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Ist die Nabe dick, bleiben die Waden dünn

Woran man einen Mountainbike-Fahrer erkenne, fragte Harald Schmidt jüngst. „Daran, daß er permanent nach unten schaut, um zu sehen, in welchem der 73 Gänge er sich gerade befindet.“ Noch sind es bei den meisten Rädern zwar nur 21, doch auch die sind einigen anscheinend schon zuviel. Anders läßt es sich nicht erklären, daß sie gar nicht mehr schalten und beim Anfahren an der Ampel nicht aus dem Sattel kommen. Nervig ist dies vor allem dann, wenn sie sich zuvor auch noch im GTI-Stil bis zur Haltelinie durchgequetscht und vorgedrängelt haben.

Um diesen und anderen Menschen mit Anfahrproblemen zu helfen, hat deshalb die Firma Sachs ein Elo-Bike entwickelt, mit dem es möglich ist, auch im 21.Gang locker loszufahren. Das Geheimnis dieses Fahrzeugs: Die Hälfte der notwendigen Kraft stammt von einem Elektromotor, der sich in der Hinterradnabe befindet. Auf den ersten Blick eine geniale Idee. Zwar hatte Sachs auch schon früher Elo-Bikes angeboten, doch sahen die doch immer eher wie ein Mofa aus. Das Elo-Bike ist ein reinrassiges Fahrrad. Und Helm, Führerschein oder Versicherung sind nicht erforderlich.

Ein Grund genug, mit einem der drei neuen Varianten eine Probefahrt zu machen: mit dem Elo-Bike Classic.

Der tief gezogenen Rahmen deutet darauf hin, daß die Zielgruppe beim Classic eher die ältere Kundschaft ist, die nicht mehr so gelenkig ist, um das Bein über den Sattel schwingen zu können. Solche Menschen haben sich auch noch Spaß am radeln, sie vielleicht nur nicht mehr so stark antreten. Und da macht sich so ein elektrischer Helfer gut: Bereits wenn man nur leicht auf eine der Pedale drückt, beginnt die Bewegung.

Beim Warten an der Ampel freilich empfiehlt es sich deshalb, immer die Bremsen zu ziehen (ähnlich wie beim Auto mit einem Automatikgetriebe). Oder man bleibt auf dem Sattel sitzen und berührt die Pedale erst wenn man wirklich losfahren möchte.

Der dreistufig arbeitende, einen Zahnriemen antreibende Motor leistet um so mehr, je stärker man in die Pedalen tritt. Maximal die Hälfte der notwendigen Kraft steuert der Elektromotor bei (bis zu 250 Watt), der nur leise zu hören ist. Das Geräusch gleicht eher einem Surren wie das eines Fahrraddynamos. Fährt man schneller als 20 km/h, schaltet sich der Elektromotor automatisch ab. Das Abschalten ist beim Radeln nicht zu merken.

Genial wäre natürlich, wenn das Elo-Bike einen Teil der Energie während einer schnellen Fahrt zum Laden des Akkus verwenden würde. Doch soweit ist man auch bei Sachs noch nicht. So muß man früher oder später mit dem Fahrrad an die Steckdose. Die maximale Reichweite liegt bei zirka 60 Kilometern, sie hängt natürlich sehr stark von der Fahrweise ab. Sollte die Energie für einen Tag nicht ausreichen, kann man mit dem Elo-Bike wie mit einem normalen Fahrrad weiterfahren.

Allerdings muß man dann schon ganz schön in die Pedalen treten, denn das Rad wiegt 31 Kilo. So lange man radelt fällt dieses Gewicht vielleicht noch nicht so sehr auf, jedoch spätestens wenn man das Elo-Bike in den Keller oder Flur tragen möchte, geht so manche Schweißperle verloren. Vor allem für ältere Menschen wird dies sehr schwierig sein. Wer nicht gerade durchs Kohlenschleppen Übung hat, der wird sich die Anschaffung zwei sehr guter Schlösser überlegen müssen. Glücklich ist jener, der das Zweirad in eine Garage stellen kann.

Die notwendige Energie des Elektromotors wird in einem Akku gespeichert. Die Nickel-Cadmium-Batterie hat 24 Volt und wiegt alleine 3,7 Kilo. Der Ladevorgang dauert je nach Batteriezustand bis zu zwei Stunden. Leider besitzen Nickel-Cadmium-Akkus den sogenannten Memoryeffekt, das heißt die Zellen können sich den Zustand „merken“, bei dem sie wieder aufgeladen wurden. Waren sie nicht ganz leer, so steht nach dem nächsten Ladevorgang nicht mehr die gesamte Energie zur Verfügung. Umgehen kann man dies in dem vor dem Laden sämtlicher Saft aus dem Akku gezogen wird. Diese Funktion hat das Ladegerät leider nicht.

Natürlich kann man auch den Speicher zu Hause aufladen, während man ohne Elektrounterstützung durch die Gegend radelt. Leider scheppert dann allerdings die Kabelzuführung vom Akku zum Motor Hin und Her. Ein kleiner Halter würde dieses Problem beseitigen. Der Akku versteckt sich übrigens unter dem Gepäckträger, der 20 Kilo tragen soll, an den sich  - aufgrund der besonderen Konstruktion - nur sehr schwer Körbe oder gar Satteltaschen anbringen lassen. Auch dort läßt sich noch einiges verbessern.

Ebenfalls überarbeitungswürdig erschien uns der Schnellspanner für den breiten Sattel, in dessen Sattelrohr sich die Luftpumpe versteckt. Soll er nicht gestohlen werden, muß man ihn immer mitnehmen. Was in Mountainbikerkreisen vielleicht noch „in“ sein mag, ist bei einem Kaffeekränzchen im Kranzler eher weniger angesagt.

Die Übersetzung des Elo-Bikes reicht auch für Fahrten abseits der asphaltierten Wege aus. Die 7-Gang-Kettenschaltung (14 bis 28 Ritzel) mit dem neuen von Sachs entwickelten Power-Glide-System arbeitete ohne Macken. Die 46 Zähne am vorderen Kettenblatt sind für ein City-Bike völlig ausreichend.

Speichenreflektoren fehlen an beiden Laufrädern, ein reflektierender Streifen an den Fahrradreifen übernimmt diese Funktion. Doch sollte man dann nie die Reifen gegen anderen austauschen. Nicht zu vergessen, daß Reifen sehr schnell schmutzig werden, und somit der Streifen nicht mehr zu sehen ist. Hier ist eindeutig an falscher Stelle gespart worden.

Das Classic verfügt über zwei Cantilever-Bremsen. Neuartig ist die Hinterradbremse: Trotz Cantilever läßt sich diese Bremse mit dem Rücktritt bedienen. Da sich viele vor allem ältere Menschen mit einer Rücktrittbremse sicherer fühlen, ist dies ein guter Einfall; beim City-Bike ist die Rücktrittbremse nachrüstbar (195 Mark plus Montage). Das Elo-Bike gibt es in der City-Version mit einem Sportrahmen (2199 Mark), dem Unisexmodell Classic (2599 Mark) und dem Tramper mit einem Trekkingrahmen und im Gegensatz zu dem City und Classic mit einer Sachs-Centera-21-Gangschaltung.

Sieht man zu hohen Gewicht ab, ist das Elo-Bike ein gut verarbeitetes Fahrrad mit einer innovativen Technik, mit dem es Spaß macht durch die Gegend zu radeln. Nur sollte man eben im Erdgeschoß wohnen

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