Kaufberatung: Worauf beim Elektroradkauf achten?

Zwölf Elektrofahrräder hat die Stiftung Warentest und der ADAC unter die Lupe genommen. Eine Reihe von Testinstituten waren am Test beteiligt. Das Ergebnis ist wenig schmeichelhaft, insbesondere für die Einkaufsgenossenschaft ZEG mit dem nach 2010 zweiten Rahmenbruch an einem Elektrorad. Damals mussten 11 000 Elektroräder zurückgerufen werden. Der Test der Stiftung Warentest vom August 2011 hat einige interessante Erkenntnisse gebracht. Worauf sollte man also  vor einem Kauf eines Elektrorades achten?

 

12 Fahrräder mit Motorunterstützung hat die Stiftung Warentest ausgewählt. Sie selber sprach vor Pressevertretern mutig von einer repräsentativen Auswahl und beruft sich auch eine Onlineumfrage, an der vergangenes Jahr rund 1000 test.de-Nutzer teil genommen haben. Von repräsentativ zu sprechen ist natürlich anspruchsvoll. Denn 12 Modelle können nicht repräsentativ sein, für einen Radtyp, bei dem der Überblick bereits heute schwer fällt, hat doch so gut wie jeder namhafte Hersteller ein Elektrorad im Angebot.

Und damit beginnen dann wohl auch die Probleme. Nicht jeder Hersteller scheint zu wissen, dass ein Elektrofahrrad anderen Belastung ausgesetzt ist. Es ist schwerer, hat einen anderen Schwerpunkt, fährt durchschnittlich schneller. Gute Bremsen sind also das mindeste. Das Ruhrwerk 28" E-Bike wurde deshalb auf "Mangelhaft" abgewertet. Ein hartes Urteil, denn eigentlich wiegt ein Rahmenbruch wie beim Pegasus E-Tour nach knapp 10.000 Kilometern schwerer. An den Bremsen kann der Hersteller natürlich schneller etwas ändern.

Ein gutes Elektrorad scheint immens schwierig zu sein. Die Kinderkrankheiten sind noch nicht ausgemerzt  und interessant wäre ja ein Test der vielen Billigmodelle der Discounter gewesen, die derzeit regelrecht den Markt überschwemmen.

Im Test viel einiges auf, wenn man auf die Schadensliste schaut:

Beim Testsieger Kreidler Vitality Elite (Gut 2,4) bracht der Gepäckträger und es gab einen Schaden am Hinterrad. , beim Flyer C8 Premium (Note 2,8) rutschte die Lenkerklemmung, beim KTM Macina Dual (Note 4,0) brach der Gepäckträger und das Ritzel, zudem war die Kette gerissen. Beim Pegasus (Note 5,0) war übrigens nicht nur der Rahmen gebrochen, sondern auch Dynamo, Hinterrad und Schutzbleche defekt. Zudem war der Frontscheinwerfer lose. Ein Problem, dass Radfahrer nur zu gut kennen und mit dem Problem hatten das Winora F2 (Note 2,6) wie auch das Prophete Alu Rex (Note 2,9) zu kämpfen. Die Mängel ebim Giant Twist Esprit Power sind dagegen vergleichsweise harmlos: Vorbau gelockert, Gabelrohr rutscht, die Reifen waren abgefahren und ein Gewinde war defekt. Schlußlicht in der Kategorie der 28-Zoll-Räder war das Ruhrwerk, die Mängelliste ist lang: Kettenblatt gebrochen, Kette gerissen, starkes Spiel im Tretlager und Sattelstütze, Elektronik beschädigt und Schutzblech lose.

Zwei Rahmenbrüche gab es wie gesagt zu beklagen, doch auch zwei Rahmenanrisse beim Kalkhoff und beim Prophete.

Die Akkulebensdauer haben die Tester leider nicht untersucht, jedoch die Ladezeit. Diese unterscheiden sich erheblich . Beim Testsieger Kreidler sowie beim KTM war der Akku bereits nach zwei Stunden und 15 min voll.  andere luden noch nach neun Stunden. Mehr im Kleingedruckten kann man aus dem Test lesen, dass der Bosch Akku (und auch seine Technik) anscheinend derzeit zu den besten Akkus auf dem Markt zählt. Bosch ist ja vergleichsweise sehr spät in den Elektroradmarkt eingestiegen, offensichtlich mit gutem Erfolg. 

Worauf sollten Sie achten?

-Wie lange lädt der Akku?

-Wie weit komme ich damit? Die Reichweite im Test lag zwischen 25 und 100 km.

-Ist die Akkuanzeige genau genug?

-Hat der Motor einen (unangenehmen) Nachlauf?

-Kann man den Akku vom Fahrrad entnehmen, um ihn separat zu laden?

-Verfügt das Rad über eine Anfahrhilfe (siehe Artikel über Versicherungsschutz)

-Hat das Rad einen Bordcomputer. ansonsten unbedingt einen Tacho montieren, um die Reichweite auch einschätzen zu können

Darüber hinaus hat der österreichische Automobilclub ÖAMTC, der am Test - wie auch der ADAC beteiligt war, noch einen Forderungskatalog für die Hersteller aufgestellt:

* Rahmen und Bremsen müssen an die hohen Anforderungen angepasst werden. "Es reicht nicht aus, einen Elektromotor auf gängige Fahrräder zu montieren", stellt der ÖAMTC-Experte klar.

* Die Steuerung muss so ausgelegt sein, dass der Elektroantrieb sofort unterbricht, wenn man aufhört zu treten. "Wenn der Motor nachläuft, ist das ein großes Sicherheitsrisiko", warnt Kerbl. Bei einigen Pedelecs im Test war dieses Verhalten sehr auffällig.

* Reichweiten, Ladedauer und Gewicht der Akkus müssen verbessert werden. "50 km Minimalreichweite sollten selbstverständlich sein. Die Ladedauer der Akkus sollte keinesfalls länger als 3,5 Stunden sein", nennt der ÖAMTC-Experte die Richtwerte.

* Das Gewicht der Räder muss reduziert werden, damit die Handhabung einfacher wird. "Das Gewicht der Pedelecs im Test reicht von rund 22 kg bis zu 30 kg", weiß Kerbl. "Da wird z. B. das Verstauen in einem Kellerabteil zur echten Herausforderung."

* Die Griffe müssen schadstofffrei produziert werden.

Konsumenten, die sich ein Pedelec zulegen wollen, rät der ÖAMTC-Experte abschließend: "Gut überlegen, für welche Zwecke man das Pedelec nutzen möchte, beraten lassen, vergleichen und unbedingt Probe fahren." Und natürlich gilt auch für Pedelecfahrer der ÖAMTC-Rat: "Niemals ohne Helm".

Den ausführlichen Test findest im Testheft 8/2011 sowie auch online abrufbar unter www.test.de.