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Nie mehr ein Platten beim Fahrrad

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Bald könnte das Wort „Platten“ aus dem Duden gestrichen werden. Die (Schall)platten verstauben in den Regalen und auch dem Platten beim Fahrrad scheint auf absehbare Zeit die Luft auszugehen.

Denn in Zukunft wird keine Luft mehr entweichen können. Dem Plattfuß wird der Kampf angesagt. Ein schlauchloser Reifen macht es möglich. Immer wieder gab es Versuche, die Panne Nummer eins beim Fahrrad zu vermeiden: Mit Einlagen oder Vollgummiversionen. Doch durchgesetzt haben sich diese Systeme nie.

Der neueste Vorstoß könnte voll durchschlagen und eine ganze Branche umkrempeln. Denn wer fährt beim Auto denn heute noch mit Schlauchreifen? Und genau von dort hat man sich den neuen Reifen abgeguckt. Das Problem war nur, daß eine Fahrradfelge im Gegensatz zu einer am Kraftfahrzeug aufgrund der vielen Speichen so löchrig wie ein Schweizer Käse ist. Genau jene Löcher vollständig abzudichten, daß es nicht aus allen Löchern pfeift, hat viel Geld und Schweiß gekostet.

Gelungen ist dies dem 43jährige Jordi Nardal aus einem kleinem spanischen Ingenieurbüro. Vier Jahre lang hat er getüftelt und gebastelt.

Das Ergebnis ist ein Reifen, in dem eine hauchdünne luftdichte Gummimischung eingearbeitet ist. Der Reifen bekommt also im Prinzip den Schlauch eingebaut. Stößt nun ein spitzer Gegenstand von außen in die Decke, so entsteht zwar ein Loch und ein wenig Luft tritt aus, doch der Film schließt die Öffnung sofort. Der Luftdruck bleibt stabil, der Radler merkt noch nicht einmal etwas vom Loch in dem Gummiring.

Weit zurückgehen werden die typischen Plattmacher durch Quetschungen und Durchschläge, nachdem man über einen Stein oder den Bordstein gefahren ist.

Sollte doch mal ein größeres Loch entstehen, so läßt sich dies mit herkömmlichem Flickzeug reparieren. Nur daß man die Flicken dann auf der Innenseite des Mantels anbringt.

Neben dem Reifen braucht man allerdings auch eine Spezialfelge. Zwar kann man die Decke auch auf normale Felgen montieren, doch muß sie dann - wie immer - mit einem Schlauch betrieben werden. Die spezielle Hohlkammerfelge besitzt einen Stehkragen, über den die Decke gestülpt wird.

Hergestellt wird dieser luftdichte Metallring vom französischen Felgenhersteller Rigida. Neben dem Stehkragen unterscheidet sich die neue Felge auch durch eine Einlage auf dem Felgenboden. Dieser Gummiflap, ein spezielles Gummiband, dichtet den Luftraum zum Boden hin ab, so daß durch die Speichenlöcher keine Luft entweichen kann. Das Ventil ist in dieses Band einvulkanisiert. Aufgepumpt werden kann der Reifen mit einer ganz herkömmlichen Pumpe. Weiterer großer Vorteil gegenüber den vorhergehenden schlauchlosen Versuchen: Auf die neue Felge können auch die Reifen anderer Hersteller montiert werden. Besonders wichtig ist dies für Reiseradler, die nicht immer damit rechnen können, in aller Herren Länder die neue Decke bekommen zu können.

Jordi Nadal lieferte also die Idee, Rigida die Felge, doch wer produziert den Reifen?

Das Problem an neuen Produkten ist, daß viele Hersteller ihren Markt wegschwimmen sehen. Wie macht man einem Reifenhersteller klar, daß er in Zukunft keine Schläuche mehr verkaufen muß? Dies ist etwa so schwierig, wie einem Glühbirnenhersteller davon zu überzeugen, ein Lämpchen zu produzieren, das nie durchbrennt.

Trotzdem fanden sich zwei Mutige: die in Deutschland wenig bekannte taiwanesische Reifen- und Schlauchfirma Cheng Shin Maxxis und der deutsche Reifenhersteller Continental.

Nach Angaben des Produktmanagers der hannoveranischen Gummiverarbeiters, Frank Badel, soll das neue Produkt etwa zehn Prozent mehr kosten. Also ungefähr so viel, wie ein herkömmlicher Mantel mit Schlauch. Im Frühjahr soll der erste Typ auf den Markt kommen und man muß kein Prophet sein, um verhersagen zu können, daß der neue Mantel einschlagen wird wie ein Nagel in einen herkömmlichen Reifen.

Zunächst hat man es in Hannover auf die Fahrradhersteller abgesehen. Frank Badel zufolge, steht Continental mit mehreren in Kontakt, die die neue Decke einbauen wollen. Dies ist ja auch einfacher als der Ersatz. Denn der ist nicht nur zeitaufwendig, sondern vor allem teuer, da außer dem Reifen auch die Felge gewechselt werden muß (das billigstes Set kostet 150 Mark). Für den, der seine Speichen und die Nabe weiter benutzen möchte, heißt dies: Umspeichen. Für die meisten Radler wird sich dies nicht lohnen.

Dabei setzt man bei Conti vor allem auf den Alltagsradler, der lieber das Rad mit dem Platten im Keller vergammeln läßt, als sich die Hände schmutzig zu machen, nur weil die Luft permanent entweicht.

Im Frühjahr kommt deshalb als erstes eine 28-Zoll-Version fürs Touringrad. Im Sommer soll dann eine Variante für die Mountainbiker folgen. Nicht nur das große Geld drängt zur Markoffensive, sondern auch die Konkurrenz, denn die entwickelt - nach Information von Continental - eigene Schlauchlose.

Hoffentlich einigt man sich am Ende der Pionierphase auf ein System, damit man nicht immer mit dem Reifen derselben Firma radeln muß. Letztendlich bleibt nämlich sonst der Verbraucher irritiert auf der Strecke und flickt lieber weiter seinen Schlauch.

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