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IFMA 99: Jede Menge Bikes mit tiefem Durchstieg oder Vollfederung

Wenn sich der größte Pulk von Menschen auf einer Fahrradmesse vor einem Fernseher bildet, über den der Sieg von Jan Ullrich bei der Spanien-Rundfahrt übertragen wird, spricht dies eigentlich nicht für die ausgestellten Produkte. Auf dem diesjährigen Internationalen Fahrrad-Markt (IFMA) war es deshalb mit ein wenig Kreativität ziemlich einfach, zumindest auf die Titelseiten der lokalen Presse zu kommen. Die Firma Hase Spezialräder hatte einen ganz guten Riecher und kam auf die Idee, fotogen mit einem Liegerad über den Rhein zu fahren (wozu sie sich zuvor das Dreirad mit zwei aufblasbaren Schwimmflügeln ausgestattet hatten). Weder das Rad noch der schwimmenden Untersatz sind wirklich neu. Doch für ein bisschen kostenlose Werbung reichte es. Die anderen 724 Aussteller aus 73 Ländern hatten es da schon schwerer.

Bezeichnend, dass starke Aufmerksamkeit (wenn auch nicht so viel wie die Live-Übertragung von Jan Ullrich) gerade ein Vierrad bekam. Das ZEM (Zero Emission Machine) ist auf den ersten Blick so eine Art "Kett-Car" für Erwachsene. Ein schnittiger Rennwagen mit vier Sitzplätzen. Dank des vierfachen Antriebs (bei vier tretenden Fahrern) erreicht man mit dem ZEM schnell 40 km/h und mehr.

Sage und schreibe 140 Gänge sind auf die vier Räder verteilt worden. (Zweimal je 21 Gänge hinten und vorne je 49 Gänge). Bevor man allerdings die 12 000 Mark für den "langsamsten Sportwagen der Welt" (Firmenwerbung) bestellt, sollte man sich vom Schweizer Hersteller ZEM (www.zem.ch) auch bestätigen lassen, ob das 1,23 Meter breite Fahrzeug für die deutschen Straßen zugelassen ist. Auf der Messe wußten die Schweizer dies nicht sicher zu beantworten.

Vieles, was als Neuigkeit präsentiert wurde, konnte wir bereits einige Wochen vorher auf der Eurobike in Augenschein nehmen. Die IFMA hat zunehmend das Nachsehen und wird nach der Absage einiger Hersteller, die sich ganz auf einen jährlichen Auftritt (auf der Eurobike in Friedrichshafen) konzentrieren, noch stärker von den Einkaufsgemeinschaften wie Veloring oder ZEG bestimmt. Auch die Taiwanesen kommen lieber nach Köln und zeigen teilweise auch ganz dreist ihre Plagiate an Fahrradteilen.

Einige Trends konnten wir dann doch noch ausmachen: Beispielsweise, dass zum Fahrrad mittlerweile fast wie selbstverständlich eine Federung gehört. Die meisten neuen Räder weisen wenigstens eine gefederte Gabel auf. Mit einer gefederten Sattelstütze kombiniert, ergibt sich auf diese Weise bereits ein großes Plus an Fahrkomfort und Spaß, wenn es sich de facto auch nicht um ein vollgefedertes Fahrrad handelt. Die Vollfederung verbreitet sich nach Mountain- und Trekkingbike nun verstärkt bei Stadträdern. Doch keine Angst, es gibt auch noch das klassische Fahrrad. Nur viel bequemer ist es geworden. "Easy-Boarding Bikes" nennt die Branche diese Art von Fahrrad, die sich vor allem durch einen sehr tiefen Durchstieg auszeichnet. Die Pantherwerke beispielsweise bieten für 649 Mark einen "Stepper" an, mit einem mondsichel-geformten Rahmen, der mit einer Durchstiegshöhe von nur 16 Zentimeter auch nicht mehr ganz biegsame Menschen das Radeln leicht ermöglicht. Apropos leicht: Wie fast selbstverständlich wurde auch dieses Jahr wieder eine weitere Runde beim Rennen um das leichteste Fahrrad eingeläutet. Ein Rennrad von Peugeot wiegt nur noch 6,9 Kilogramm. Bei der Tour de France in diesem Jahr war das Rad bereits im Probe-Einsatz. 7700 Mark wird der Aluflitzer dann für jedermann kosten.

Nur wenige neue Fahrradstudien waren an den Ständen der Hersteller zu sehen. In diesem Bereich stagniert die Entwicklung doch deutlich. Einzig ein Prototyp der Firma Raleigh zeigt in etwa, wo die Entwicklung hingehen kann. Ein Stadtrad mit einarmiger Gabel (die sich doch deutlich von der bereits erhältlichen Ein-Holmgabel für Mountainbikes von Cannondale unterscheidet), einseitiger Hinterradschwinge und tiefem Durchstieg. In dieser Kombination ist dies neu. Die Form spart freilich nicht nur an Gewicht, sondern vereinfacht auch den Radwechsel. Nebenbei wird durch solche "einseitigen" Konstruktion auch der Absatz von Scheibenbremsen gefördert, da herkömmliche Bremsen keinen Halt mehr finden. Zunächst soll eine Kleinserie gefertigt werden. Der Preis der Future-Bikes wird zwischen 2000 und 3000 Mark liegen. Dann wird der reine Stahlrahmen des Prototyps auch gegen einen mit Chrom-Molybdän-Legierung oder aus Aluminium ausgetauscht werden, verspricht der Hersteller.

Im Zubehörbereich wird Sicherheit und einfache Bedienung propagiert. Gleich zwei Hersteller (Spanninga und Busch & Müller) zeigten erste Fahrradlampen und Rückleuchten, die sich automatisch (durch einen Sensor) bei einsetzender Dunkelheit oder bei Tunnelfahrt einschalten. Sinn macht diese Erfindung allerdings nur dann, wenn man seine Lichtanlage auf einen (fast) reibungslosen Nabendynamo umgerüstet hat, der dann ständig läuft.

Mehr Licht bringt eine Akkuleuchte von Sigma, die statt der üblichen drei Watt, die maximal vom Gesetzgeber erlaubten fünf Watt auf die Straße wirft. Leider sind solche Lampen bisher immer noch nur bei Rennrädern bis elf Kilogramm erlaubt.

Neue Carbon-Aluminiumlaufräder mit nur acht aeordynamischen Speichen stellte der Felgenspezialist Schürmann vor. "Quadro S" ist das erste Verbundlaufrad aus Aluminium und thermoplastischen Kunststoff, welches nicht so viel kostet wie ein komplettes Mountainbikes. Bisher waren diese Laufräder nämlich sündhaft teuer. Felge und Nabe werden im Spezial-Spritzverfahren nahtlos miteinander verbunden. Der Preis soll für einen Komplettsatz bei etwa 400 Mark liegen.

Das Fazit vieler Messeteilnehmer war, dass die IFMA im Vergleich zur Eurobike trotz überarbeitetem Konzept mit vier Markplätzen, wo teilweise sehr interessante Vorträge gehalten wurden, deutlich an Boden verloren hat. Und das lag nicht nur daran, daß erst am zweiten Messetag das Vortragsprogramm aus der Druckerei kam, sondern auch an dem Umstand, dass die Motorradfirmen nun gänzlich nach München abgewandert sind und sich die Eurobike immer mehr zu einen kompletten Messe mausert, die nicht nur Mountainbikes anbietet.

So lange jedoch die Einkaufsgemeinschaften an Köln festhalten, so Branchenkenner, wird die IFMA weiter stattfinden. Und vielleicht wird man im kommenden Jahr dann noch einen vierten Testparcours aufbauen, um die Lücken in den zwei Doppel-Hallen zu füllen.

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