Kindertransporter-Interview mit Händler Zwei plus Zwei

Vor einigen Jahren waren sie noch Exoten im Straßenverkehr, heute gehören sie zum gewohnten Stadtbild: Kinderanhänger. Doch aus einfachen Anhängern wurden in einem behutsamen Entwicklungsprozess multifunktionelle Kindertransporter. Über diese Entwicklung sprach der pressedienst-fahrrad mit Andreas Gehlen – er war von Beginn an dabei. 1993 eröffnete er in Köln Deutschlands ersten Fahrradanhänger-Laden, Zwei plus zwei, und übernahm kurz darauf den Vertrieb von Chariot Kindertransportern für Europa. Heute ist Zwei plus zwei Europas führender Großhändler im Bereich „Kindermobilität und Fahrrad“.  Der Pressedienst Fahrrad hat mit ihm gesprochen:

Wie unterscheidet sich ein moderner Kindertransporter vom Kinderanhänger der 1990er Jahre?

Gehlen: „Die technische Entwicklung folgte der Anwendung im Familienalltag. Während vor Jahren die Kinder schlicht hinter dem Fahrrad hergezogen wurden, sind die Aktivitäten heute deutlich differenzierter: Junge Familien gehen Rad fahren, joggen, wandern, nordicwalken und erledigen ihre täglichen Wege in der Stadt – mit den Kindern! In den skandinavischen Ländern gehen sogar viele Eltern mit den Säuglingen skilanglaufen. Völlig klar, dass Eltern nicht für jede Freizeitbeschäftigung ein spezielles Kinderfahrzeug kaufen möchten. Moderne multifunktionelle Kindertransporter sind hier die Lösung. Sie lassen sich mit wenigen Handgriffen anpassen und umbauen. Daran war Anfang der Neunziger Jahre kaum zu denken.“

Wie hat sich diese Entwicklung von Anhänger zum multifunktionellen Transporter vollzogen?

Gehlen: „Diese Entwicklung vollzog und vollzieht sich schrittweise. Bei jeder Produktmodifikation haben wir stets überlegt, wie sich die Funktionalität in der einzelnen Anwendung, beispielsweise als Jogger, verbessern ließ und wie Umbauzeiten und -abläufe optimiert werden könnten. Außerdem geht es auch stets darum, den Komfort und die Sicherheit des Kindes zu verbessern. Eine immer wichtigere Rolle spielt auch das Raumklima im Transporter, denn die Anwendungen reichen vom Laufen in der heißen Innenstadt bis zum Skifahren im kalten Winter. All dies muss der Transporter komfortabel temperieren können. Ein guter Schutz vor Sonne, Regen und Insekten ist ebenfalls Ergebnis einer mehrjährigen Entwicklung mit vielen Rückmeldungen der aktiven Familien.“
 
Wo sehen Sie noch Entwicklungsbedarf?

Gehlen: „Wie jedes andere Transportmittel auch ist der Kindertransporter nie wirklich ‚fertig‘. Wir arbeiten intensiv daran, Kindertransporter immer leichter, komfortabler und sicherer zu machen – und das zu einem weiterhin annehmbaren Preis. Und auch die Weiterentwicklung des Designs spielt für uns eine ganz wichtige Rolle. Denn die Kindertransporter bringen nicht nur einen unmittelbaren Nutzwert, sie gehören für viele Eltern inzwischen ganz selbstverständlich zum Lifestyle. Gemeinsame Aktivitäten mit Kindern haben heute einen hohen Stellenwert. Vielen Eltern sind Outdoor-Erlebnisse mit Kind inzwischen wichtiger als der früher übliche Familienausflug mit dem Auto und auch der Sonntagsspaziergang wird zumeist gerne durch eine Runde Jogging oder Radfahren im Park ersetzt. Diesen veränderten Anforderungen unserer Kunden tragen wir Rechnung, indem wir das Angebot immer weiter ausdifferenzieren: vom ausgesprochenen Sportmodell, mit dem Triathleten trainieren bis hin zum Kindertransporter für den Wocheneinkauf in der Innenstadt wollen eine möglichst breite Palette für jeden Bedarf anbieten.“

Was hat sich in Sachen der Sicherheit in den vergangenen Jahren getan?

Gehlen: „Sicherheit ist ein Leitmotiv bei der Entwicklung. In den letzten Jahren hat es in drei Bereichen wesentliche Neuerungen gegeben. Erstens wurden die Gurtsysteme verbessert. Sie sind bequemer für's Kind geworden, lassen sich von den Eltern einfacher bedienen und sind grundsätzlich fest am Rahmen verankert. Zweitens wurden ans Alter angepasste Transportsysteme entwickelt, die in ihrer Größe aufeinander aufbauen und es so ermöglichen, das Kind vom ersten Tag an in einem multifunktionalen Kindertransporter mitzunehmen: Chariot ist hier mit seinem ausgefeilten Zubehörsystem für den Babytransport – von der Babytragetasche über einen speziellen crashgetesteten Babysitz bis hin zu einer Sitzstütze ein sehr gutes Beispiel. Drittens werden regelmäßige Sicherheitstests durchgeführt: Alle Chariots und Croozer erfüllen beispielsweise die hohen Anforderungen der amerikanischen Verbraucherschutzorganisation ASTM (American Society for Testing and Materials). Unserer Meinung nach die beste Referenz, die man haben kann! Kein anderes Prüfsiegel, auch nicht die in Deutschland bekannten TÜV- oder GS-Siegel, setzt so konsequente und strenge Tests am Gesamtsystem (und nicht nur an einzelnen Bauteilen) voraus.

Welche Vorbehalte bestanden/bestehen gegenüber Kindertransportern?

Gehlen: „Seitens der Eltern waren die Vorbehalte stets sehr gering. Wer mit einem modernen Kindertransporter unterwegs ist, dem zeigen sich die Vorteile und Möglichkeiten sofort auf. Anders war und ist es bei Interessenverbänden, der Politik und Versicherungen. Sie haben in der Vergangenheit den Themenkomplex Fahrrad gerne negativ aufgegriffen. Angesichts der Probleme, die sich aus dem gestiegenen Autoverkehr ergeben und der Notwendigkeit im Hinblick auf den Klimaschutz umzudenken, stellen wir hier inzwischen aber eine deutliche Verbesserung fest.“

Wie ist dies zu verstehen?

Gehlen: „In den vergangenen Jahren gingen alle drei bis vier Jahre Negativ-Meldung durch die Medien: ‚Viele Fahrrad-Anhänger sind für Kinder gefährlich‘, war da zu lesen oder: ‚Studie: Fahrradanhänger können Kindern schaden!‘ Wir nehmen diese Meldungen natürlich sehr ernst und gehen den aufgestellten Behauptungen sofort auf den Grund – schließlich geht es um Kinder und da ist die Sensibilität in der Öffentlichkeit, aber auch unsere eigene Sensibilität als Eltern besonders hoch.
Zudem geben wir selbst Studien in Auftrag, um die Herstellerfirmen bei der Entwicklungsarbeit zu unterstützen.“

Was ist dran an solchen Meldungen?

Gehlen: „In der Regel stellen wir nach der Prüfung fest, dass die Meldungen entweder auf Vorurteilen beruhen, die durch aktuelle Tests längst widerlegt wurden, oder es wurden Tests durchgeführt, die mit den Realitäten aus der täglichen Praxis wenig zu tun haben. Beides ist ärgerlich, denn so werden viele Nutzer unnötig verunsichert. Damit Eltern und Kinder auf der sicheren Seite sind, bestehen wir zum Beispiel auf Prüfzertifikate unserer Hersteller, die die Funktions- und Materialsicherheit ebenso umfassen wie die Schadstofffreiheit. Zudem veranlassen wir selbst Studien und Tests, wie zum Beispiel Crashtests bei renommierten Instituten, um die Entwickler bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Festzuhalten bleibt aus unserer Sicht: Kindertransporter der neuesten Generation sind mit Blick auf die Sicherheit, die Funktionalität und den Komfort die sie bieten, technisch ausgereifte Produkte und – das bestätigen unsere Verkaufszahlen sowie die Beliebtheit bei Eltern und Kindern – für Familien eine echte Bereicherung.“