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Rohloff schafft Ordnung: 14 Gänge und nur ein Schaltgriff

Besonders Reiseradler favourisieren die Gangschaltung in der Nabe

Manchmal wird man den Verdacht nicht los, auch Fahrradingenieure könnten gedopt sein. In welch kurzen Abständen sie immer mehr Gänge in ein Fahrrad stopfen, verblüfft und beunruhigt zugleich. 27 Variationen sind es mittlerweile und ein Ende ist nicht abzusehen. Gerne wird bei dem Galopp der Innovationen verschwiegen, daß von 27 lediglich 14 Gänge auch wirklich einen Sinn ergeben. Der Rest sind Überschneidungen, technische Wurmfortsätze, die jedoch so manchen Radler zur Verzweiflung treiben. Oder haben Sie je einen Pedalisten mit einem 27-Gang-Bike getroffen, der ihnen auf Anhieb sagen konnten, in welchem Gang er gerade fährt?

Bei drei Kettenblättern vorne und neun Ritzeln hinten verliert man schnell den Überblick. Mit der zunehmenden Gangzahl steigt auch die Anfälligkeit der Technik. Manchmal verklemmt sich die Kette und nur ein Nietendrücker kann dann helfen. Als Verkaufsargument dient jedoch nur die magische Zahl der Schaltmöglichkeiten. Selbst Warnungen von Fahrradhändlern, daß nicht alle Gänge schaltbar sind und es nicht auf die Masse ankommt, werden überhört.

Natürlich gibt es Alternativen. Doch erst so langsam erwacht die Nabenschaltung aus ihrem Dornröschenschlaf. Der Grund für die jahrzehntelange Vernachlässigung waren das schnöde Image, der geringe Wirkungsgrad, das vergleichsweise hohe Gewicht und die Meinung vieler Biker, mit einer Nabenschaltung radelt man erst die Gegend, wenn man das Rentenalter erreicht hat.

Trotzdem wagte vergangenes Jahr die Firma Sachs mit der Zwölf-Gang-Nabe „Elan“ einen Vorstoß. Obwohl die angepeilte Zielgruppe der City- und Trekkingradler zunächst Interesse zeigte, wollten dann allerdings nur wenige auch auf Dauer „elanmäßig“ schalten. So blieben die Verkaufszahlen hinter den Erwartungen zurück. Und mancher Händler, der anfangs selbst sehr viel Elan gezeigt hatte, spricht bereits nach einem Jahr von einem Flop und hofft auf einer Durchbruch der sportlichen Nabenschaltung durch das neue 14-Gang-Getriebe von Rohloff (Tel. 0561 / 875615).

Einen Flop kann sich die Kasseler Firma auch gar nicht erlauben. Zuviel steht für das Familienunternehmen auf dem Spiel. Vor über eineinhalb Jahren überraschte der Chef Bernd Rohloff die Großen der Branche, als er den Bau einer 14-Gang-Nabe ankündigte. Jetzt werden die ersten Exemplare der Speedhub 500/14 ausgeliefert und alle Welt fragt staunend: Wie hat der das gemacht?

Im Verhältnis zur Elan hat die Speedhub mächtig abgespeckt. Schleppt man bei der Elan 3,5 Kilogramm mit sich herum, sind es bei 14-Gang-Version nur 1,92 Kilogramm (die Nabe ohne Schalthebel wiegt sogar nur 1,7 kg). Zwar liegt man damit immer noch etwa 250 bis 350 Gramm über einer Kettenschaltung, allerdings nur, wenn man zu leichten und zugleich teuren Komponenten greift.

Zielgruppe der Speedhub sind vor allem Mountainbiker und Reiseradler. Und wie sich zeigt, haben selbst die nichts gegen eine Nabenschaltung einzuwenden, wenn sie Vorteile bringt.

Die 14-Gang-Nabe muß nicht nachgestellt werden, alle Gänge sind immer schaltbar. Die Kette kann nicht mehr vom Kranz flutschen oder am Rahmen scheppern. Jederzeit fährt man mit einer optimalen Kettenlinie. Der Verschleiß an Kette, Ritzel und Kettenblatt nimmt ab.

Es sind echte 14 Gänge die zur Verfügung stehen. Die Sprünge zwischen den Abstufungen liegen immer bei 13,6 Prozent. Auch dies ist ein großer Vorteil gegenüber einer Kettenschaltung, bei der die Abstufungen stark variieren können.

Die Speedhub kommt auf eine Bandbreite von 526 Prozent, das heißt der größte Gang ist 5,26 mal so lang übersetzt, wie der kleinste Gang. Eine sehr gute Kettenschaltung läßt sich damit allerdings nicht toppen. Zum Vergleich: Die Shimano 3x9-Schaltung hat eine Bandbreite von 571 Prozent.

Nabenschaltungen sagt man nach, daß sie einen schlechten Wirkungsgrad hätten, das heißt, ein Teil der Tretleistung vom Getriebe „verschluckt“ wird. Die Speedhub soll es laut Hersteller dank Ölbad und wälzgelagertem Planetengetriebe auf 96 bis 98 Prozent bringen und damit im Bereich einer gut gepflegten Kettenschaltung liegen.

Den Wirkungsgrad konnten wir bei einer Probefahrt im Hochsauerland nicht überprüfen, jedoch die grundsätzliche Bergtauglichkeit. Selbst Steigungen von 23 Prozent haben wir bewältigt. Nur ein gleichmäßiges, manchen Kettenschaltungsliebhaber störendes Surren ist in den Berggängen zu vernehmen. Der Gangwechsel erfolgt in Sekundenbruchteilen. Unter Last muß man dafür allerdings kurzzeitig den Druck vom Pedal nehmen. Ansonsten kann es zu einem deutlichen Knacken kommen. Geschaltet wird mittels eines Drehgriffs und zwei Schaltseilen. Auch während eines Bergaufstiegs ist es für einen Gangwechsel nie zu spät. Bei einer Kettenschaltung muß dies gut vorher überlegt werden. Auch das Schalten im Stand ist möglich. Verbessern wird man noch den Schaltgriff, der aufgrund seiner kurzen Drehfläche nicht besonders gut in der Hand liegt.

Die Nabe wird serienmäßig mit einem 46er Kettenblatt vorne und einem Ritzel mit 16 Zähnen hinten ausgeliefert. Das entspricht bei einer Kettenschaltung einer Kombination von 46 Zähnen (vorne) zu 11 Zähnen (hinten). Der Berggang ist mit einer Kombination aus 24 zu 28 Zähnen vergleichbar.

Die Kombination von Kettenblatt und Ritzel läßt sich erfreulicherweise verändern. Unter 42 Zähne sollte man allerdings nicht gehen. Ansonsten werden die Belastungen für das Getriebe zu stark. Eine Kombination 42/17 entspricht bei einer Kettenschaltung der Übersetzung 22/32.

Die Wartung der Nabe beschränkt sich auf einen Ölwechsel pro Jahr. Laut Rohloff soll dies von jedermann durchführbar sein. Auch der Ausbau des Hinterrades ist schnell möglich. Schnellspanner, Kabelschnellverschlüsse und die Kupplung des Drehmomentschlüssels lassen sich im Nu öffnen.

Die Speedhub gibt es in vier verschiedenen Ausführungen. Entweder als Cross-Country-Version für herkömmliche Felgenbremsen oder als scheibenbrems-kompatibles Modell in silber oder in rot (50 Mark Aufpreis).

Mindestens 1250 Mark muß man für die Hochleistungsgetriebenabe ausgeben. Die Nabe eignet sich sowohl für 26 Zoll als auch 28-Zollräder. Auch vollgefederte Räder („Fullies“) kann man nachrüsten. Nur Fullies mit einem zusätzlichen Gelenk zwischen Ausfallende und Kettenstrebe („Horst-Link“) sind derzeit noch nicht kompatibel.

Zum Verkaufspreis kommt dann noch die Einspeichung hinzu. Die passenden Speichen gibt es derzeit nur bei Rohloff. Ein Drittel der Jahresproduktion, also etwa 7000 Naben sollen in die Erstausstattung wandern. Räder, die mit der Rohloff-Nabe verkauft werden, beispielsweise ein geplantes Reiserad von Utopia, sollen nicht für unter 3000 Mark zu haben sein.
 
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