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Eine kleine Revolution am Fahrrad

Ein kleiner Fahrradcomputer schlägt große (elektromagnetischen) Wellen. Ist die Fernbedienung erst einmal am Lenker montiert, nimmt der Chip dem schaltfaulen Biker die Gangwahl ab. Der elektronische Butler für Radler, die nur schwer in die Gänge kommen, ist sicherlich eine kleine Revolution. "Auto D" wurde das Kleinhirn getauft und ist von Shimano entwickelt worden.

 

Die Automatikschaltung "Auto D" könnte die Fahrradwelt verändern und die Weichen für eine neue Entwicklung beim Rad einläuten. Denn mit "Auto D" setzt sich Shimano an die Spitze der Bewegung für mehr Komfort beim Radfahren. Schließlich gehört mit dem Computer die Zeit des lästigen Verschaltens der Vergangenheit an.

Die ersten Exemplare der "Auto D" werden dieser Tage an die Händler ausgeliefert. Allerdings zunächst nur in Verbindung mit einem neuen Fahrrad. Einer der ersten Hersteller, der seine Räder mit der Automatikschaltung ausstattet, ist die Firma Hercules, von der wir auch umgehend über Fahrrad Berger ein Rad zur Verfügung gestellt bekamen.

Doch schon vor der ersten Runde eine Enttäuschung: Die deutsche Serienversion verfügt leider nicht mehr über eine Wegfahrsperre. Während Shimano auf der Fahrradmesse Eurobike im vergangenen Herbst dieses Feature noch stolz präsentierte, wird der deutsche Biker wohl für immer darauf verzichten müssen.

Beim japanischen Prototypen konnte man den unbefugten Zugriff aufs Rad mittels der Eingabe eines Codes verhindern. Dabei wurde die Nabe elektronisch-mechanisch blockiert. Ein Fortfahren konnte dies zwar nicht ganz unterbinden (da die Arretierung zum Schutz der Nabe mit viel Kraft gelöst werden konnte), doch machte die Gewaltanwendung dermaßen viel Lärm, daß jeder Dieb dann lieber die Flucht ohne Rad ergriff.

Warum wurde nun in Deutschland auf diese zukunftsweisende Erfindung verzichtet? Vor rund vier Monaten hieß es dazu bei Shimano: "In Deutschland lassen sich Nabenschaltungen nur mit einer Rücktrittbremse verkaufen". Mit Freilauf sei die "Auto D" nicht verkäuflich und eine Wegfahrsperre sei mit einem Rücktritt aus technischen Gründen nicht kombinierbar. Dumm nur, daß die von uns getestete Version über einen Freilauf verfügte. Mittlerweile hört man deshalb noch von einer anderen Version: Rund 1600 Händler hielten die Programmierung und Decodierung der Wegfahrsperre für zu kompliziert. Da fragt man sich natürlich schon, ob wir Deutschen dümmer als die Japaner sind.

Trotzdem hat die "Auto D" noch viel zu bieten. Hätten wir nicht vorher von der japanischen Version erfahren, wir wären sicherlich rundum glücklich gewesen. Gewählt werden kann zwischen zwei Schaltvarianten, der normalen Fahrweise (D genannt) und der sportlichen Weise (DS). In der DS-Stellung schaltet der Computer laut Hersteller alle fünf Kilometer pro Stunde in den nächst höheren Gang, während es bei der D-Stellung in acht km/h-Schritten erfolgen soll.

Unserer Überprüfung konnte diese Angabe allerdings nicht standhalten. In der D-Stellung wurde bei einer Geschwindigkeit von etwa 10 km/h in den zweiten Gang gewechselt, bei ca. 15 km/h in den dritten, und bei ca. 20 km/h in den vierten. In der DS-Stellung wurde schneller hoch geschaltet. Der zweite flutschte wiederum bei etwa 10 km/h rein, der dritte bereits bei circa 13 km/h der vierte schon bei circa 18 km/h.

In den Auto D-Piloten ist auch ein Tachometer integriert, allerdings zeigt die Anzeige nur volle Kilometer an (weshalb wir auch nur circa-Angaben wiedergeben können). Gemessen wird die Geschwindigkeit mittels eines Sensors am Hinterrad. Dort – oberhalb des Tretlagers - versteckt sich auch die Zentraleinheit von "Auto D".

Der Schaltvorgang, egal in welcher Stellung, erfolgt überraschend reibungslos. Kein Knacken in der Nabe ist zu hören. Es ist auch nicht notwendig, beim angekündigten Schaltvorgang den Druck vom Pedal kurz zu nehmen, wie man es von vielen manuellen Nabentypen her kennt. Bei unserer Probefahrt hat sich die "Auto D" nie verhaspelt. Selbst bei rasanten Kavalierstarts nicht. Für die Zielgruppe (Senioren, Gelegenheitsradler, Ausflügler und Einkaufs-Stadtradler) erzeugt die Automatik ein neues, komfortables Fahrgefühl. Schließlich können die Hände immer am Lenker bleiben. Der ständige Blick auf den Schalter bleibt einem erspart, so daß man sich mehr auf den Verkehr konzentrieren kann. Auch Fahranfänger werden dies schätzen lernen.

Jeder Schaltvorgang wird zudem akustisch angekündigt. Der kleiner Piepton kann jedoch irgendwann schon nerven. Doch ähnliche Geräusche gibt auch die Speedtronic von Sram (ehemals Sachs) von sich, bei der man bereits vor Jahren die Gänge nur noch per Tastendruck wählen konnte.

Manuelles Schalten ist freilich auch bei der Auto D möglich (Schalter auf "M" stellen). Manchmal ist es auch bitter nötig, beispielsweise bei einem starken Anstieg. Denn es gibt keine spezielle Stellung für Bergfahrten - wie etwa bei der Automatikschaltung fürs Auto. Die programmierte Abstimmung führt deshalb dazu, daß der Computer auch am Berg bei etwa 10 km/h in den zweiten Gang schalten will, was einem durchaus aus den Tritt bringen kann.

Weiterer Kritikpunkt: Die Tasten fürs manuelle Schalten muß man schon sehr stark drücken, will man eine Reaktion hervorrufen. Der Gangwechsel wird wiederum akustisch, aber in dieser Stellung zusätzlich auch durch eine Ziffer zwischen 1 und 4 (für den eingelegten Gang) im Display angezeigt.

Betrieben wird die Auto D mit einer Batterie. Diese soll etwa 365 Fahrstunden halten. Eine Anzeige warnt zudem vor dem Stromkollaps. Denn ohne Saft kann man zwar weiterradeln, jedoch nur noch im dem gerade eingelegten Gang.

Unsere Probefahrt mit dem Cityrad Curver zeigte, daß die "Auto D" ideal für Stadtfahrten und Ausflüge ins Umland ist. Sie fördert zudem die Mobilität von Menschen, die nicht mehr so stark treten können oder sich bis dato vor der Benutzung einer Gangschaltung scheuten. Der erste Fahreindruck mit dem Serienprodukt hat uns überzeugt. Es ist ausgereift, funktionierte ohne Macken und Murren, legte jederzeit (mit Ausnahme der beschriebenen Bergsituation) den passenden Gang ein.

"Auto D" gibt es momentan nur für die Vier-Gang-Nabe von Shimano. Andere Versionen (beispielsweise für eine 7-Gang-Nabe) könnten folgen, verspricht man zumindest bei Shimano. Natürlich macht das (fast) perfekte Produkt Lust auf mehr. So wünschen wir uns schon jetzt eine erweiterte Tachofunktion (beispielsweise mit der Anzeige der Tages- und Gesamtkilometer). Ideal wäre zudem auch eine Programmiermöglichkeit, mit der jeder seine Schaltung individuell einstellen könnte. Oder sind das zuviel Wünsche von einem nimmer satten Radfahrer?

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