Moderne Falter foltern nicht mehr

Es geht aufs Jahresende zu, das merken wir an der Flut von Auszeichnungen, die jedes Jahr zu dieser Zeit über uns hereinbrechen. Alle zwei Jahre prämiiert der Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) ein besonderes Fahrrad. Anläßlich der IFMA in Köln präsentierte der ADFC das Faltrad Brompton T5 als „Rad des Jahres 1997“.

Es ist nicht überraschend, daß es ein Faltrad mit diesem Titel geehrt wird, denn zum Wettbewerb waren nur klappbare Räder zugelassen. Mit der Wahl des Brompton wollte man bei ADFC „ein Zeichen für ein Fortbewegungsmittel setzen, das umweltfreundlich ist und Flexibilität bietet“.15 verschiedene Modelle gingen an den Start. Am Ende gab es einen klaren Sieger. Die zehnköpfige Jury aus Vertretern des ADFC, des Fachverbandes der Fahrrad- und Kraftradteileindustrie, Fahrradkonstrukteuren, Fachjournalisten und einer Alltagsradlerin war sich einig: „Am Brompton kommt noch keiner vorbei.“

Das Siegerrad überzeugte die Jury, „weil es sich im Alltag bewährt hat“. In der Begründung heißt es weiter: „Das Falten klappt auf Anhieb. Geringes Gewicht gekoppelt mit dem kleinsten Packmaß und sicherem Stand auf dem Gepäckträger sowie das für alle Zwecke umfangreiche Zubehör machen das „Brompton“ zum besten Gesamtangebot“.

Das in England gefertigte und in Deutschland von der Firma Voss vertriebene Brompton wird bereits seit sieben Jahren gebaut. Mit dem guten alten auch sehr schweren Klapprad, welches man in zwei Teile zerlegen konnte, hat das moderne klappbare Rad nur die Idee gemeinsam. Eingeklemmte Finger, sich während der Fahrt lösende Flügelschrauben und abgerissene Lichtkabel gehören bei den modernen Klappräder der Vergangenheit an. Und damit die neue Generation nicht mit den der Rädern aus den 70er Jahren verwechselt wird, nennt man sie dann halt Faltrad.

Nach Einschätzung des ADFC muß ein Faltrad folgende Kriterien erfüllen:

Es muß alltagstauglich sein, eine ausreichende Schaltung und  wartungsfreundliche Komponenten haben sowie variabel für verschiedene Körpergrößen sein. Sicheres Fahren sollte mit Komfort auf Strecken bis 25 Kilometern möglich sein. Das Falten muß schnell und einfach gehen. Es sollte ein kompaktes Faltmaß, das Paket leicht und standsicher sein.

Die Einsatzgebiete für Falträder sind vielfältig. Sei es der Weg zur Arbeit, die Fahrt zum Bäcker oder auch die Tour im Urlaub zum Strand. In der Großstadt sind die kleinen Räder ein nahezu idealer Wegbegleiter in Bussen und Bahnen. Denn im Gegensatz zum normalen Fahrrad fällt weder ihr Gewicht noch ihre Größe auf. So kann man sie auch während der lästigen Sperrzeiten für Fahrräder im Berufsverkehr mitsichführen.

Das Zusammenklappen dauert meist nicht länger als eine halbe Minute. Mit ein wenig Übung läßt sich das Brompton auch in der Hälfte der Zeit zusammenpacken. Der Jury gefiel am Brompton auch, daß der Gepäckträger im verpackten Zustand als Standfläche dient. In eine Tasche gesteckt, die es leider nur als Zubehör gibt, wird auch das Hosenbein des Nachbarn vor der schmierigen Kette verschont. Das Packmaß des Siegermodells beträgt 56 mal55 mal 25 Zentimeter. Bei 13 Kilo Gewicht kann man es auch schon mal ein paar Meter tragen, ohne Affenarme zu bekommen.

Bis man ein vollwertiges Fahrrad auch so ein kleines Packmaß zusammenklappen kann, mußten Ingenieure lange nachdenken. Daher sind die kleinen praktischen Begleiter auch nicht ganz billig. Das Brompton kostet beispielsweise mit einer 3-Gang-Schaltung 1339 Mark, komplett mit Beleuchtung und Gepäckträger. Alternativ kann man auch eine Fünf-Gang-Schaltung wählen, für die dann aber auch gleich 130 Mark mehr verlangt wird.

Hier sollen aber auch die Falträder der Firmen Bernds sowie Riese und Müller nicht unerwähnt bleiben. Letzere nennen ihr Faltrad Birdy. Das Birdy wird sowohl mit einer herkömmlichen Kettenschaltung als auch mit einem Keilriemenantrieb (Birdy green) angeboten. Das elf Kilogramm leichte Birdy ist als einziges Rad vollgefedert. Das Packmaß liegt bei 76 mal58 mal 28 Zentimeter. Je nach Antriebsart stehen bei dem in Taiwan gefertigten Rädern bis zu acht Gänge zur Verfügung (Birdy elox). Die Preise fangen bei 1790 Mark an (mit einer Shimano Alivio Ausstattung) und hören bei etwa 3000 Mark auf (Deore XT-Ausstattung).

Etwa billiger ist das Bernds der gleichnamigen Firma aus Detmold (1699 Mark), allerdings ohne eine lichtanlage, die man für 78 Mark extra erwerben muß. Beim Bernds ist nur das Hinterrad mit einem Elastomer gefedert (Vorderradfederung auf Anfrage). Auch läßt es sich nicht so klein wie das Birdy oder Brompton zusammenfalten (90x75x15 cm). Der 4-Gang-Antrieb ist durch einen Zahnriemen immer schmier- und wartungsfrei, also sauber.

Neu auf dem Markt ist ein faltbares Tandem für 4294 Mark, das ebenfalls von der Firma Voss angeboten wird. Das Montague FriFrame ist das einzige Falt-Tandem mit 26-Zoll-Rädern. Das Zusammenklappen ist beim 19 Kilogramm schweren Tandem nicht so einfach wie bei den kleinen Falträdern: Etwa drei bis fünf Minuten braucht man schon, um das Rad auf ein Packmaß von 88x74x30 cm zu bekommen.

Wer mehr über Falträder wissen möchte: Der ADFC hat einen Info-Clip herausgegeben, die in den Geschäftstellen oder beim Bundesverband in Bremen bestellt werden kann (Postfach 10 77 47, 28077 Bremen).