Die Firma Specialized forscht in diesem Bereich und hat bereits erste Sättel vorgestellt (wie berichtet; Anmerkung für Red: Wenn die Sattelgeschichte vorher erschienen ist) Specialized entwickelte nicht nur neue Sattelformen, die die Taubheitsgefühle im Schambereich vermindern oder gar verhindern sollen, sondern auch Body-Geometry-Handschuhe, mit denen die Hände nicht einschlafen sollen.

Auch ein verstellbarer, kurzer Vorbau ist sehr hilfreich. Zudem setzt die Industrie zunehmend auf kürzere Geometrien beim Radbau. Dazu gehören ein längeres Steuerrohr, ein kürzeres Oberrohr und einfach mehr Federweg.

Die Industrie wacht so langsam auf. Bestes Zeichen: Erste spezielle Forschungsaufträge für die Sporthochschule in Köln. Die Firma „Derby Cycle“ finanziert sogar eine Doktorantenstelle. Ziel des Projekts ist unter anderem die optimale Sitzposition zu finden, aber auch die Bedürfnisse für Radfahrerinnen zu untersuchen.

Froböses Abteilung ist führend in der Welt. Der Professor für Prävention und Rehabilitation im Sport hat für Tests deshalb in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitssicherheit der Uni Bochum ein spezielles Messverfahren entwickelt. Erstmalig wurden auf der Transalp-Challenge vergangenen Sommer zwei Mountainbiker mit Sensoren ausgestattet, die die Erschütterungen maßen. Es war weltweit der erste Test, der nicht auf einer Rüttelmaschine im Labor stattfand, sondern unter Live-Bedingungen.

Der eine Fahrer musste nur mit einer Federgabel fahren (Fachleute nennen so ein Bike Hardtail), während der andere Tester ein vollgefedertes Mountainbike („Fully“) hatte. Bei der Fahrt zeigte sich, wie erwartet, dass ein „Fully“ einen Teil der Stöße aufnimmt. In der Summe musste der Fahrer auf dem vollgefederten Fahrrad 24 Prozent weniger Vibrationen ertragen. Überrascht hat die Wissenschaftler allerdings die Erkenntnis, dass die größten Unterschiede nicht bei Bergabfahrten auftraten, sondern bei den Anstiegen. Auf Schotterpisten lagen die Erschütterungen für den Körper um 32 Prozent unter den beim Hardtail.

Im Klartext heißt das man kann länger und entspannter Radfahren.

Und Freunden des Geschwindigkeitsrausches sei gesagt, dass man mit einem Fully schneller bergab kommt und dabei auch noch weniger Energie verbraucht. Der ungefederte Biker muss erheblich mehr Arbeit verrichten, um nicht aus der Bahn geworfen zu werden.     

 

Statt Viagra für den Radfahrer

 

Ein neuer Anti-Impotenz-Sattel soll Taubheitsgefühle und Fruchtbarkeitsprobleme verhindern

 

Erst war es nur ein taubes Gefühl zwischen den Beinen, später trat dann immer dieses Kribbeln auf, als wenn die Hand oder der Fuß eingeschlafen sind. Kann man vom Radfahren impotent werden? Potenzprobleme durchs Radfahren sind keine Seltenheit, wenn man der Werbung eines Sattelhersteller und den Schlagzeilen der Boulevardpresse glauben mag. Dem widerspricht Ingo Froböse, Professor für „Prävention und Rehabilitation im Sport“ von der Deutschen Sporthochschule in Köln: „Was Sie beschreiben sind Taubheitsprobleme, Empfindungsstörungen auf Grund mangelnder Durchblutung“. Wie bei der „eingeschlafenen“ Hand löse sich das sehr schnell wieder auf, beruhigt der ambitionierte Mountainbiker. Seit Jahrzehnten wird vor allem in den USA über eine mögliche Impotenz durchs Radfahren diskutiert.

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