Luftpumpen: Auch die Kleinen machen ordentlich Druck
Mancher könnte deswegen immer wieder in die Luft gehen, wenn selbige plötzlich unter einem entweicht. Der Druck läßt nach – es zischt und der Reifengummi wabbelt. Die Luft ist raus und weit und breit keine Pumpe zur Hand. Natürlich hat man gerade heute das nützliche Aufblasinstrument vergessen. Typisch.
Früher nahm man die Pumpe schon deshalb nicht mit, weil die schwarzen oder weißen Plastik- oder gar Metallstengel die Länge von Yukka-Stämmen hatten.
Wo sollte man sie beim Kinobesuch lassen, wenn nicht am Fahrrad, wo sie doch immer geklaut wurden? Natürlich zu Hause, dies rächte sich nun.
Zwar gibt es heute Luftpumpenschlösser, doch ob dies die statistische Luftpumpendichte pro Fahrrad vergrößert hat, kann bezweifelt werden.
Viel praktischer sind da schon Minipumpen. Sie sind meist nicht größer als eine Banane und finden deshalb überall Platz, in der Akten- oder auch in der Innentasche der Jacke.
Populär wurden sie durch die Grammfetischisten unten den Mountainbikern. Klein heißt leicht. Und Mountainbiker stört jedes unnötige Gewicht.
Die Kleinen sind erwachsen geworden, jedenfalls was ihre Leistung betrifft. Allerdings hat natürlich alles seine Grenzen. Zwar gelten für große und kleine Pumpen die Gesetze der Physik, daß Druck gleich Kraft durch Fläche ist, und deshalb der erzeugbare Druck im Reifen nicht von der Größe des Hilfsmittels aus Plastik oder Alu abhängt. Doch ganz entscheidend ist, und auch das ist ein Gesetz der Natur, der Durchmesser der Pumpe. Wer durch einen Strohhalm pustet erzeugt deshalb einen höheren Druck als wenn er durch ein Abwasserrohr bläst.
Nur daß in einem kürzeren Rohr gleichen Durchmessers natürlich pro Pumpvorgang weniger Luft in den Reifen gelangt.
Soviel zur Theorie. In der Praxis ist vor allem entscheidend, daß man überhaupt eine Pumpe dabei hat. Denn mit dem Mund einen Fahrradschlauch aufzublasen, bleibt wohl potentiellen „Wetten, daß“-Kandidaten vorbehalten.
Und die Pumpe muß zum Ventil passen. Denn drei Ventilarten sind Standard: Blitz, Schrader (Autoventil) und Sclaverand (Französisches Ventil). Manche Handkompressoren eignen sich aufgrund eines Adapters für sämtliche Ventilarten. Andere Verdichter haben einen Doppelkopf für ein Autoventil auf der einen und ein Sclaverand- oder Blitzventil auf der anderen Seite. Bei den preiswerten Ausführungen (für knapp zehn Mark), die man beispielsweise beim Kaffeeholen mitnimmt, kann es aber durchaus vorkommen, daß sich die nicht benutze Seite beim Pumpen nicht richtig schließt und ein Großteil der Luft durch das unfreiwillige Loch entweicht. Deshalb gilt auch für Fahrradpumpen: Vor den Kauf ausprobieren.
Halter gibt es für Pumpen in sehr unterschiedlicher Ausführung. Die längeren können direkt am Rahmen eingeklemmt werden. Minipumpen finden oft einen idealen Platz am Flaschenhalter und die mittleren Varianten sieht man sehr oft unterhalb des Gepäckträgers. Manch´ eine versteckt sich auch während der Fahrt in der Sattelstütze oder ist eine Kombination aus Schloß und Pumpe.
Das Format ist über die Jahre etwa gleich klein geblieben, wenn sich die Pumpen auch zwischenzeitlich teleskopartig strecken können. So wird aus der 13,5 Zentimeter langen Puffup von Ciclolinea (29,50 Mark) ein (fast) normale Version mit 37 Zentimetern.
Nicht ganz unwichtig beim Kauf der Pumpe ist der erzeugbare Druck (bar). So manch eine Blashilfe macht dabei schlapp und die Luft zischt am Ventil vorbei. Ganz sinnvoll kann ein ausklappbarer Griff sein, wie ihn etwa die Blackburn MMP1 Mammoth (für 54,90 Mark) besitzt. So hat man die Alupumpe besser im Griff. Auch ein Klemmhebel leistet gute Hilfe. So muß die Pumpe nicht mehr mit der einen Hand am Ventil gehalten werden.
Minipumpen sind ein guter Kompromiß zwischen Größe und Leistung. Mit der Qualität, sprich der Schnelligkeit des Aufpumpens können sie allerdings nicht mithalten. Bis man beispielsweise einen Druck von fünf Bar bei einem Mountainbikereifen erreicht hat, können durchaus 150 Pumpstöße vorausgehen. Noch schweißtreibender trifft es Rennradfahrer, deren Reifen - nicht unüblich - bis zu acht Bar aufgepumpt werden. Die können auch schon mal mit dem doppelten Pumpzyklus rechnen.
Wer zuhause öfters Luft braucht, der wird mit einer Miniausführung nicht glücklich werden. Dafür gibt es dann Standpumpen, mit denen man viel besser Druck machen kann. Fürs schnelle Aufpumpen zwischendurch gibt es auch Gaspumpen, die mit einer CO2-Patrone arbeiten. Für einen Mountainbikereifen kann es sein, daß eine Patrone nicht reicht, eine zweite jedoch schon zuviel ist. Für einen Rennradler kann dagegen schon eine zuviel sein. Die Luftzufuhr sollte deshalb gut dosierbar sein. Sonst knallt´s. Es gibt mittlerweile Ausführungen mit Regulierung. Die Air Champ von Brügelmann (für 34,90 Mark) soll sich deshalb sogar für Motorrad- und Autoreifen eignen.
Den Pumpspaß aus der Patrone bekommt man natürlich nicht auf Pump, sondern nur gegen Bares. Fünf Ersatzpatronen für die Airchamp kosten 12,50 Mark. Selbst Hand anzulegen ist dann doch billiger.
Und was macht man, wenn auf einer Reise die einzige Pumpe nicht mehr pumpt? Sicherheitsfanatiker haben immer eine Zweitpumpe dabei. Denn das Gefühl an alles gedacht zu haben, alles reparieren zu können, aber einen winzigen Anteil der Unmengen von Luft, die sich um uns befinden, nicht in einen popeligen Reifen, ohne dieses Hilfsmittel zu bekommen, läßt manchen Radler nachts unruhig schlafen. Dann träumen sie davon, daß es endlich wie im neuen James-Bond-Film einen Reifen (auch) für Radler gibt der nie


