Mit Bike, Boot und Bob

Mit Bike im BootAnfangs war es nur so eine Idee. Eine Tour mit Fahrrad und Boot. Schöne Kombination. Könnte man doch endlich all die Sackgassen fahren, die irgendwo an einem Fluss oder See enden. Könnte man doch Regionen erkunden, die einem sonst als Radfahrer verschlossen blieben. Man könnte ständig zwischen Land und Wasser wechseln. Könnte Seehopping betreiben und völlig neue Routen planen. Schöne Idee, aber auch umsetzbar? Einfach ins Boot steigen mit einem Rad ging nicht. Die Vorgaben: Das Boot sollte aufs Rad passen und das Rad ins Boot. Und alles sollte bezahlbar und bei Portagen auch noch tragbar sein. Die Suche begann. 

Das passende Faltboot war schnell gefunden. Denn nur wenige Kanus sind so leicht und zudem so klein zusammenlegbar, dass man sie auch hinter einem Fahrrad herziehen kann (und auch alleine tragen kann!). Und in nur wenige Boote bekommt man auch ein Fahrrad hineingelegt. Die Wahl fiel auf den Pathfinder der norwegischen Firma Ally. 17,5 Kilogramm plus Paddel mussten auf einem noch auszuwählenden Hänger Platz finden. Bei Fahrradanhänger gibt es eine vergleichsweise große Auswahl. Doch für längere Radtouren eignen sich dagegen nur wenige. Als ideal haben sich Einspuranhänger erwiesen. Sie sind spurtreu und auch auf schmalen Wegen einsetzbar. Viel Auswahl gibt es nicht. Genau genommen nur zwei Modelle, den 499 Euro teuren gefederten und zerlegbaren Monoporter und den B.O.B. Yak (ungefedert für rund 300 Euro Markpreis -UVP liegt bei 349 Euro) sowie den gefederten B.O.B. Ibex für rund 400 Euro. (zu Nachbauten siehe Artikel unter Anhänger). Während beim Monoporter das Gepäck auf einer Bodenplatte aus Kunststoff mit Steckschnallen fixiert wird, ist der Yak aus Chrom-Molybdän-Stahl gefertigt und verfügt über eine Art Transportkorb.

Dieser bietet einen deutlich besseren Halt, besonders, wenn sperrige Güter wie Bootsstangen und Auftriebsmatten transportiert werden müssen. Diese Test bezieht sich zudem nur auf den ungefederten Hänger. Aber auch knapp 300 Euro sind nicht wenig Geld, doch der Bob, wie viele Radfahrer den Yak einfach nennen, ist sehr stabil und besitzt trotz seines winzigen 16-Zoll-Rades gute Laufeigenschaften. Die Wahl fiel deshalb auf diesen Hänger. Zur Sicherheit beim Radhaus in Berlin zur Probe übers Wochenende ausgeliehen. Aber aus dem Wochenende wurden dann zwei Wochen in Mittelschweden. Auf holprigen Schotterstraßen und einsamen Waldwegen gibt es mit einem Boot im Schlepp viel Neues zu entdecken. Wann kann man sonst schon mit einem Fahrrad auf einer Insel übernachten? Wann sonst sich auf einem Fluss mit Bike und Boot treiben lassen? 

An Land mit all den EinzelteilenDas Ally-Faltboot lässt sich in 30 Minuten aufbauen und bepacken (Mehr zum Boot hier). Der Trailer läßt sich wie auch das Fahrrad gut verstauen. An Land stört bei dem "Long Vehicle" ein wenig der große Wendekreis und das Gewicht. 95 Kilogramm müssen erst einmal bewegt werden. Auch reicht bei rund 70 Kilogramm Gepäck eine normale Fahrradstütze nicht mehr aus. Rund 20 Kilo muss der Bob regelmäßig tragen. Kein Problem, denn bis 35 Kilogramm darf er beladen werden. Einige Nachteile hat aber auch dieser Trailer. Zum Beispiel die Aufhängung. Die übliche Schnellspannachse wird durch eine Spezialachse am Hinterrad ersetzt. Dort wird dann der Bob eingehängt. Damit das Gefährt nicht von der Achse springt, wird dieser durch zwei kleine Drahtbügel gesichert. Diese Pins biegen sich allerdings schnell auf. Die Gefahr, sie während der Tour zu verlieren, ist groß. Auch die Aufhängung fürs Hängerlaufrad ist nicht ohne Tücken. Wenn der Schnellspanner sich von alleine lösen sollte (was immer wieder vorkommt, wenn man durchs Unterholz schiebt oder über holperigen Straßen fährt), rollt das Rad hinaus und kullert in den Graben. Drei Mal ist das bisher auf Touren passiert. Der Anhänger hat es ohne große Blessuren überstanden. Schaden haben aber die Stangen vom Boot genommen, als sie über den Boden schrammten. Der Bob vom Radhaus war noch aus dem Jahr 2001. Das neueste Modell ist ein wenig überarbeitet worden (aktuell wird der Bob Yak in schwarz verkauft). An der Aufhängung für das radial eingespeichte Laufrad hat sich nichts verändert, jedoch an der Kupplung zum Fahrrad. Die Pins sind jetzt durch einen Gummi gesichert, können zwar weiterhin aufspringen, gehen aber nicht mehr so leicht verloren. Es ist eine Verbesserung, aber der große Wurf ist auch das nicht. Eine so genannten Weberkupplung, wie sie bei vielen Fahrradanhängern europäischer Hersteller - und auch beim Monoporter - verwendet wird, wäre die bessere Wahl. 

Bike und Boot lässt sich auch bei winterlichem Wetter einsetzen

Die Firma B.O.B. ist dagegen eine kalifornische Firma, und in den USA ist die Weber-Kupplung nicht so verbreitet wie in Europa. Minuspunkte gibt es auch für die Gebrauchsanleitung. Sie ist in Englisch verfasst, obwohl die Kölner Firma Zweipluszwei für den Vertrieb zuständig ist. Zudem ist die Druckqualität schlecht. Die beschriebenen Neuerungen muss man einem (wenn auch in Deutsch) geschriebenen Merkblatt entnehmen. Und laut Katalog soll der Bob-Trailer 5,6 Kilogramm wiegen, wir haben 6,3, Kilogramm gemessen. Für den Bob gibt es als Zubehör eine passende wasserdichte Tasche. Früher gehörte eine einfachere Velours-Tasche zur Serienausstattung, heute muss man die Tasche extra erwerben. Wenn man einen Hänger braucht, sollte man nicht zu lange zögern, denn der Handelspreis ist in den vergangenen Jahren stetig und deutlich gestiegen. 1998 kostete der Bob Yak (noch mit Tasche) 499 Mark und ein Jahr später ohne serienmäßige Tasche 449 Mark. 2001 Jahr musste man 569 Mark bezahlen (ohne Tasche versteht sich) und nun umgerechnet 300 Euro (587 Mark). Am Wechselkurs allein kann es nicht liegen. Höchstwahrscheinlich weiß das auch der Hersteller: Für Radreisende gibt es kaum ernsthafte Alternativen, und für Bootsbesitzer ist es sowieso noch schwerer.

 

Nachtrag Juni 2009:

Der Anhänger hat nunmehr 7 Jahre Einsatz hinter sich. Bisher wurde lediglich die Deichsel ausgetauscht. Dort war bei der Aufhängung der Spielraum doch auf Dauer zu groß geworden, so dass der Hänger hin- und herschlackerte. Ansonsten ist noch nichts gebrochen, obwohl das gute Stück oft deutlich über die 35 Kilogramm beladen wurde. Seit 2008 fahre ich den Hänger auch mit einem zusätzlichen Gepäckträger: Dazu mehr in folgendem Artikel

 

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